Das Laster bringt mehr Zaster

In der Fastenzeit sind Laster tabu: Kein Alkohol, kein Tabak, maximal eine Mahlzeit pro Tag. Doch aus Anlegerperspektive lohnt es sich, in die «richtigen» Sünden zu investieren.
13.02.2013 06:00
Von Frédéric Papp
 Rauchen, Trinken, Glücksspiel oder Krieg: Das gute Geschäft mit dem Laster-Fonds.
Rauchen, Trinken, Glücksspiel oder Krieg: Das gute Geschäft mit dem Laster-Fonds.

Ab Aschermittwoch wird der Spassgesellschaft einen Riegel geschoben. Gier, Wollust, Zorn oder Völlerei sollen in der Fastenzeit der Enthaltsamkeit, dem tugendhaften und gottgnädigen Leben weichen – zumindest während 40 Tagen. Es gibt Anlagefonds, die gemäss christlichen Werten investieren und dabei ordentlich performen. Doch wer sein Geld in sündige Titel anlegt, fährt in der Regel noch besser.

Der Vice Fund - zu Deutsch Laster-Fonds - brachte dem Anleger seit 2003 eine jährliche Rendite von 11,5 Prozent (siehe Tabelle), seit 2010 legte er Jahr für Jahr gar 19 Prozent zu. Damit schlug er den amerikanischen Vergleichsindex S&P 500 deutlich.

Bei diesem Fonds ist der Name Programm: Zu den zehn grössten Positionen zählen zum Beispiel die Tabakkonzerne Altria Group und Philip Morris. Beide Titel zielen in Richtung Allzeithochkurse. Allein in diesem Jahr verteuerten sie sich um 10 beziehungsweise 8 Prozent. Auch in Hochprozentiges wird kräftig investiert. Diageo ist ein Spirituosenkonzern mit schillernden Marken wie Smirnoff, Johnnie Walker oder Baileys. Innerhalb Jahresfrist sprudelten die Aktien 25 Prozent in die Höhe.

Schlaffes Geschäft mit der Lust

Einzig das Geschäft mit der Lust erklimmt keinen Höhepunkt - zumindest aus Performance-Sicht. So erwiesen sich Titel wie Condomi, Beate Uhse oder Planet Platinum (Bordellbetreiber) als Rohrkrepierer. Und die Titel von Rick's Cabaret - eine amerikanische Kette von Oben-ohne-Bars mit Standorten beinahe im ganzen Land - sind seit der Finanzkrise im September 2008 abgeschlafft und bewegen sich seither horizontal.

Abgesehen davon entwickeln sich Investments in die Unsitte bislang gut. So auch der "Freizeits-Fonds" des Asset Manager Invesco. Der seit 1984 bestehende Fonds investiert hauptsächlich in Kabelnetzbetreibern wie DISH Network, Directv, Walt Disney oder Time Warner.

Doch nicht jeder Fonds ist eine Sünde wert. Der erst im April 2011 aufgelegte Fonds mit dem bezeichnenden Namen "Peccata" (lateinisch für "die Sünden") büsste im vergangenen Jahr 10 Prozent an Wert ein, derweil die Börsen ein gutes Jahr verzeichneten. Der Fonds ist breit diversifiziert und investiert unter anderem Titel aus den Sektoren Rüstung und "Erwachsenenunterhaltung". Ob das Management die Minus-Performance des noch jungen Fonds aufzufangen vermag, wird sich zeigen.

Tugend-Fonds mit Makel

Wem Investments in Laster zu unmoralisch ist, kann Gegenteiliges tun und in den «Ave Maria Catholic Values Fund» der US-Investmentfirma Schartz anlegen. Seit Jahren liefert sich der tugendhafte Fonds mit dem sündigen Vice Fonds ein Performancekampf - bislang mit dem besseren Ende für die Sünde. Seit 2003 bringt der Ave-Maria-Fonds eine annualisierte Rendite von gut 9 Prozent. Dies ist zwar besser als der S&P-500-Index, aber rund 3 Prozent schlechter als der Vice Fund.

Ganz ohne Sünde ist aber auch dieser Fonds nicht. Der nach dem katholischen Ansatz geführte Fonds investiert zwar nicht in Firmen wie beispielsweise die zu Novartis gehörende Hexal, die eine "Pille danach" herstellt, dafür aber in Rüstungs-Unternehmen. Im Halbjahresbericht 2012 der Fondsgesellschaft taucht das Unternehmen General Dynamics auf. Das US-Unternehmen produziert unter anderem Bomben und Panzer.

 

Fonds-Entwicklung von Laster- und Tugend-Fonds

Name Valor annualisierte Performance 3 Jahre in % (USD) annualisierte Performance 10 Jahre in % (USD)
Vice Fund 14313076 19,2 11,5
Invesco Leisure Fund 1691846 18,2 8,1
Ave Maria Catholic Values 1296782 13,8 9,4

Quelle: Morningstar, 12. Februar 2013