Das ist das Portemonnaie der Zukunft

Die SIX will noch dieses Jahr einen Service für Geldüberweisungen per Handy auf den Markt bringen. cash konnte einen Blick auf den Prototyp der Bezahl-App werfen.
04.03.2014 01:00
Von Ivo Ruch
Der Datenschutz sei gewährleistet, sagt die SIX zu ihrer neuen Smartphone-App.
Der Datenschutz sei gewährleistet, sagt die SIX zu ihrer neuen Smartphone-App.
Bild: ZVG

Wenn es nach der SIX geht, wird das Handy bald das Portemonnaie ersetzen. Im vierten Quartal dieses Jahres will die Finanzdienstleisterin einen Bezahldienst lancieren, mit dem Geldbeträge von Smartphone zu Smartphone ausgetauscht werden können. Wer beispielsweise bei einem Kollegen Schulden von einem Nachtessen hat, soll diese in Zukunft per SMS begleichen können.

Möglich machen soll das eine Smartphone-App, die bei der SIX in einer finalen Entwicklungsphase steckt – intern läuft der Testbetrieb bereits. Wie aus Unterlagen hervorgeht, die cash vorliegen, ist die gesamte Transaktion denkbar einfach: Ein registrierter Nutzer muss zur Auslösung der Transaktion in der App die Handynummer des Empfängers und den entsprechenden Betrag eingeben.

Akzeptiert der Nutzer auf der Gegenseite die Überweisung, wird die Transaktion auf dem Konto des Empfängers gut geschrieben. Wer noch nicht registriert ist, wird per SMS aufgefordert, das App runterzuladen und sich mit den nötigen Informationen anzumelden. Mit derselben Vorgehensweise kann auch Geld eingefordert werden.

So funktioniert die App: In wenigen Schritten können Beträge von Handy zu Handy übermittelt werden.

Zur Abwicklung der Zahlungen möchte die SIX mit möglichst vielen Banken zusammenarbeiten - bestätigt ist bereits die Kooperation mit der Zürcher Kantonalbank. Auch andere grössere Banken haben ihre Teilnahme bereits zugesichert, wie Niklaus Santschi, CEO der Division Payment Services bei der SIX, sagt.

Die Kontoverbindung muss bei der einmaligen Registrierung hinterlegt werden. Sollte die Bank eines Nutzers nicht am Service teilnehmen, kann bei der SIX ein kostenloses Depot eingerichtet werden. Der Datenschutz sei laut der SIX gewährleistet.

In einem ersten Schritt zielt die P2P-App (P2P steht für "von Person zu Person") auf ein jüngeres Publikum in einem privaten Umfeld. Das zeigt auch die Möglichkeit, dem Zahlungsauftrag ein Foto anzuhängen. Doch wenn sich diese Zahlungsart genug stark verbreitet, wird auch ein gewerblicher Einsatz vorstellbar.

Verschlankung des Portemonnaies

Die SIX will sich damit einerseits auf dem Markt für kontaktloses Bezahlen weiter etablieren. Andererseits macht sie aber auch einen nächsten Schritt in Richtung Verschlankung des Portemonnaies. "Ich kann mir vorstellen, dass in Zukunft auch Bonusprogramme oder Einkaufsgutscheine über das Smartphone abgewickelt werden. Der Konsument wird dann automatisch daran erinnert, dass er von Rabatten oder Aktionen profitieren kann", sagt Santschi zu cash.

Bei der Verfolgung dieses Trends ist die SIX nicht alleine. Smartphone-Anwendungen, die in diese Richtung tendieren, gibt es bereits einige. So können beispielsweise mit der App "poinz" mehrere Stempelkarten für die Espresso-Bar, den Coiffeur oder den Schuhladen vereint werden. Sämtliche Bonuspunkte werden in einem Programm gesammelt und verwaltet. Und auch die Swisscom arbeitet an einem mobilen Bezahldienst namens "Tapit". Eine Beta-Version davon ist bereits verfügbar.

Die UBS plant ebenfalls seit längerem einen Service, der das Smartphone zum Bezahlmittel macht. In Zusammenarbeit mit dem Hersteller "SumUp" soll Ende April ein Gerät in Kombination mit einer App auf den Schweizer Markt kommen, mit dem das Handy zum Kartenlesegerät wird (cash berichtete). Ursprünglich geplant war die Lancierung Ende 2013. "Doch weil die Hard- und Software-Zertifizierungen für den Hersteller mehr Zeit in Anspruch nimmt als geplant, verzögert sich die Lieferung des Kartenlesegeräts", sagt UBS-Sprecherin Karin Aquilino auf Anfrage.

Handwerker, Taxiunternehmer, Pizzakuriere

Die hohen Sicherheitsanforderungen in der Schweiz stellen die Hersteller vor grosse Herausforderungen. So wurde auch die SIX wiederholt für eine Kooperation im Bereich der Kartenlesegeräte für Handys angefragt. Aufgrund des zu hohen Sicherheitsaufwands sei bisher aber nie eine Zusammenarbeit zustande gekommen, sagt Niklaus Santschi.

Trotz der Konkurrenz zu den SIX-Terminals begrüsst Santschi die Idee von "SumUp". Er erwartet nicht, dass der SIX dadurch viel Transaktionsumsatz verloren geht. "Viel eher werden wir vielleicht die wegfallenden Gerätekosten zu spüren bekommen. Denn die Miet- oder Anschaffungskosten für einen SIX-Terminal können für kleine Gewerbe hoch sein", so Santschi.

Genau auf dieses Publikum zielt die UBS mit "SumUP" ab. "Das Gerät kann vor allem für kleinere Firmen interessant sein, beispielsweise Handwerker, Taxiunternehmer, Pizzakuriere oder Marktstandbetreiber", sagt Aquilino.