Das sind die Aussichten für den Goldpreis

Nach den US-Wahlen hat Gold stark an Wert eingebüsst. Was sind die Gründe dafür? Und rutscht das Edelmetall noch weiter ab?
15.11.2016 23:45
Von Ivo Ruch
Glänzend und wertvoll: Im laufenden Jahr hat sich Gold 15 Prozent verteuert.
Glänzend und wertvoll: Im laufenden Jahr hat sich Gold 15 Prozent verteuert.
Bild: Pixabay

Unmittelbar nach der Präsidentschaftswahl in den USA kletterte der Preis für eine Unze Gold bis über die Marke von 1300 Dollar. Seither kennt das Edelmetall aber vor allem eine Richtung: abwärts. Mittlerweile steht der Goldpreis bei 1229 Dollar, dem tiefsten Stand seit mehr als fünf Monaten (siehe nachfolgenden Chart). Was sind die Gründe für diese Verkaufsstimmung?

Preissturz nach den Wahlen: Goldpreis seit Anfang Jahr (Quelle: cash.ch)

Noch vor den Wahlen wurde Donald Trump vielerorts als Investorenschreck bezeichnet. Doch mittlerweile steht er bei den Akteuren an den Finanzmärkten mehrheitlich hoch im Kurs. Der Fokus liegt dabei vor allem auf einem milliardenschweren Programm zur Verbesserung der amerikanischen Infrastruktur und auf Steuersenkungen im grossen Stil.

Der Ausblick auf positive Impulse für die US-Konjunktur liess die Inflationserwartungen in die Höhe schnellen. Mit ihnen kletterten auch die Renditen auf amerikanische Staatsanleihen auf den höchsten Stand seit letztem Januar (siehe Chart). In dieselbe Richtung haben sich die Renditen in der Schweiz, der Euro-Zone und in Grossbritannien entwickelt.
 

Starker Renditeanstieg: Zehnjährige US-Staatsanleihen in den letzten sechs Monaten (Quelle: cash.ch)

Steigende Zinsen, so der Konsens, sind in der Regel schlecht für den Goldpreis. Weil das Edelmetall keine Zinsen abwirft, erscheint es in einem Umfeld steigender Zinsen weniger attraktiv. Mit der Aussicht auf weitere Zinserhöhungen der amerikanischen Fed in den kommenden Monaten nimmt die Attraktivität des Edelmetalls folglich ab.

"Es scheint sich zu bestätigen, dass Trump mittel- bis längerfristig wenig Unterstützung für das Gold bieten sollte", sagt Rohstoffanalyst Carsten Menke von der Bank Julius Bär. Höheres Wachstum, steigende Zinsen und ein stärkerer US-Dollar dürften auf der Anlegernachfrage und damit auf dem Goldpreis lasten.

Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) sieht den Renditeanstieg noch nicht für ganz ausgereizt. In einer aktuellen Analyse schreibt die ZKB: "Allerdings dürfte die Europäische Zentralbank weiterhin bestrebt sein, den Renditeanstieg zu begrenzen, um allzu hohe Refinanzierungskosten für schwächere Euroländer zu verhindern.

Starke Fonds-Abflüsse

Die Verkaufsstimmung bei Gold zeigte sich auch bei den in den USA domizilierten Goldfonds. Unmittelbar nachdem das Wahlresultat bestätigt war, setzten dort die grössten Kapitalabflüsse seit April 2013 ein, wie Marktbeobachter berichten. So erwartet Menke mit Blick auf die nächsten drei Monate einen Goldpreis von 1200 Dollar, in 12 Monaten sieht er Gold nur noch bei 1150 Dollar. Auf lange Sicht etwas optimistischer ist die St. Galler Kantonalbank, die ihre 12-Monats-Prognose bei 1300 Dollar hat.

Laut Analyst Menke dürfte sich die Abwärtstendenz beim Gold nur dann umkehren, wenn Trump seine Wahlversprechen bezüglich Protektionismus und Isolationismus wirklich einlösen sollte. Das würde der globalen Wirtschaft schaden, die Wachstumsaussichten negativ beeinflussen und für Unsicherheit an den Finanzmärkten sorgen – und Gold hätte seine Rolle als sicherer Zufluchtsort wieder.

Verglichen mit Anfang Jahr beträgt der Kursgewinn bei Gold immer noch 15 Prozent. Verdichten sich die Hinweise auf weitere US-Zinserhöhungen in den kommenden Monaten weiter, dürfte sich diese Performance weiter verschlechtern.

Welche Rolle spielt Indien?

Aus einer anderen Ecke der Welt, aus Indien, kommen ebenfalls wenig positive Signale für das Edelmetall. Lange Zeit wurde geglaubt, dass Indiens Wirtschaftswachstum einhergeht mit einer steigenden Goldnachfrage. Allmählich setzt sich aber die Erkenntnis durch, dass dieser Zusammenhang nicht stimmt. Physisches Gold ist vor allem in ländlichen Regionen beliebt und nicht in den Grossstädten, wo die Profiteure des Booms wohnen.

Hinzu kommt das erst kürzlich erlassene Verbot von indischen Bargeldnoten im Wert von 500 und 1000 Rupien. Damit will Premierminister Narendra Modi Korruption und Schwarzgeld zurückdrängen. Studien zufolge macht die illegale Schattenwirtschaft rund ein Fünftel der indischen Wirtschaftsleistung aus. In der Vergangenheit wurde viel Schwarzgeld über den Kauf von Gold gewaschen. Werden diese grossen Noten aus dem Verkehr gezogen, nimmt die Nachfrage nach physischem Gold ab, so das Fazit mehrerer Gold-Experten.

Wer auf einen fallenden Goldpreis wetten will, kann Putoptionsscheine erwerben. Allerdings sind solche Investments, wie alle Optionsgeschäfte, spekulativ.