Das sagen SMI-Firmen zu den Auswirkungen des Brexit

Das Ausmass des Brexit ist noch nicht richtig absehbar. Aber der Austritt Grossbritanniens aus der EU wird auch Schweizer Firmen in ihrer Geschäftstätigkeit betreffen. Erste SMI-Unternehmen haben Stellung bezogen.
24.06.2016 12:35
Von Ivo Ruch
Der Pharmakonzern Novartis erwartet kurzfristig keine signifikanten Auswirkungen auf die eigenen Aktivitäten.
Der Pharmakonzern Novartis erwartet kurzfristig keine signifikanten Auswirkungen auf die eigenen Aktivitäten.
Bild: Bloomberg

Der Pharmakonzern Novartis nimmt die Entscheidung der britischen Bevölkerung zur Kenntnis, dass Grossbritannien nicht länger Mitglied der EU bleiben soll. Wie genau sich dieses Ergebnis auf die Life-Sciences-Branche allgemein und auf das Unternehmen Novartis auswirken wird, lasse aber nur schwer vorhersagen, so die Basler am Freitag in einem Statement gegenüber AWP.

Kurzfristig erwarte Novartis aber keine signifikanten Auswirkungen auf die eigenen Aktivitäten und auf das Geschäft. Denn die Mechanismen und Massnahmen für den Austritt müssten erst noch definiert werden, so Novartis weiter.

Der Schweizer Aktienmarkt macht im frühen Handel am Freitag grosse Verluste schnell wieder wett. Um 10:30 Uhr steht der Swiss Market Index (SMI) 2,9 Prozent im Minus. Die Novartis-Aktie verliert bis um 10:30 Uhr 1,8 Prozent – gleich gross sind die Verluste bei der Konkurrentin Roche.

Laut Angaben von Reuters gab der Versicherungskonzern Swiss Life bekannt, nach dem Brexit werde "der Druck auf unser Anlageergebnis zunehmen. Swiss Life halte nur in begrenztem Ausmass britische Staatsanleihen und in Pfund denominierte Aktien. Swiss-Life-Aktien verlieren 3,8 Prozent.

Die Grossbank UBS (Aktie -7,3 Prozent) sagte: "Wir sind es gewohnt, unser Geschäft dem Willen der Öffentlichkeit anzupassen." Credit Suisse, die andere Grossbank, erwartet anhaltende Marktvolatilität bis sich das makroökonomische und politische Umfeld der neuen Realität angepasst habe. "In diesen ungewissen und volatilen Märkten werden wir von unseren Kunden gebraucht", wird CS-CEO Tdjane Thiam in einer Mitteilung zitiert. Die CS-Aktie ist mit einem Minus von bis zu 13 Prozent die grösste Verliererin im SMI.

Swiss Re vor neuen Regulationen

Auch der Rückversicherer Swiss Re (-3,7 Prozent) hat den Ausgang des EU-Referendums in Grossbritannien zur Kenntnis genommen und wird die sich daraus ergebenden Implikationen auf das Geschäft analysieren. Als grosses Risiko bezeichnet Swiss Re die kurzfristig gestiegene Volatilität an den Finanzmärkten. Mittel- bis langfristig würden zudem auch regulatorische und Compliance-Risiken die Geschäftsentwicklung in Grossbritannien beeinflussen.

Auch Swiss Re sei im britischen Markt sowie im britischen Pfund engagiert, man sei aber ein weltweit stark diversifiziert ausgerichtetes Unternehmen. Swiss Re erziele rund zwei Drittel der Einnahmen ausserhalb Europas, so die Mitteilung. Man sei stark kapitalisiert und auch im Falle des sich nun nach der Brexit-Abstimmung unsicher werdenden Marktumfelds robust aufgestellt.

Ein besonderes Exposure weist Swiss Re in auf Pfund lautenden Anlagen in der Sparte Life Capital aus. Allerdings seien diese Assets auf langfristige Verpflichtungen im britischen Markt abgestimmt. Das gesamte GBP-Exposure beziffert Swiss Re auf rund 38 Mrd USD, wovon 10 Mrd in britischen Staatsanleihen und 19 Mrd in Unternehmensanleihen. Das Exposure in britischen Aktien sei dagegen sehr gering, so Swiss Re.

Schneider-Ammann: Neue Beziehungen nötig

Im Laufe des Morgens hat sich auch die Schweizer Regierung zum Brexit geäussert. Bundespräsident Johann Schneider-Ammann sagte vor den Medien, die Beziehungen zu Grossbritannien müssten neu geregelt werden. Zwar nicht von heute auf morgen, aber bis in etwa zwei Jahren. So brauche die Schweiz beispielsweise eine neue bilaterale Regelung mit den Briten. Zur jüngsten Aufwertung des Schweizer Frankens sagte Ammann, für die Export-Industrie dürfe die Frankenstärke nicht unterschätzt werden.

(Mit Material von Reuters und AWP)