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«Das Absturzrisiko ist grösser geworden»

US-Aktien sind schon sehr hoch bewertet. Mit der anstehenden Zinswende wird das Risiko eines Crashs noch grösser, sagt Morningstar-Anlagechef Daniel Needham im cash-Börsen-Talk. Er zeigt mögliche Alternativen auf.
20.03.2015 01:00
Von Ivo Ruch, Amsterdam
Daniel Needham ist Chief Investment Officer bei Morningstar in Chicago.
Bild: cash

Die Reaktion der Märkte war augenfällig. Nach der geldpolitischen Erklärung der amerikanischen Notenbank (Fed) am Mittwochabend zogen die US-Börsen kräftig an. Auch die europäischen Börsen folgten am Donnerstag diesem Trend. Der Swiss Market Index (SMI) kletterte sogar auf ein neues Jahreshoch bei 9340 Punkten.

Fed-Präsidentin Janet Yellen bereitete zwar den Boden für eine erste Zinserhöhung seit fast zehn Jahren, dürfte aber bei der geldpolitischen Straffung behutsamer vorgehen als erwartet. "Wenn die Zinsen höher erwartet werden, ist der aktuelle Wert von zukünftigen Cash-Flows tiefer. Wann immer dieser Mechanismus tangiert wird, reagieren die Märkte", sagt Daniel Needham, Präsident und CIO von Morningstar, im cash-Börsen-Talk am Rande der Morningstar Institutional Conference in Amsterdam.

Die Zinswende, und dann?

Ein gutes Beispiel dafür ist auch der Dollar. Innert kurzer Zeit verlor der "Greenback" am Mittwochabend gegenüber dem Franken bis zu 3 Prozent, bevor er sich bei 0,99 Franken einpendelte. Gemeinhin wird erwartet, dass die Fed bereits im Sommer die lange erwartete Zinswende einleiten wird.

Bis es so weit ist, wird die Fed allerdings ganz genau auf Daten der US-Wirtschaft schauen. Insbesondere die Inflationsraten und die Löhne werden dabei im Zentrum stehen. "Wenn sich die amerikanische Wirtschaft im Laufe des Jahres abkühlt, könnte eine Zinserhöhung auch ganz ausbleiben", gibt Needham zu bedenken.

Was passiert an den Aktienmärkten, wenn die Zinswende Tatsache ist? Immerhin sind viele Indizes bereits jetzt auf historischen Höchstständen. Alleine die US-Börsen haben in den letzten sechs Jahren mehr als 200 Prozent dazugewonnen.

"Eine der wichtigsten Voraussetzungen für einen Crash sind hohe Bewertungen. In den USA ist das bereits Tatsache. US-Aktien sind überteuert", sagt Daniel Needham. Bei den aktuell tiefen Zinsen sei es schwierig zu sagen, was Firmen überhaupt wert sind. "Das Absturzrisiko ist sicher grösser als in der Vergangenheit", so Needham.

Bleibt die Frage nach Alternativen zu Aktien. Needham sieht diese bei Immobilien, Unternehmensanleihen oder Währungen, sagt aber gleichzeitig: "Es ist ein sehr schwieriges Umfeld für attraktive Investments. Diversifizierung ist bestimmt eine gute Idee."

Eines ist sicher: Die Suche nach Rendite bleibt mühsam, anstrengend - und sie wird bestimmt nicht risikoärmer.

Im Börsen-Talk mit cash sagt Daniel Needham zudem, was langfristig orientierte Anleger beachten sollten.

Das Gespräch mit Daniel Needham fand an der Morningstar Institutional Conference in Amsterdam statt. cash ist an diesem Anlass Medienpartner.