Das Milliarden-Problem der Versicherer

Versicherer sitzen auf Milliarden von Kundengeldern, die sie wegen regulatorischen Vorgaben und wegen tiefer Zinsen nur mit Mühe anlegen können. Nun fordern sie mehr lang laufende Bundesobligationen.
08.08.2013 13:10
Von Pascal Meisser
Swiss Life muss jährlich vier Prozent der Obligationen wegen Verfall ersetzen.
Swiss Life muss jährlich vier Prozent der Obligationen wegen Verfall ersetzen.
Bild: Bloomberg

Den Stein ins Rollen brachte Ende Juli die Anlagechefin der Zurich Insurance Group. Cecilia Reyes hat die Aufgabe, trotz Anlagenotstand 208 Milliarden Franken am Kapitalmarkt zu platzieren. Sie wolle die Schweiz dazu bringen, Staatsobligationen mit längeren Laufzeiten zu emittieren, sagte Cecilia Reyes damals gegenüber der "NZZ am Sonntag". Es werde deshalb ein Dialog mit der Bundestresorerie angestrebt, welche in der Schweiz für die Ausgabe von Anleihen betraut ist - damit künftig auch bei Staatsanleihen in Schweizer Franken das ganze Spektrum an Laufzeiten zur Verfügung stehe.

Auch andere Versicherungsgesellschaften unterstützen die Forderung der Zurich-Anlagechefin, wie cash-Recherchen zeigen. "Wir würden es begrüssen, wenn die Bundestresorerie verstärkt Anleihen mit Laufzeiten auflegen würde, die im Markt fehlen“, lässt ein Sprecher der Baloise ausrichten. Der Versicherer aus Basel investiert einen grossen Teil der Kapitalanlagen in festverzinsliche Anlagen, die in Franken gehandelt werden. "Dieser Markt ist jedoch bei allen Schuldnerqualitäten und Laufzeiten stark limitiert“, so der Sprecher weiter.

Derzeit konzentriert sich das Gros der "Eidgenossen“ – wie die helvetischen Bundesobligationen im Trader-Jargon genannt werden – auf Laufzeiten zwischen ein und zehn Jahren. 75 Prozent des derzeit ausstehenden Volumens von 80 Milliarden Franken bei Schweizer Bundesobligationen konzentriert sich auf diesen Zeitraum. 2013 will die Bundestresorerie knapp acht Milliarden mit neuen Obligationen vergebens.

Laufzeiten zwischen 25 und 50 Jahren sucht man im aktuellsten Tätigkeitsbericht mit Ausnahme von zwei Anleihen vergebens. Dabei sind solche Langläufer gerade für Lebensversicherer wichtig, da auf diese Weise Verpflichtungen gedeckt werden können, die erst in ferner Zukunft fällig werden.

Auch Swiss Life unterstützt Forderung

Auch der grösste Schweizer Lebensversicherer Swiss Life ist wegen der langfristigen Verbindlichkeiten an entsprechend lang laufenden Anlagemöglichkeiten interessiert. "Dazu gehören natürlich auch längerfristige Bundesobligationen“, sagt Mediensprecher Florian Zingg.

Swiss Life verwaltet 150 Milliarden Franken und muss Jahr für Jahr rund vier Prozent der Obligationen ersetzen, weil sie auslaufen. Dies bringt die angestrebten Renditen aus den Kapitalanlagen immer mehr unter Druck, weil die Konditionen von neuen Obligationen wegen der tiefen Zinsen fortlaufend schlechter geworden sind.

Dies führt soweit, dass der Swiss-Life-Anlagechef Patrick Frost kürzlich gestand, man sei glücklich, nicht allzu viel Neugeld anlegen zu müssen. "Für mich als Anlagechef ist es im Moment gut, dass wir die Kapitalanlagen stabil halten. Wenn wir übermässig wachsen würden, hätte dies eine Verwässerung der hohen Rendite zur Folge“, so Frost weiter.

Ein enges Korsett

Bereits im letzten Sommer bemängelte der Anlagechef der Fondsgesellschaft Swisscanto das zu kleine Angebot an Obligationen im Franken-Markt. "Die Beträge der einzelnen Emissionen sind meist tief, was die Titel nach der Emission oft illiquid macht“, sagte Peter Bänziger der Nachrichtenagentur Reuters.

Auch ein Vertreter der Zuger Bantleon Bank äusserte sich damals kritisch. Das ausstehende Volumen an Schweizer Eidgenossen reiche nicht aus, um den Anlagebedarf institutioneller Grossinvestoren abzudecken, sagte Stephan Kuhnke, Leiter des Portfoliomanagements.

Gerade diese Investoren haben aus regulatorischen Gründen ein enges Korsett, wenn es um die Auswahl von Kapitalanlagen geht. Denn trotz der seit zwei Jahren haussierenden Aktienmärkten befindet sich die Assekuranz in einer schwierigen Lage. Ihnen wird vorgeschrieben, mit möglichst kleinen Anlagerisiken eine Mindestverzinsung zu erfüllen. Ohne einen grossen Anteil an Staatsobligationen ist das kaum möglich. Wegen des fehlenden Angebots in der Schweiz ist es unter Institutionellen üblich geworden, in Euro-Anleihen zu investieren und das Währungsrisiko mittels Termingeschäften abzusichern.