Das sagen Analysten zu den UBS-Zahlen

Kerngeschäft Wealth Management mässig, Investmentbanking überraschend: So das Urteil der Experten zu den Quartalszahlen der UBS. Die Aktie liegt auch am Nachmittag im Angebot.
29.07.2014 13:27
Von Lorenz Burkhalter
Das Quartalsergebnis der UBS überzeugt nur auf den ersten Blick.
Das Quartalsergebnis der UBS überzeugt nur auf den ersten Blick.
Bild: cash

Die Ergebnisenttäuschung der Credit Suisse hatte in den letzten Woche auch Spuren in der Kursentwicklung der Aktie der UBS hinterlassen. Seit dem frühen Dienstagmorgen ist nun klar: Der Markt war damit etwas voreilig.

Zumindest auf den ersten Blick kann sich der Zahlenkranz der UBS für das zurückliegende zweite Quartal sehen lassen. Sowohl beim Vorsteuergewinn als auch beim Konzernergebnis übertrifft die Grossbank die Konsensschätzungen deutlich. Und auch beim Nettoneugeld im Wealth Management kann die UBS an das starke Vorquartal anknüpfen.

Wie gewohnt liegt der Teufel jedoch im Detail: Denn im erklärten zukünftigen Kerngeschäft Wealth Management werden die Markterwartungen aufgrund unerwartet hoher Kosten für Rechtsstreitigkeiten und Restrukturierungen ziemlich klar verfehlt.

Vermutlich weil die Analystenkommentare uneinheitlich ausfallen, stürzt die Aktie der UBS nach einem freundlichen Auftakt ab und verliert am frühen Nachmittag 1,4 Prozent auf 16,43 Franken. Händler bezeichnen die Aktivitäten sowohl in den Basiswerten als auch in den Derivaten als sehr rege.

Während der Ertrag auf Gruppenstufe leicht besser als erwartet ausfalle, liege das um Restrukturierungskosten und Rückstellungen für Rechtsrisiken bereinigte Vorsteuerergebnis leicht unter den Erwartungen, so die Zürcher Kantonalbank in einem ersten Kommentar. Auf Divisionsstufe seien die um Sonderfaktoren bereinigten Vorsteuerergebnisse grösstenteils so ausgefallen wie erwartet.

Kerngeschäft überzeugt nur bedingt

Gefallen findet der Verfasser des Kommentars am anhaltend starken Nettoneugeldwachstum im Wealth Management. Die Bruttomarge sei in diesem Bereich zwar rückläufig gewesen, allerdings weniger stark als bei der Credit Suisse. Die positiven Abweichungen von den Erwartungen stammten aus dem Investment Banking und aus dem Corporate Center.

Die Zunahme beim Kernkapital (Tier 1) auf 13,5 Prozent bezeichnet der Analyst als gut, schaffe sie doch einen Puffer für zukünftige, allfällige negative Überraschungen in Bezug auf Rechtsrisiken. Insgesamt wird das Ergebnis bei der Zürcher Kantonalbank als neutral gewertet.

Auch bei Vontobel ist von einem Ergebnis auf Vorsteuergewinn im Rahmen der Erwartungen die Rede. Die Nettoneugeldentwicklung im Wealth Management sei sehr stark ausgefallen, die Bruttomarge hingegen eher schwach. Damit decke sich die Entwicklung in diesem Geschäft mit jener bei anderen Mitbewerbern.

Probleme im Wealth Management hausgemacht?

Positive Worte findet der Analyst für einmal für das Investment Banking. Obschon man bei Vontobel mit weiteren Kosten für Rechtsstreitigkeiten rechnet, wird die Aktie der UBS weiterhin mit einem Kursziel von 21,50 Franken zum Kauf empfohlen.

Der für J. Safra Sarasin tätige Berufskollege beurteilt den vorliegenden Zahlenkranz als gut. Die anhaltende Schwäche im Wealth Management mache allerdings in einem gewissen Mass einen hausgemachten Eindruck. Aufgrund der durchaus gerechtfertigten Bewertungsdifferenz der UBS gegenüber anderen Mitbewerbern müsse dieser Umstand im Auge behalten werden. Saisonale Aspekte sowie die geopolitischen Unsicherheiten würden im Wealth Management auch weiterhin für schwierige Bedingungen sorgen. Alles in allem bleibe die Grossbank allerdings gut positioniert. Der verantwortliche Analyst hält daher an seiner Kaufempfehlung für die Aktie der UBS fest.

Probleme in Frankreich werden aufgebauscht

Auch der für Kepler Cheuvreux tätige Analyst stösst sich an der erneut rückläufigen Bruttomarge im Wealth Management. Es sei unwahrscheinlich, dass die UBS ihre bis Ende 2015 definierten Ziele erreichen könne. Die mit "Hold" und einem Kursziel von 18,50 Franken eingestufte Aktie sei daher bestenfalls fair bewertet, so der Analyst.

Der Berufskollege der MainFirst Bank hält den Quartalsausweis auf den zweiten Blick als schwächer als auf den ersten Blick. Einzig die besser als erwartete Nettoneugeldentwicklung spreche für eine positive Marktreaktion. Ausserdem deute der in Deutschland erzielte Vergleich darauf hin, dass die ähnlich gelagerten Probleme in Frankreich masslos aufgebauscht würden. Die Aktie wird bei der MainFirst Bank wie bis anhin mit "Outperform" und einem Kursziel von 22 Franken zum Kauf empfohlen.