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Das Klumpenrisiko von Apple

Auch die grossen amerikanischen Technologie-Firmen haben holprige Börsenwochen hinter sich. Doch eine Aktie leidet schon seit längerem: Apple.
12.01.2016 13:55
Von Ivo Ruch
Das iPhone kämpft mit sinkender Nachfrage.
Das iPhone kämpft mit sinkender Nachfrage.
Bild: cash

In den letzten Jahren Jahren konnten Anleger mit Aktien berühmter amerikanischer Technologie-Unternehmen gutes Geld verdienen. Doch in jüngster Zeit kam auch dieser Sektor unter starken Verkaufsdruck.

Ein Blick auf die Performance zeigt: In den letzten vier Wochen gerieten die Aktien der Tech-Superstars unter die Räder. Der Google-Konzern Alphabet (-3,6%), Amazon (-6,2%), Apple (- 12,4%) und Facebook (-6,7%) mussten alle deutliche Verluste hinnehmen. Ganz zu schweigen vom Kurz-Nachrichtendienst Twitter, der seine Aktionäre schon lange enttäuscht und nur noch halb so viel wert ist wie beim Börsengang im November 2013.

Dabei sticht vor allem der Kursrutsch von Apple ins Auge. Der kalifornische Hersteller von iPhone und iPad ist an der Börse nicht nur äusserst schlecht ins neue Jahr gestartet, bereits 2015 kam die Aktie nicht vom Fleck. Vom Allzeithoch im Mai 2015 (135 Dollar) ist Apple nun schon 36 Dollar entfernt, wie der Chart zeigt.

Verlauf der Apple-Aktie im letzten Jahr, Quelle: cash.ch

Für den jüngsten Rückschlag sorgte die Nachricht, Apple drossle die Produktion der neusten iPhone-Modelle. Von Januar bis März sollen von diesen Geräten rund 30 Prozent weniger hergestellt werden, berichtete die japanische Wirtschaftszeitung "Nikkei" am letzten Dienstag. Auch wenn dieser Produktionsrückgang nur vorübergehend sein soll, zeigen sich die Anleger verunsichert. Denn es stellt sich grundsätzlich die Frage, wie gross das Klumpenrisiko von Apple ist. Und wie der Konzern die Nachfrage nach iPhones in Zukunft steigern kann.

Doch wenn die Abhängigkeit von einer einzigen Einnahmequelle zu gross wird, kann der grosse Erfolg zum Boomerang werden. Nämlich dann, wenn sich Konsumenten anderen Produkten zuwenden. Erfahrungen aus der Technologie-Welt zeigen, wie schnell sich Neuerungen verbreiten und traditionelle Anbieter überflüssig machen können. Der Niedergang von einst begehrten Marken wie Nokia, Blackberry oder Ericsson sind dafür gute Beispiele.

Konkurrenzkampf mit Samsung und Co.

Andere Anbieter wie Marktführer Samsung oder Huawei machen Apple immer mehr Kunden streitig. Zudem herrscht vor allem im Markt für Smartphones ein starker Preiskampf, wo iPhones mit Abstand die teuersten Produkte sind. So kommt es, dass sich die Menschen in grossen Teilen der Schwellenländer keine Apple-Geräte leisten können, obwohl die Mittelschicht stark wächst. Kritiker monieren zusätzlich, die neusten Telefon-Modelle seien weniger innovativ als in der Vergangenheit. Es bestehe deshalb weniger Anreiz auf ein neues Modell zu wechseln.

Während Apple mit Computern gross wurde, machen Telefone und Tablets mittlerweile rund 76 Prozent des Umsatzes aus. Die Laptop- und Desktop-Computer sind nur noch für 10 Prozent der Verkäufe zuständig. Die letzten Geschäftszahlen konnten die Finanzgemeinde sogar positiv überraschen. Im Geschäftsjahr 2015 erzielte das Unternehmen einen Gesamtumsatz von 234 Milliarden Dollar – 28 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Gewinn wurde gar um 31 Prozent gesteigert.

Hoffnung auf Bezahldienst

Auch wenn Apple sehr hardwarelastig bleibt, könnten mittelfristig neue Dienstleistungen wie der Bezahldienst Apple Pay Gewinnbeiträge liefern. Das System vor kontaktloses Bezahlen wurde vor gut einem Jahr zunächst in den USA lanciert und ist inzwischen auch in Grossbritannien, Kanada und Australien aktiv.

Dennoch gibt es auch Lichtblicke für die Aktie. Im Segment für Premium-Smartphones ist Apple immer noch Marktführer mit starkem Wachstum in Asien. Zudem verfügt der Konzern über immense liquide Mittel, die über ein Aktienrückkaufprogramm und Dividenden an die Aktionäre zurückfliessen dürften. Und schliesslich ist der Titel nach den jüngsten Verlusten günstig bewertet. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2016 liegt bei knapp 10.

Am 26. Januar weiss man mehr zur Zukunft von Apple. Dann präsentiert der Konzern die Zahlen zum ersten Quartal des Geschäftsjahres 2016. Auch die lange erwarteten Absatzzahlen der Apple Watch könnten dann erstmals auf den Tisch gelegt werden.