Das hält die CS von der UBS - und umgekehrt

So sehr sich die Geschäftsmodelle von UBS und Credit Suisse auch unterscheiden, so einig sind sich die Grossbanken, was die Aktie der jeweils anderen anbetrifft.
05.11.2014 08:28
Von Lorenz Burkhalter
Sind nicht sonderlich "heiss" auf die Aktie der jeweiligen Erzrivalin: UBS und Credit Suisse.

Schärfere Gangart der US-Behörden im Steuerstreit, Milliardenbussen wegen der Manipulation von Referenzzinssätzen und Devisenkursen, strengere Eigenmittelvorschriften und darüber hinaus erst noch struktureller Margendruck aufgrund des wegfallenden Bankgeheimnisses. Nein, die beiden Schweizer Grossbanken und ihre Aktionäre sind derzeit wirklich nicht zu beneiden.

Während sich die UBS in den vergangenen drei Jahren aus weiten Teilen des Investment Bankings zurückgezogen hat und in Zukunft auf das Wealth Management setzt, hält die Credit Suisse unbeirrt an ihrem bisherigen Geschäftsmodell fest.

Interessant ist, was die eine Grossbank über die Aktie der jeweils anderen sagt. So unterschiedlich die Geschäftsmodelle auch sind, so einig sind sich die Analysten von UBS und Credit Suisse in ihrem "Neutral" lautenden Anlageurteil. Doch ein genaueres Hinschauen lohnt sich.

Weitere Redimensionierung des Investment Bankings unwahrscheinlich

Die für die Credit Suisse tätige Analystin erhöht bei der UBS die Gewinnschätzungen für die kommenden Jahre nach der Quartalsergebnispräsentation um 3 bis 9 Prozent. Neu errechnet sie ein 12-Monats-Kursziel von 18,50 (16,50) Franken für die Aktie, was einem Aufwärtspotenzial von knapp 12 Prozent entspricht.

In Erwartung strengerer Vorschriften für das sogenannte Leverage Ratio hält die Analystin den Spielraum für eine Dividendenerhöhung für begrenzt. Da schon heute 89 Prozent der Bilanz dem zukünftigen Kerngeschäft zugeordnet werden können, sei eine weitere Redimensionierung des Investment Bankings nicht ohne Kollateralschäden für die Gewinnentwicklung möglich.

Regulatorischer Gegenwind hat erst gerade begonnen

Auch in Bezug auf zukünftige Rechtskosten gibt man bei der Credit Suisse noch keine Entwarnung. Die Analystin der Credit Suisse schätzt die noch nicht durch Rückstellungen gedeckten Kosten auf 2,2 Milliarden Franken.

Keine guten Worte findet ihr für die UBS tätiger Berufskollege, wenn es um die Credit Suisse und ihre Aktie geht. Und das obschon er sie noch bis Anfang September mit einem 12-Monats-Kursziel von 33,50 Franken zum Kauf empfohlen hatte.

Nach einem besser als erwarteten dritten Quartal erhöht er seine diesjährigen Gewinnschätzungen zwar um 4 Prozent. Jene für die Folgejahre behält der Experte jedoch unverändert bei.

Andere Banken deutlich optimistischer für die beiden Grossbanken

Den regulatorischen Gegenwind habe die kleinere der beiden Grossbanken noch nicht überstanden. Ganz im Gegenteil: Die Verschärfung der regulatorischen Rahmenbedingungen habe erst gerade begonnen und werde die zukünftige Dividendenpolitik beeinträchtigen. Mit seinen diesbezüglichen Schätzungen liegt der Analyst unter Konsens. Vom 12-Monats-Kursziel von 26 Franken lässt sich denn auch nur ein Aufwärtspotenzial von 5 Prozent ableiten.
 
Gemäss Erhebungen der Nachrichtenagentur AWP wird die Aktie der UBS von 14 Analysten zum Kauf empfohlen und von 8 neutral eingestuft. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 19,94 Franken. Die Aktie der Credit Suisse wird hingegen von 8 Experten zum Kauf empfohlen, von 11 neutral eingestuft und von 3 zum Verkauf empfohlen.