Darum fällt der Ölpreis wieder

Seit vier Monaten steigen die Ölpreise nach dem krassen Absturz im letzen Jahr wieder deutlich an. cash nennt fünf Gründe, wieso diese Hausse nicht von Dauer sein wird.
01.06.2016 22:30
Von Pascal Züger
Für Rohöl bezahlt man derzeit knapp unter 50 Dollar pro Barrel. Wie lange noch?
Für Rohöl bezahlt man derzeit knapp unter 50 Dollar pro Barrel. Wie lange noch?
Bild: Bloomberg

Ein massives Überangebot gepaart mit einer nachfrageseitigen Schwäche setzte dem Ölpreis lange Zeit zu. Den (vorläufigen) Tiefpunkt erreichte Öl diesen Januar. Für ein Barrel der Marke Brent bezahlte man zwischenzeitlich nur noch 27,10 Dollar – so billig gabs Öl damals seit fast 12 Jahren nicht mehr. Doch danach setzte plötzlich eine "Öl-Rallye" ein, wie folgende Grafik zeigt:

Ölpreis-Entwicklung der letzten 12 Monate, Marke Brent. Quelle: cash.ch

Aktuell bezahlt man für ein Barrel Öl der Nordsee-Sorte Brent wieder 49 Dollar - zuletzt war Öl im November 2015 so teuer. Im Vergleich zum Tiefstwert im Januar ist das eine Preiserhöhung von ganzen 80 Prozent.

Weshalb hat der Ölpreis plötzlich so stark angezogen? "Der Anstieg der letzten Monate war mehrheitlich getragen von Ölförderausfällen", sagt Susanne Toren, Rohstoffexpertin der Zürcher Kantonalbank (ZKB) auf Anfrage von cash. Hinzu kamen Fantasien wegen des OPEC-Treffens vom Donnerstag, an dem die beteiligten erdölproduzierenden Länder eine Angebotsdrosselung beschliessen könnten.

Doch wer nun auf eine Fortsetzung der Ölpreis-Erholung setzt, wird vielleicht auf die Nase fallen. Denn vieles spricht dafür, dass Öl bald sogar wieder günstiger werden wird. Das sind die Gründe:

1. Ölförderausfälle sind nur temporär

Es ist ein altes ökonomisches Gesetz: Verknappt sich das Angebot, so erhöhen sich die Preise. Und zuletzt verringerte sich das Angebot auf dem Ölmarkt wegen einer deutlich geringeren Förderung in Kanada und Nigeria, was dem Ölpreis prompt einen Auftrieb gab. Doch beide Angebotsrückgänge sind nur sehr kurzzeitige Erscheinungen: In Kanada waren Waldbrände für den Produktionsrückgang verantwortlich. Die Lage hat sich inzwischen wieder beruhigt. In Nigeria kam es zu Anschlägen auf Ölpipelines durch Rebellen. Die Unruhen halten dort zwar noch weiter an, doch früher oder später wird wieder Ruhe einkehren.

2. Keine Einigung am OPEC-Treffen

In Wien setzen sich die erdölexportierenden Staaten an einen Tisch. Bis zuletzt wurde gemutmasst, dass an diesem Opec-Treffen eine Förderbeschränkung beschlossen werden könnte. Doch Äusserungen des Ölministers der Vereinigten Arabischen Emirate machen diese Hoffnung wieder zunichte: "Der Markt wird sich von selbst auf einen Preis zu bewegen, der sowohl für die Verbraucher als auch für die Produzenten fair ist", sagte Suhail Al Mazrouei im Vorfeld des Treffens. Und auch von iranischer Seite gibt es kaum Anreize für eine Beschränkung, da man dort "auf jeden Cent der Öl-Einnahmen angewiesen ist", wie Toren von der ZKB sagt.

3. Irans grosse Pläne

Iran führt sowieso ganz anderes im Schilde als eine Angebotseinschränkung: Nachdem die Sanktionen gegen das Land wieder gelockert wurden, meldet sich der hinter Saudi Arabien zweitgrösste Ölexporteur wieder auf dem Weltmarkt zurück. Alte Förderkapazitäten laufen bereits wieder auf Hochtouren, darüber hinaus stehen modernere Produktionen in Zusammenarbeit mit westlichen Investoren in der Pipeline. Das wird das Ölangebot noch weiter erhöhen.

4. Der Dollar wird stärker

Wertet sich der Dollar auf, so verteuert sich Rohöl  für viele Investoren,  da das "schwarze Gold" normalerweise in Dollar gehandelt wird. Die Teuerung drückt auf die Nachfrage und als Folge davon auch auf den Ölpreis. Momentan deutet vieles auf einen stärkeren Dollar hin: Der nächste US-Zinsschritt ist nur noch eine Frage der Zeit. Ein höherer Zinssatz in den USA macht automatisch Anlagen in den Dollar – und damit auch den Dollar selbst – attraktiver.

5. Chinas sanfte Landung

Dass sich Chinas Konjunktur abschwächt, ist längst kein Geheimnis mehr. Das dämpft die Nachfrage nach Rohöl. Käme es in China gar zu einem stärkeren Konjunktureinbruch, dann könnten gemäss Toren gar die Januar-Tiefststände von Rohöl nochmals gestestet werden. Bleibt ein solcher nachfrageseitige Schock aus, geht die Rohstoffexpertin von einem Ölpreis Ende Jahr von zwischen 40 bis 45 Dollar aus - was noch immer unter dem aktuellen Wert liegt.