CS fühlt ihren Grosskunden auf den Zahn

Die Credit Suisse verrät nach Besuchen bei Grosskunden, was diese über Aktien, Zinsen und das Erdöl denken. Überraschenderweise sind sich die Grossbank und ihre Klienten in keinem Punkt einig.
08.08.2016 08:31
Von Lorenz Burkhalter
Die Finanzmärkte gleichen einer Achterbahnfahrt. Dennoch haben die Kunden der Credit Suisse eine klare Meinung, was die Zukunft betrifft.
Die Finanzmärkte gleichen einer Achterbahnfahrt. Dennoch haben die Kunden der Credit Suisse eine klare Meinung, was die Zukunft betrifft.
Bild: Pixabay

Die amerikanische Citigroup macht es ab und zu, die Bank of America Merrill Lynch sogar einmal die Woche - und neuerdings tut es auch die Credit Suisse. Die Rede ist davon, den eigenen Grosskunden auf den Puls zu fühlen.

Nach einer umfangreichen Besuchsreihe bei Klienten in den USA, Europa und Südafrika wissen die Anlagestrategen der Credit Suisse interessantes zu berichten:

Aktien: Grundsätzlich sind die Kunden der Schweizer Grossbank so negativ gegenüber den Aktienmärkten wie selten zuvor. Dabei werde auf die vom Wirtschaftsumfeld, der Politik und der zukünftigen Entwicklung der Unternehmensgewinne ausgehenden Risiken verwiesen, so die Experten. Letztere wiederum erachten diese Haltung als zu pessimistisch. An der Risikoprämie gemessen ist die Aktienbewertung der Credit Suisse zufolge vergleichsweise günstig. Anleihen und Immobilien halten sie hingegen für masslos überteuert.

Erst vergangene Woche erhöhte die Schweizer Grossbank ihre Jahresendziele für den amerikanischen S&P-500-Index sowie für den EuroStoxx 50 Index auf 2250 (alt: 2100) respektive 3100 (alt: 2950) Punkte. Dennoch rät sie weiterhin nur zu einer neutralen Gewichtung von Aktien.

Schwellenländer: Machten Anleger lange einen grossen Bogen um die Schwellenländer, scheinen sich zumindest jene der Credit Suisse vermehrt wieder für diese aufstrebenden Regionen zu interessieren. Als Gründe hierfür werden die vergleichsweise hohen Realzinsen und die Fantasie möglicher Währungsgewinne genannt.

Die Strategen verweisen an dieser Stelle auf Aktien von Unternehmen mit einem hohen Ergebnisbeitrag aus den Schwellenländern wie SGS, Vodafone oder Endesa.

Zinsen: Was die Zinsen anbetrifft, wissen die Experten von einer regelrechten Kapitulation der Kundschaft zu berichten. Habe sich diese zuvor auf "tiefere Zinsen über eine längere Zeit hinweg" eingestellt, so rechne sie mittlerweile mit "tiefen Zinsen auf immer und ewig", so lautet der Tenor. Die Strategen selber erwarten hingegen einen kurzfristigen Zinsanstieg – wenn auch von einem sehr tiefen Stand aus.

Erst kürzlich warnten sie deshalb vor defensiven Aktien mit einer attraktiv hohen Dividendenrendite, wie sie im europäischen Nahrungsmittelsektor zu finden sind. Dabei wurde die Nestlé-Aktie namentlich erwähnt und als rückschlagsgefährdet bezeichnet.

Erdöl: Wie die Experten schreiben, befürchten viele Grosskunden einen Vorstoss des Rohölpreises in die Region von 60 bis 70 Dollar je Fass. Das, obschon an den Terminmärkten für die nächsten drei Jahre "nur" von einem durchschnittlichen Fasspreis von 56 Dollar ausgegangen wird. Die Schweizer Grossbank selber ist deutlich zurückhaltender und rechnet nicht mit einem Anstieg auf über 50 Dollar je Fass.