«Das Bankgeheimnis ist Vergangenheit»

Nach dem Abgang helvetischer Top-Manager bei der Deutschen Bank im letzten Jahr rückt ein junger Schweizer mehr und mehr in den Fokus. Er hat die Zeichen der Zeit schon länger erkannt.
11.06.2013 02:49
Von Daniel Hügli, Frankfurt
Marco Bizzozero ist seit März 2009 Chef der Deutschen Bank in der Schweiz.
Marco Bizzozero ist seit März 2009 Chef der Deutschen Bank in der Schweiz.
Bild: iNg

Seit dem Abgang von CEO Josef Ackermann und Risikochef Hugo Bänziger im letzten Jahr ist die Deutsche Bank um ein beträchtliches Stück Schweiz leichter geworden. Auch Pierre de Weck, Chef des Private Wealth Management, musste vor einem Jahr eine Entmachtung hinnehmen. Sein Bereich ging auf den Italiener Michele Faissola über.

Genau dieser Bereich, die Vermögensverwaltung, ist seit einem Jahr eine Grossbaustelle der Bank. Die Ackermann-Nachfolger Jürgen Fitschen und Anshu Jain haben den Umbau eingeleitet. Dieser ist einer der wichtigsten in einer Bank, die sich wie andere Geldhäuser in einem Transformationsprozess befindet. Die neu geschaffene Konzernsparte Asset and Wealth Management (AWM) wurde zum bunten Gemischtwarenladen und umfasst nun sowohl die Fondsgesellschaft DWS, institutionelle Kunden wie auch die ganze Palette von Vermögensverwaltung vom superreichen Privatkunden bis zum Kleinsparer.

Aus Schweizer Sicht rückt Marco Bizzozero als CEO der Deutschen Bank (Schweiz) damit mehr in den Fokus. Er ist in der Vermögensverwaltung für reiche Kunden einer von vier Bereichsleitern und zeichnet als CEO für die Region Europa (ohne Deutschland), Mittlerer Osten und Afrika (kurz: EMEA). Bizzozero ist damit verantwortlich für 20 Prozent der total 270 Milliarden Euro, welche die Deutsche Bank für wohlhabende Private investiert hat. Der Schweizer verwaltet Kundenvermögen von Südafrika über Saudi-Arabien und die Schweiz bis nach Russland.

"Die EMEA-Region ist sehr attraktiv für uns. Vor allem in den Schwellenländern gibt es eine wachsende Zahl von sehr vermögenden Kunden", sagte Bizzozero am Montag vor rund 100 Journalisten aus Asien, Europa und den USA in Frankfurt, die sich den Umbau der Vermögensverwaltungssparte der Deutschen Bank von rund 20 Managern des Geldhauses erklären liessen. Laut Bizzozero hat die EMEA-Region in 24 Ländern rund 30'000 Kunden, die von 450 Bank-Beratern betreut werden. Zwei Drittel der Kunden werden in Europa betreut, rund ein Drittel in den Regionen Mittlerer Osten und Afrika.

Gelder aus Spanien und Italien

Wie andere Banken auch konzentriert sich die Deutsche Bank in der Vermögensverwaltung immer mehr auf die reicheren unter den reichen Privatkunden. Lukrativ ist die Klientel mit mindestens 10 Millionen Franken investierbarem Vermögen. Sie machen bei der Deutschen Bank (Schweiz) rund 60 Prozent der verwalteten Vermögen aus.

Der 43-jährige, aber jungendhaft wirkende Tessiner Bizzozero war 2004 zur Deutschen Bank gestossen und arbeitete zuvor bei LGT und der UBS. Er wurde im März 2009 Chef der Deutschen Bank in Zürich - just zu dem Zeitpunkt, als die Märkte in der Finanzkrise einen Tiefpunkt erreichten. Gleichzeitig nahm in der Schweiz die Bedeutung des grenzüberschreitenden Vermögensverwaltungsgeschäftes laufend ab. Die Mitarbeiterzahl der Deutschen Bank in der Schweiz schrumpfte auf heute 700 von einmal über 1000, die Höhe der verwalteten Vermögen verringerte sich im Vergleich zu 2009 um etwa 20 Prozent.

Bizzozero hielt in Frankfurt auch klar fest, dass eine Kundenanonymität oder Bankgeheimnis - "wie auch immer Sie das nennen wollen" - zwecks Steueroptimierung "der Vergangenheit angehört". Seine EMEA-Kunden würden dazu ermutigt, ihre Vermögen beim Fiskus zu deklarieren. Schon vor Jahren hatte Bizzozero gesagt, die Schweizer müssten ihre Geschäftsmodelle an eine Welt ohne fiskalisches Bankgeheimnis anpassen - und schuf sich damit in der Schweizer Bankenszene kaum Freunde.

Ganz offensichtlich profitiert Bizzozeros Bereich nun aber von der allgemeinen Verunsicherung in den südeuropäischen Ländern. Italien und Spanien verzeichnen in seinem Bereich "signifikantes Wachstum" bei den Neugeldern. Bizzozero bezeichnete diesen Geldstrom als "Flucht in die Sicherheit".

Stellenabbau vorbei?

Dennoch bleibt der Druck hoch: Bis 2015 soll AWM der Deutschen Bank einen Vorsteuergewinn von 1,7 Milliarden Euro abliefern. Zum Vergleich: Ende 2012 waren es bloss mal 160 Millionen. Seit letztem Jahr wurden von den damals rund 7300 Vollzeit-Jobs in AWM rund 900 gestrichen. Es soll bis 2015 gelingen, das Kosten-/Ertragsverhältnis von satten 80 Prozent Ende 2012 bis auf 65 Prozent zu drücken.

"Nach einem Jahr im Amt bin ich immer zuversichtlicher, dass wir unser Ziel erreichen oder sogar übertreffen werden", sagte AWM-Chef Faissola an der Medienorientierung in Frankfurt. Das Thema Stellenabbau sei nun aber im Grossen und Ganzen erledigt. Aber: "Wir haben ein sehr herausforderndes Marktumfeld und stehen noch ganz am Anfang unserer Reise", betonte Faissola.