CS-Zahlen fallen durch - die Aktie taucht

Die Credit Suisse erzielt überraschend einen Quartalsgewinn. Weil der Teufel einmal mehr im Detail steckt, gerät die Aktie in altes Fahrwasser und fällt.
28.07.2016 12:46
Von Lorenz Burkhalter
Auf den zweiten Blick wissen die Quartalszahlen der Credit Suisse nicht zu überzeugen.
Auf den zweiten Blick wissen die Quartalszahlen der Credit Suisse nicht zu überzeugen.
Bild: Bloomberg

Die durchs Band besseren Quartalsergebnisse amerikanischer Investmentbanken wie Morgan Stanley oder Goldman Sachs hätten es eigentlich erahnen lassen müssen: Der Zahlenkranz für das zweite Quartal liegt auch bei der Credit Suisse (CS) über den jeweiligen Analystenschätzungen.

Wie so oft liegt der Teufel allerdings im Detail, lässt sich die Differenz zwischen dem gemeldeten Gewinn und den tieferen Erwartungen doch mit einmaligen Gegebenheiten wie der Auflösung von Kreditrückstellung sowie geringeren Restrukturierungskosten erklären.

Nachdem die CS-Aktie im frühen Handel bis auf 11,95 Franken kletterte, gerät sie im Laufe des Vormittags unter Verkaufsdruck. Zur Stunde verliert sie 3,2 Prozent auf 11,18 Franken und gerät damit in altes Fahrwasser. Beobachter berichten denn auch von orchestrierten Verkäufen aus dem Ausland.

In einem Kommentar der Bank Vontobel räumt der Verfasser ein, dass der bereinigte Vorsteuergewinn im zweiten Quartal höher als von ihm erwartet ausgefallen ist. Neben begrüssenswerten Fortschritten auf der Kostenseite führt er die positive Ergebnisüberraschung in erster Linie aber auf aufgelöste Kreditrückstellungen zurück. Er hält vorerst am "Hold" lautenden Anlageurteil sowie am Kursziel von 12,30 Franken fest.

Fortschritte auf der Kostenseite

Auch sein für die Zürcher Kantonalbank tätiger Berufskollege macht vornehmlich die Auflösung von Kreditrisikovorsorge für die guten Zahlen verantwortlich. Er selber hatte zudem mit höheren Restrukturierungsaufwendungen gerechnet. Der normale Geschäftsgang habe sich im Rahmen des Erwarteten bewegt, so lautet sein Urteil. Er stuft die Aktien deshalb wie bis anhin nur mit "Marktgewichten" ein.

Deutlich optimistischer fällt der Kommentar aus dem Hause UBS Investmentbank aus. Darin ist von einem "beruhigenden" Quartalsergebnis zu lesen. Obschon die Erträge im zweiten Quartal etwas tiefer als erwartet ausgefallen seien, seien dem Unternehmen auf der Kostenseite überdurchschnittlich starke Fortschritte gelungen, so heisst es weiter.

Universalbank Schweiz kann überzeugen

Auch an der steigenden Kernkapitalquote, der guten Nettoneugeldentwicklung im Private Banking, der widerstandsfähigen Bruttomarge und dem beobachteten Abbau von Risiken findet der Verfasser sichtlich Gefallen. Er empfiehlt die Aktie wie bis anhin mit einem 12-Monats-Kursziel von 13 Franken zum Kauf.

Der Analyst von Morgan Stanley spielt die Überraschung hingegen etwas herunter und verweist auf die vergleichsweise tiefen Erwartungen im Vorfeld der Ergebnisveröffentlichung. Er führt den höher als erwarteten Gewinn auf die strikte Kostendisziplin bei der Schweizer Grossbank zurück. Die Aktie wird bei der amerikanischen Investmentbank weiterhin mit "Equal-weight" und einem Kurzsiel von 12 Franken eingestuft.

Gut kommt in Expertenkreisen das besser als erwartet ausgefallene Ergebnis der Universalbank Schweiz an. Der erstmals separat ausgewiesene Gewinnbeitrag übertrifft die Konsensschätzungen ziemlich deutlich. Das ist im Hinblick auf die geplante Publikumsöffnung vom kommenden Jahr mehr als nur ein Apropos.