Das sagen Volkswirte zur deutschen Exportflaute

Die deutschen Exporte haben im August noch stärker an Schwung verloren als von Experten erwartet. Ökonomen äussern sich gemischt über die Absatzflaute des deutschen Exports.
11.10.2019 19:04
Schiffskräne am Hamburger Hafen.
Schiffskräne am Hamburger Hafen.
Bild: Bloomberg

Die deutschen Exporte haben im August noch stärker an Schwung verloren als erwartet. Sie sanken um 1,8 Prozent zum Vormonat und damit so stark wie seit April nicht mehr, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Ökonomen hatten lediglich mit einem Rückgang um 1,0 Prozent gerechnet, nach einem Plus von 0,8 Prozent im Juli. Sie sagten in ersten Reaktionen:

Kevin Heidenreich, DIHK:

"Die Hiobsbotschaften für deutsche Exporteure reißen nicht ab. Gründe hierfür sind weiterhin schwache Wachstumszahlen in Europa und weltweit. Hinzu kommen zahlreiche Handelskonflikte, deren Lösungen in weiter Ferne liegen. Laut dem aktuellen DIHK-Außenwirtschaftsreport kämpfen die Unternehmen mit immer höheren Zollhürden. Mit den neuen US-Zöllen auch auf europäische Produkte in den kommenden Tagen wird eine neue Eskalationsstufe erreicht. Mit höheren Zöllen im USA-China-Streit und mit möglichen US-Automobilzöllen dann auch gegen Europa würden die Belastungen für die Unternehmen und die Konjunktur in Deutschland weiter steigen."

Alexander Krüger, Bankhaus Lampe:

"Die exportgetriebene Wirtschaft hat es weiter schwer. Ansteckungsgefahren für den Arbeitsmarkt bleiben bestehen. Da die Importe im dritten Quartal bisher aber deutlicher als die Exporte gesunken sind, zeichnet sich zwar dennoch Unterstützung für das Wirtschaftswachstum ab. Die Importschwäche kann aber auf eine aufziehende Nachfrageschwäche hindeuten. Beruhigen darf die aktuelle Handelsbilanzstruktur daher nicht."

Uwe Burkert, LBBW:

"Die Zahlen sind nicht wirklich überraschend. Letztes Jahr im Sommer wurde im Automobilsektor kräftig vorproduziert, bevor auf den neuen Abgasprüfstandard umgestellt wurde. So ist es nicht verwunderlich, dass das hohe Exportniveau vom Vorjahresmonat nicht gehalten werden konnte. Auf der Importseite wirkt sich die Brexit-Unsicherheit durch stärkere Lagerbildung aus. Dies ändert aber nichts am trüben Ausblick: Wir werden im dritten Quartal wohl ein schrumpfendes BIP und somit eine technische Rezession haben."

(Reuters)