Das sagen Ökonomen zur SNB-Geldpolitik

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hält an ihrem geldpolitischen Kurs fest. Die Reaktion von Experten.
15.12.2016 10:30
Bauumzäunung an der Schweizerischen Nationalbank in Bern Mitte 2016.
Bauumzäunung an der Schweizerischen Nationalbank in Bern Mitte 2016.
Bild: cash

Die SNB setzt zur Schwächung des aus Sicht der Währungshüter noch immer deutlich überbewerteten Frankens weiterhin auf Negativzinsen und Devisenmarktinterventionen. Die Notenbank beließ das Zielband für den Referenzzins Dreimonats-Libor am Donnerstag bei minus 1,25 bis minus 0,25 Prozent. Banken müssen für ihre Sichtguthaben bei der SNB weiterhin eine Gebühr von 0,75 Prozent bezahlen. Ökonomen kommentieren die geldpolitische Lagebeurteilung der SNB wie folgt:

MAXIME BOTTERON, CREDIT SUISSE:

"Keine Überraschung von der SNB heute. Der Ton ist leicht optimistischer als im September, obwohl die SNB beträchtliche Risiken in der Weltwirtschaft ausmacht. Interessant ist, dass die SNB erwähnt, dass die die gesamte Währungssituation mitberücksichtigen will. Sie fokussiert sich also nicht ausschließlich auf die Entwicklung des Euro-Franken-Kurses. Sie bestätigt, dass sie die jüngsten Aufwertung des Dollar es ihr erlauben könnte, einen schwächeren Euro zu tolerieren - im Einklang mit unserer Ansicht."

ANDREAS RUHLMANN, MARKTANALYST BEI IG (SWITZERLAND):

"Die SNB hängt solange von der EZB und der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung in Europa ab, wie sie eine gewisse Kontrolle über den Euro-Franken-Kurs behalten will.

Für 2017 kann eine Zinserhöhung durch die SNB weitgehend ausgeschlossen werden. Auch tiefere Negativzinsen sind aufgrund des anhaltenden Drucks auf Banken, Pensionskassen und Versicherungen unwahrscheinlich. Daher bleiben die Werkzeuge der SNB auf Devisenmarktinterventionen reduziert.

Wir erwarten, dass die SNB ihre Interventionen vorsichtiger vorantreiben wird, indem sie nur interveniert, um extreme Volatilität zu verhindern. Die SNB hat kein virtuelles Niveau mehr vor Augen und könnte den Euro-Franken-Kurs auf 1,05 bis 1,03 sinken lassen, solange es eine langsame und allmähliche Bewegung ist. Auf der anderen Seite sollte die SNB durch einen schwächeren Franken gegenüber dem US-Dollar entlastet werden."

JAMES ATHEY, ABERDEEN ASSET MANAGEMENT:

"Die Schweizerische Nationalbank läuft zum Stillstand. Sie versucht verzweifelt, die Aufwertung des Franken zum Euro zu stoppen, was im Wesentlichen bedeutet, dass sie gegen die EZB und europäische politische Risiken ankämpft. Das ist kein Kampf, den sie leicht gewinnen wird, wie wir gesehen haben, als sie die Euro-Untergrenze aufgehoben hat."

SANDRA HOLDSWORTH, KAMES CAPITAL:

"Die SNB hat die Geldpolitik unverändert behalten. Der Ausblick ist sehr vorsichtig optimistisch und eine Wiederholung, dass der Schweizer Franken überbewertet bleibt. Dies wurde vollständig erwartet und hatte wenig Auswirkungen auf die Märkte. Die Entscheidung der US-Notenbank hat einen größeren Einfluss auf das Marktniveau."

DANIEL HARTMANN, BANTLEON BANK:

"Während in den USA der Leitzinserhöhungszyklus voll im Gange ist, ist die SNB davon noch weit entfernt. In der Schweiz dreht sich weiterhin alles um den Wechselkurs. Der Franken steht gegenüber dem Euro unverändert unter Aufwertungsdruck. Die SNB vermeidet daher alles, um Leitzinserhöhungsspekulationen aufkommen zu lassen. Die Währungshüter geben sich unverändert 'taubenhaft'. Es wird zwar anerkannt, dass sich die Weltwirtschaft erholt. Gleichzeitig werden die Risiken aber stark betont. Entsprechend geht die SNB in den kommenden Monaten nur von einem moderaten Expansionstempo der globalen und schweizerischen Wirtschaft aus. Außerdem sah sich die SNB erneut gezwungen, ihre Inflationsprognose leicht nach unten anzupassen (0,5 Prozent statt 0,6 Prozent für 2018).

Mithin gibt der Inflationsausblick weiterhin keinerlei Anlass für eine geldpolitische Straffung. Die Möglichkeit für eine Leitzinserhöhung in der Schweiz ergibt sich somit aus unserer Sicht frühestens 2018, aber auch dann wird die SNB nichts überstürzen. Eine Überhitzung der Schweizer Wirtschaft müssen die Währungshüter nicht befürchten. Wir rechnen daher erst für Ende 2018 oder Anfang 2019 mit dem ersten Schritt.

Erstmals findet sich im Kommunique die Anmerkung, dass man bei den Devisenmarktinterventionen die 'gesamte Währungssituation berücksichtigt'. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass man eine leichte Aufwertung des Frankens gegenüber dem Euro toleriert, wenn gleichzeitig gegenüber dem USD eine Abwertung stattfindet."

CORNELIA LUCHSINGER JAGGI, ZÜRCHER KANTONALBANK:

"Der SNB- Entscheid war wie von uns erwartet. Interessant, was wir auch jüngst betont hatten: Die SNB betonte explizit, dass sie die gesamte Währungssituation beobachte. Euro-Franken hat sich ja zuletzt ansprechend entwickelt, und wir erwarten, dass sie SNB gegebenenfalls eine gewisse Aufwertung des Frankens zulassen wird. Dies, weil die Schweizer Konjunktur ansprechend läuft und weil der Dollar zum Franken deutlich aufgewertet hat. Handelsgewichtet hat der Franken in den letzten Wochen sogar leicht abgewertet, was sicherlich Druck von der SNB nimmt. ist es Daher verständlich und auch richtig, dass sie die gesamte Währungssituation betont.

Die bedingte Inflationsprognose war keine Überraschung. Die SNB erwartet neu eine etwas tiefere Inflationsrate für 2017 und 2018"

ALESSANDRO BEE, UBS:

"Wie erwartet belässt die SNB die Zinsen unverändert und signalisiert dem Markt weiterhin die Bereitschaft wenn nötig am Markt zu intervenieren. Dieses Mal hat die SNB miteingeschlossen, dass sie die gesamte Währungssituation mit einbeziehen will, wenn die eine Intervention erwägt. Das ist ein Hinweis darauf, dass sie einen stärkeren Franken zum Euro toleriert, wenn der Dollar zum Franken weiter aufwertet.

Die Aussicht für die Schweizer Zinsen hängt primär von der Politik der Europäischen Zentralbank in den kommenden Quartalen ab. Wir gehen davon aus, dass die SNB erstmals die Zinsen im zweiten Quartal 2018 erhöht, wenn das Tapering der EZB bereits gut fortgeschritten ist. Für positive Zinsen in der Schweiz müssen wir möglicherweise warten, bis die EZB die Zinsen in 2019 zu erhöhen beginnt. Dei SNB bleibe in negativen Bereich gefangen, solange die EZB die Negativzinspolitik verfolgt."

(Reuters)