CS-Ökonomen erwarten stagnierende Mieten

In den letzten Jahren kannten die Mietpreise in der Schweiz nur eine Richtung: nach oben. Dieser Trend könnte nun stoppen. Das zumindest erwarten Ökonomen der Credit Suisse. Ein Grund ist der geringere Zustrom von Arbeitsmigranten.
01.03.2016 11:25
Wohnzimmer in einer Mietwohnung: Die Mieten steigen laut CS nicht weiter an.
Wohnzimmer in einer Mietwohnung: Die Mieten steigen laut CS nicht weiter an.
Bild: freeimages.com

Deren Zahl habe schon letztes Jahr um 10 Prozent abgenommen, heisst es in einer am Dienstag veröffentlichten Studie. Und die Credit-Suisse-Ökonomen erwarten für dieses Jahr einen weiteren, noch grösseren Rückgang. Denn das Beschäftigungswachstum dürfte im laufenden Jahr einbrechen.

Zwar dürften die Flüchtlinge den Rückgang bei den Arbeitskräften zahlenmässig mehr als kompensieren. Dies führe zu einer zusätzlichen Nachfrage nach Mietwohnungen, allerdings nur im untersten Preissegment. Derweil werden jedoch ungebremst neue Mietwohnungen fertiggestellt. Im laufenden Jahr dürften es gemäss Schätzung der Credit-Suisse-Ökonomen rund 24'000 sein. Und ein Abebben sei nicht zu erwarten.

Suche nach Anlagemöglichkeiten

Der Grund für die anhaltend hohen Investitionen ist, dass die von den Negativzinsen gebeutelten Investoren nach Anlagemöglichkeiten suchen und sich mit Immobilien noch vergleichsweise hohe Renditen erzielen lassen.

Die beiden Entwicklungen haben laut den Credit-Suisse-Ökonomen zur Folge, dass das Angebot an Mietwohnungen dieses Jahr deutlich stärker wächst als die Nachfrage. Erste Indizien für diesen Trend gebe es bereits: So seien die Leerstände bei den Mietwohnungen seit 2014 um mehr als 4000 Wohnungen pro Jahr gestiegen. Die Vermarktung werde schwieriger, es dauere länger bis für Wohnungen Mieter gefunden werde.

Aus diesen Gründen prognostizieren die Studienverfasser für das laufende Jahr, dass der Mietpreisauftrieb in der Schweiz "fast vollständig" zum Erliegen kommt.

In den anderen Immobiliensegmenten sieht es ähnlich aus, insbesondere bei den Geschäftsflächen: Dort sinken die Mieten bereits. Die Leerstände steigen. Beide Trends dürften anhalten. Denn die Digitalisierung erleichtert die Auslagerung gewisser Jobs ins Ausland und die Frankenstärke begünstigt diesen Trend.

Zudem teilen sich Arbeitnehmer immer häufiger einen Arbeitsplatz oder arbeiten von zuhause aus, was die Nachfrage nach Büroflächen ebenfalls senkt. Trotz der sinkenden Nachfrage werden allerdings weiter Geschäftsflächen gebaut. Der Grund dafür sind wie bei den Mietwohnungen renditesuchende Investoren.

Bei den Verkaufsflächen dürfte künftig insbesondere der Onlinehandel die Nachfrage dämpfen. Laut Studie ist mit weiteren Ladenschliessungen, steigenden Leerständen und sinkenden Mieten zu rechnen.

Wohneigentumsmarkt bleibt stabil

Einzig auf dem Wohneigentumsmarkt dürften Angebot und Nachfrage im Gleichgewicht bleiben. Die Nachfrage werde jedoch immer stärker durch ältere Personen getragen, schreibt die Credit Suisse. So seien Wohneigentümer heute im Durchschnitt bereits 57 Jahre alt.

Das hänge mit dem Älterwerden der finanziell gut situierten Babyboomer-Generation zusammen. Jüngere Personen blieben derweil auch aufgrund der hohen Preise länger in Mietwohnungen. Zwischen den Generationen tut sich gemäss der Studie folglich ein Graben auf.

(SDA)