Das sagen Analysten zum Helvetia-Deal

Nicht Mobiliar, sondern Helvetia übernimmt den Versicherer Nationale Suisse. Helvetia zahlt aber einen hohen Übernahmepreis. Die Aktie von Nationale haussiert.
07.07.2014 09:27
Stefan Loacker bleibt CEO von Helvetia.
Stefan Loacker bleibt CEO von Helvetia.
Bild: cash

Helvetia und Nationale Suisse wollen so zur "klaren Nummer 3" im Schweizer Versicherungsmarkt werden. Helvetia unterbreitet den Aktionären der Nationale Suisse dazu ein öffentliches Kauf- und Tauschangebot.

Der Verwaltungsrat von Nationale Suisse empfiehlt den Aktionären der Versicherungsgesellschaft, das öffentliche Angebot anzunehmen, wie es in einem Communiqué der beiden Firmen vom Montagmorgen heisst. Pro Nationale-Suisse-Aktie sollen die Aktionäre einen Gegenwert von 80 Franken in bar und neue Aktien erhalten.

Die Aktien von Nationale Suisse steigen am Montag im frühen Handel um 24 Prozent auf 78,85 Franken. Die Helvetia-Aktie sinkt 0,2 Prozent.

"Die Kombination der beiden Versicherungsgruppen passt ideal, aber der gezahlte Preis ist unseres Erachtes hoch", schreibt die Bank Vontobel in einem Kommentar. "Allerdings rechnen wir damit, dass der Deal stattfindet und die neue Gruppe unter dem starken Markennamen Helvetia florieren wird."

Von einem hohen Übernahmepreis (Prämie: 26 Prozent) spricht auch die Zürcher Kantonalbank. Die Transaktion macht aber Sinn. Sie sei für Helvetia-Verhältnisse vergleichsweise gross. Zudem werde die
Übernahme auch deutlich Management-Kapazität binden. Die ZKB stuft die Helvetia-Aktie auf "Marktgewichten" zurück.

Geschäftsleitung bleibt weitgehend unverändert

Die neue Versicherung soll unter der Marke Helvetia auftreten. Die beiden Unternehmen erhoffen sich durch die Übernahme Kosteneinsparungen in der Grössenordnung von 100 bis 120 Mio. Fr. pro Jahr. Die Transaktion soll nach den Plänen der Unternehmen im zweiten Halbjahr 2014 abgeschlossen werden.

Die Geschäftsleitung von Helvetia bleibt weitgehend unverändert. Stefan Loacker behält den Posten des CEO. Das Management wird einzig durch Nationale-Manager David Ribeaud verstärkt, der künftig den Geschäftsbereich Specialty Lines führen wird.

Hans Künzle, bislang CEO von Nationale, wird Vizepräsident des VR von Helvetia. Die Nationale-Verwaltungsräte Andreas von Planta, Balz Hösly, Peter A. Kaemmerer und Gabriela Maria Payer werden Mitglied des Helvetia-Gremiums. Das Präsidium wird weiterhin durch Erich Walser ausgeübt.

In der Geschäftsleitung von Helvetia Schweiz sollen die Nationale-Leute Ralph Jeitziner (Leiter Vertrieb) und Armin Suter (Leiter IT) Einsitz nehmen.

Spekulationen seit einiger Zeit

Beschäftigen soll die neue Gruppe rund 7000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Zum Umfang des Stellenabbaus machen die Firmen keine direkten Angaben. Während zwei bis drei Jahren wollen sie aber "viele Stellen von ausscheidenden Mitarbeitenden" nicht mehr besetzen. Die Führung der neuen Gruppe soll aus Personen beider Gesellschaften gebildet werden.

Der Zusammenschluss solle zu einer "starken" Versicherungsgruppe führen, die rund 9 Mrd. Fr. Prämien einnehmen und ein Gewinnpotenzial von über 500 Mio. Fr. haben soll. Im Schweizer Markt allein soll das Prämienvolumen der neuen Gruppe rund 5 Mrd. Fr. betragen.

Spekulationen über eine Übernahme der Nationale Suisse halten sich seit einiger Zeit. Da neben Helvetia auch die Versicherungsgesellschaft Mobiliar ihre Beteiligung an Nationale Suisse in den vergangenen Monaten aufgestockt hat, machten Gerüchte über einen Übernahmekampf die Runde. Mit über 19 Prozent war die Mobiliar im April grösste Aktionärin der Nationale.

(SDA/cash)