«Das ist keine defensive Aktion»

ABB-CEO Ulrich Spiesshofer äussert sich im cash-Interview am Rande des Investorentages in London zum neuen Aktienrückkaufprogramm, zu möglichen Akquisitionen und zur Bedeutung der Schweiz für ABB.
09.09.2014 14:11
Interview: Ivo Ruch, London
Ulrich Spiesshofer ist seit einem Jahr CEO von ABB.

cash: Ist das 4 Milliarden Dollar schwere Aktienrückkaufprogramm eine Reaktion auf den schwachen Aktienkurs des laufenden Jahres?

Ulrich Spiesshofer: Das Zurückkaufen von Aktien ist ein starkes Zeichen des Vertrauens, dass wir in Zukunft mehr herausholen werden. Für mich ist das keine defensive Aktion.

Wieso sollen Anleger in Zukunft ABB-Aktien kaufen?

Für ein Unternehmen wie ABB ist es sehr wichtig, eine langfristig orientierte Anlegerschaft zu haben, die an das Unternehmen glaubt. Es gab einige Stimmen, die unsere Herausforderungen in der Energietechnik kritisierten. Aber heute haben wir diesbezüglich eine neue Strategie vorgelegt.

Sie wollen die Risiken im Bereich Energietechnik senken. Wie wollen Sie das erreichen?

Wir haben in diesem Bereich Dinge getan, die wir nicht genau verstanden haben. Wir nutzen deshalb Ressourcen, die besser zu unseren Bedürfnissen passen. Auf der kommerziellen Seite verbessern wir das Risikoprofil deutlich. Eine Offshore-Plattform ist eigentlich einfach aufgebaut: eine Blechbüchse auf Stelzen, die mit Stromelektronik ausgestattet und in der Nordsee installiert wird. Wir sind vor allem bei der Herstellung der Stromelektronik involviert, und da gab es die wenigsten Probleme.

Sie prognostizieren eine diesem Bereich EBITA-Ziele zwischen 7 und 11 Prozent. Bleibt das also ein weniger profitables Geschäft?

Nach unserer früheren Berechnungsmethode EBITDA wären das immer noch 9 bis 13 Prozent. Wir sind daran, die Energietechniksysteme von ihren Problemen zu befreien. 2015 wird diesbezüglich ein Erholungsjahr und 2016 werden wir wieder profitabel. Ich glaube, dass ein grossartiger Markt ist.

Welche Rolle spielt die Schweiz in der Zukunft von ABB?

Die Schweiz war immer sehr wichtig im Bereich Forschung und Entwicklung und wird es auch bleiben. Wir zählen auch viele lokale Unternehmen, wie zum Beispiel die SBB, zu unseren Kunden. Wir haben unser Hauptquartier hier und fühlen uns der Schweiz auch verpflichtet.

Sind weitere Zukäufe geplant?

Im Moment sehen wir grosses Potenzial im organischen Wachstum. Das ist das Wachstum mit dem geringsten Risiko. Wir haben einige Akquisitionen gemacht und haben dennoch übriges Kapital, mit dem wir beispielsweise die Aktien zurückkaufen. Zum richtigen Zeitpunkt werden wir aber auch wieder Übernahmen machen.

Und dieser Zeitpunkt ist nicht jetzt?

Mit dem Aktienrückkauf und den Problemen mit den Energietechniksystemen haben wir derzeit einen anderen Fokus. Vorerst sind wir daran, die existierenden Übernahmen wertvoll zu machen.

Das Interview mit Ulrich Spiesshofer fand am ABB-Investorentag in London statt, zu dem cash eingeladen wurde. Das angekündigte Video-Interview mit Spiesshofer entfällt aus organisatorischen Gründen.