Das sagen Experten zu den UBS-Zahlen

Selbst unter Ausklammerung von Sonderposten werden die Zahlen der UBS den Erwartungen nicht gerecht. Dennoch verleihen positive Analystenstimmen der Aktie regelrecht Flügel.
28.10.2014 12:49
Von Lorenz Burkhalter
Vergangenheitsbewältigung ist teuer: Die UBS packt Rückstellungen in Milliardenhöhe ins dritte Quartal.
Vergangenheitsbewältigung ist teuer: Die UBS packt Rückstellungen in Milliardenhöhe ins dritte Quartal.
Bild: Bloomberg

(Ergänzt um die Hochstufung durch das Aktien-Research von S&P und die aktuellsten Kursindikationen)

Anders als die Credit Suisse wartet die UBS für das dritte Quartal zwar mit einem auf den ersten Blick recht schwachen Zahlenkranz auf. Dieser ist nach Ausklammerung von zusätzlichen Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten auf der einen und Steuergutschriften auf der anderen Seite jedoch von deutlich besserer Qualität als jener der Erzrivalin.

Entgegen anders lautenden Erwartungen sind die Bruttomargen im Wealth Management sogar leicht gestiegen. Auch bei der Nettoneugeldentwicklung hebt sich die Grossbank positiv von der Credit Suisse ab.

Rückstellungen für Rechtsrisiken höher als befürchtet

"Wenn nur die Rückstellungen für Rechtsrisiken nicht gewesen wären…", so schreibt die Zürcher Kantonalbank in einem Kommentar. Um alle Sonderfaktoren bereinigt sei der Vorsteuergewinn letztendlich weniger als 10 Prozent unter den Konsensschätzungen ausgefallen. Auf Divisionsstufe falle vor allem das Wealth Management positiv auf.

Alle Treiber würden in die richtige Richtung zeigen, so der Verfasser des Kommentars. Der Analyst erachtet auch den Trend im Investment Banking als gut. Nichtsdestotrotz erwartet er aufgrund der höher als geschätzten Rechtsrisiken eine negative Kursreaktion. Die diesbezügliche Skepsis werde nach der Ergebnispräsentation vermutlich nicht weniger. Die Aktie wird daher weiterhin nur mit "Marktgewichten" eingestuft.

Deutlich konstruktiver liest sich der Kommentar aus dem Hause Vontobel. Der Verfasser bezeichnet den Ergebnisbeitrag aus dem Wealth Management als stark. Trotz ansprechendem Nettoneugeldzufluss sei die Bruttomarge im dritten Quartal gestiegen. Diese Trends seien ermutigend.

Unter Ausklammerung von Sonderfaktoren sei der Beitrag aus dem Investment Banking immerhin im Rahmen der Erwartungen ausgefallen. Der Analyst bekräftigt deshalb sowohl die Kaufempfehlung als auch das 21,50 Franken lautende Kursziel für die Aktie der UBS.

Erklärungsbedarf sieht man bei Jefferies International. Die starke Entwicklung im Wealth Management sei von hohen Rechtskosten im Investment Banking überschattet worden. Diesbezüglich erhofft sich der verantwortliche Experte von der Analystenkonferenz weitere Informationen. Er stuft die Aktie vorerst mit "Hold und einem Kursziel von 18,30 Franken ein.

Starke Kaufempfehlung für die UBS-Aktie

Im Kommentar von Helvea wird die Entwicklung im Investment Banking als gut bezeichnet. Es wäre allerdings falsch, die Probleme im innersten dieses Geschäftsbereichs einfach zu ignorieren, so der Analyst. Hohe Kosten, auch für Rechtsstreitigkeiten, seien die neue Realität. Der Experte fühlt sich vom vorliegenden Quartalsausweis in seiner seit wenigen Wochen vorsichtigen Haltung für die UBS-Aktie bestätigt.

Beim Aktien-Research von Standard & Poor's (S&P) stuft man die Aktie im Anschluss an die Ergebnisveröffentlichung von "Buy" auf "Strong Buy" hoch. Das 12-Monats-Kursziel lautet wie bis anhin 19 Franken. Im Wealth Management zeige die Grossbank gutes Momentum, so der zuständige Analyst.

Fortschritte beim Eigenkapital werden relativiert

Bei J. Safra Sarasin wird das Resultat als durchzogen beurteilt. Operativ betrachtet steche die erneut starke Entwicklung im Kerngeschäft Wealth Management hervor. Am Kernkapital gemessen gehöre die UBS zu den am besten kapitalisierten Banken weltweit. Die Rechtsstreitigkeiten und die damit verbundenen Kosten würden diese Gegebenheiten allerdings überschatten. Dennoch hält der Analyst an seiner Kaufempfehlung für die Aktie fest.

Seine für die Credit Suisse tätige Berufskollegin begrüsst die beim Eigenkapital erzielten Fortschritte. Die risikogewichteten Aktiven seien im vergangenen Quartal um weitere 8 Milliarden Franken reduziert worden. Neu würden diese noch bei 219 Milliarden Franken stehen. Die sogenannte Leverage Ratio habe sich im Quartalsvergleich stabil entwickelt. Die Aktie wird mit "Neutral" und einem 12-Monats-Kursziel von 16,50 Franken eingestuft.

Allerdings relativieren Händler die stärkere Eigenkapitalquote (Tier 1) mit buchhalterischen Kniffen wie der Geltendmachung steuerlich absetzbarer Verlustvorträge.

Die UBS-Aktie reagiert im laufe des Morgens an der Schweizer Börse SIX mit einem deutlichen Kurssprung von 5,1 Prozent auf ein Tageshoch von 16,23 Franken. Beobachter berichten von grösseren institutionellen Käufen aus dem In- und Ausland.