Hügli meint

Das Börsen-Trauerspiel von Looser hat ein Ende

Nach jahrelangem Siechtum an der SIX gibt die Besitzerfamilie der Industriegruppe Looser auf und verkauft das Unternehmen. Die Dummen sind die langjährigen Aktionäre.
15.09.2016 15:03
Von Daniel Hügli, Chefredaktor cash
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
Bild: Geri Born

Im Juni 2008 wechselten die Aktien der Industriegruppe Looser von der Berner Börse an die SIX. Dass der Handel mit den Aktien illiquid sein würde und dass über 60 Prozent der Stimmrechte in Familienbesitz war, schien Investoren kein Hinderungsgrund zum Kauf der Titel. Doch sie sollten es bitter bereuen.

Denn der Aktienkurs von Looser war in den letzten acht Jahren eine einzige Katastrophe. Schon der Zeitpunkt des Wechsels von Bern nach Zürich war denkbar schlecht. Mitte 2008 befanden sich die Aktienmärkte im Zug der Finanzkrise bereits in einem Abwärtssog, der erst im Februar 2009 enden sollte. Das Resultat für die Looser-Aktionäre: Ein Kursverlust von über 50 Prozent nur wenige Monate nach der SIX-Kotierung.

So weit, so schlecht. Doch es sollte noch schlimmer kommen: Eine überraschende Kapitalerhöhung im Juni 2009, und dies bloss ein Jahr nach der SIX-Kotierung. Die Aktie sackte weiter drastisch ab. Ein paar Wochen zuvor leistete sich das Unternehmen auch noch eine peinliche Panne. Quartalszahlen erschienen eines Morgens plötzlich einen Tag zu früh auf der Homepage von Looser. Die SIX musste daraufhin den Handel mit den Aktien mehrere Stunden aussetzen.

Wer dermassen Aktionärswert verbrennt und das Investorenvertrauen überstrapaziert, darf sich nicht wundern, dass sich Anleger abmelden. Auch in strategischer Hinsicht erachtete es die Besitzerfamilie als nicht notwendig, überfällige Umstrukturierungen einzuleiten. Mit dem Resultat, dass der Aktienkurs 2015 wieder auf dem selben Niveau zu liegen kam wie nach der Kapitalerhöhung sechs Jahre zuvor.

Erst Ende des letzten Jahres und unter dem Druck der Franken-Aufwertung begann man, bei der Konglomerat-ähnlichen Looser Massnahmen zu beschliessen. Das breite Portfolio wurde aufgebrochen und das Geschäft der Beschichtungen zum Verkauf ausgeschrieben. Und siehe da: Der Aktienkurs hat sich seit Anfang Jahr verdoppelt.

Doch der nächste Nackenschlag für die langjährigen Aktionäre folgt nun sogleich: Statt die Entwicklung der strategischen Neuausrichtung abzuwarten, verkaufen die Erbenfamilien Looser und Stocker-Looser das Unternehmen an AFG Arbonia Forster.

Mit Blick auf die acht Jahre SIX-Kotierung von Looser wird man als Beobachter das Gefühl nicht los, als schleiche sich hier jemand aus der Verantwortung. Looser ist somit nicht nur ein abschreckendes Beispiel einer Börsenkotierung. Das Beispiel der Firma relativiert auch die Hohelieder vieler Anleger, die sich bei Unternehmen in Familienbesitz wegen des Kontinuitätsgedankens besonders gut aufgehoben fühlen.