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Das Schnäppchen unter den Pharmazulieferern

Der Pharmazulieferer Siegfried hat die Börsianer mit soliden Halbjahreszahlen und einer möglichen Dividendenerhöhung überzeugt. Die im Branchenvergleich günstige Bewertung bringt dem Titel einiges an Potenzial.
20.08.2015 14:44
Von Ivo Ruch
Standort von Siegfried in Pennsville, USA.
Standort von Siegfried in Pennsville, USA.
Bild: Siegfried

Umsatz- und Gewinnsprung sowie eine höhere Dividende in Aussicht: Die jüngsten Halbjahreszahlen von Siegfried liessen aufhorchen. Der Aargauer Pharmazulieferer konnte die Börsianer denn auch überzeugen, die Aktie zog am Mittwoch in einem negativen Gesamtmarkt um mehr als 3 Prozent an. Mittlerweile ist der Titel bei 184 Franken angelangt, dem höchsten Stand seit Ende 2007.

Aktienkurs von Siegfried in den letzten zehn Jahren, Quelle: cash.ch

Im laufenden Jahr hat sich der Börsenwert von Siegfried um 14 Prozent vermehrt. Dies trotz des SNB-Schocks und eines zehnprozentigen Einbruchs nach enttäuschenden Zahlen zum Geschäftsjahr 2014. Stark kurstreibend wirkte zudem der Kauf des Auftrags- und Zulieferergeschäfts von BASF, einem deutschen Konkurrenten.

BASF-Geschäft eingliedern

Zum Allzeithoch bei 211 Franken fehlen noch mehr als 10 Prozent Kursperformance. In Anbetracht der positiven Aussichten könnte das durchaus im Bereich des Möglichen liegen. Analyst Martin Schreiber von der Zürcher Kantonalbank schätzt den fairen Wert der Siegfried-Aktie auf 210 Franken und empfiehlt den Titel dementsprechend zum Kauf.

Siegfried entwickelt und produziert Pharmawirkstoffe für Kunden, darunter Substanzen wie Methadon oder Nikotin. Viel Zukunftshoffnung ruht gemeinhin auf zwei Übernahmen: Die Ende 2014 übernommene Hameln Pharma leistet bereits einen ordentlichen Beitrag an den Umsatz, während die endgültige Integration des BASF-Zulieferergeschäfts noch im Gang ist. Das BASF-Geschäft bringt einen Umsatz von rund 280 Millionen Franken mit, womit Siegfried in Zukunft eine vergleichbare Grösse wie die Chemie-Produktion des Mitbewerbers Lonza erreichen dürfte.

Laut den Marktbeobachtern der Neuen Helvetischen Bank reflektiert der Aktienkurs diese Übernahme noch nicht gänzlich. Sie schreiben in einem Kommentar: "Dass Siegfried durch die Übernahme des Geschäfts von BASF zu den Top-'Strategic Pharma Suppliers' aufsteigt, ist nach wie vor nicht in die Bewertung eingeflossen."

Sehr günstig bewertet

Auch wenn die Firmen nur begrenzt miteinander vergleichbar sind: Im Unterschied zu anderen Pharmazulieferern wirkt Siegfried wie ein Schnäppchen. Die Konkurrenz von Lonza und Bachem ist mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen (KGV) von 18 respektive 20 bereits deutlich höherer bewertet als Siegfried (KGV 12).

Dennoch ist Carla Baenziger von der Bank Vontobel zurückhaltender als ihre Berufskollegen. Die Analystin behielt ihr Rating nach den Halbjahreszahlen bei "Hold" und einem Preisziel von 179 Franken. Nach der Konsolidierung von BASF müsse das Management beweisen, "dass es die mit dieser Übernahme beabsichtigten Umsatzsynergien in die Tat umsetzen kann".