Das sind innovative Schweizer Unternehmen

Damit Schweizer Firmen wettbewerbsfähig bleiben, braucht es Innovationen. cash porträtiert vier solche «Erneuerer».
07.09.2016 14:25
Von Marc Forster
Dank Innovationen weltweit erfolgreich: Ypsomed (im Bild eine Produktionsanlage des Medizinaltechnikunternehmens  in Solothurn).
Dank Innovationen weltweit erfolgreich: Ypsomed (im Bild eine Produktionsanlage des Medizinaltechnikunternehmens in Solothurn).
Bild: ZVG

 

Dieser Artikel ist Teil des am 8. September 2016 erscheinenden cash-Anlegermagazins «VALUE». Sie können das Magazin als E-Paper lesen, als PDF herunterladen oder gratis als gedruckte Ausgabe bestellen.

Gute Ideen haben, Produkte lancieren und sie auf dem Weltmarkt gut verkaufen. Darin sind die Schweizer Unternehmen spitze. Die grössten Unternehmen an der Schweizer Börse wie Nestlé, Roche und Novartis haben quasi Innovationszwang. Vor allem die Pharmabranche muss immer wieder neue und verbesserte Wirkstoffe auf den Markt bringen, um bestehen zu können. Analysten und Investoren schauen genau auf die Entwicklungsschritte in den Labors der Basler Grosskonzerne.

Vergleichsweise langsam in den Erneuerungen ist die Finanzbranche. So ist bei den traditionsreichen Privatbanken nicht überall ein Online-Banking verfügbar. Banken und Versicherer setzen auf das traditionelle Geschäft und versuchen, bestehende Angebote vermehrt ins Internet zu verlagern.

Die Fintechs als Innovationstreiber

Die Innovationstreiber im Finanzwesen sind die Fintechs, in der Regel kleine Start-ups, die neue Zahlungsmethoden lancieren, Online-Währungen zu etablieren versuchen oder Anlagestrategien digitalisieren. Die Banken wachen mit Argusaugen da­rüber und versuchen, mittels Subventionierung oder Übernahme von Fintechs an den Trends teilzuhaben. Auch Dienstleistungen, Service und zufriedene Kunden gehören zur Innovation. Darin ist die Schweizer Industrie gut. Ein nicht zu unterschätzendes Innovationspotenzial steckt auch in beweglichen und zukunftsorientierten KMU und Zulieferern.
 

Hier vier Beispiele von kotierten Schweizer Firmen aus der Industrie und der Medizinaltechnik, die für Innovation stehen:
 

Von Maus zu Jaybird – Logitech

Das Waadtländer Unternehmen führt regelmässig Listen der innovativsten Schweizer Firmen der Schweiz an. Das Geschäft, wofür Logitech bekannt ist, sind Computermäuse und Tastaturen. Das Unternehmen lebt im Prinzip von der Aus- und Nachrüstung von Systemen.

Allerdings richtet sich Logitech seit der Restrukturierung vor eini­gen Jahren, die nach schwierigen Geschäftsjahren eingeleitet wurde, konsequent auf Peripheriegeräte für Smartphones und ­Tablets aus und hat auch verstanden, dass in einer Gadget-­gewohnten Welt das Design wichtig ist. Das Budget für Forschung und Entwicklung von Logitech ist höher als bei der Konkurrenz.

Mit Videokonferenz-Ausrüstungen hat Logitech einen weiteren Schritt weg vom traditionellen Computergeschäft gemacht. Neu zielt der Konzern auf das Feld der «Wearables» – etwa mit dem Kauf von Jaybird, einem Spezialisten für tragbare kabellose Kleingeräte und Tracking-Systeme für den Sport. Jaybird gehört zu den 400 am schnellsten wachsenden Unternehmen der USA. 

 

«Intelligente Pens» – Ypsomed

Am ziemlich kleinen Markt für Injektionssysteme und Insulinpumpen behauptet sich der Burgdorfer Medizinaltechniker Ypsomed. Die Firma entwickelt für Pharmaunternehmen Auto-Injektoren – also Systeme, mit denen sich Patienten Medikamente selber verabreichen können. Es sind Pen-Nadeln, also Plastikaufsätze für Kanülen mit einer sterilen Nadel, die von Diabetespatienten benutzt werden.

Konnektivität ist der aktuelle Entwicklungsschritt, also Smartphone- und Internet-Applikationen. Indem die Injektionssysteme Informationen auf Mobiltelefone, Tablets und den Desktop übermitteln können, entsteht die Möglichkeit, die Therapien zu überwachen. Das schätzen die Gesundheitsversorger, denn sie sind daran interessiert, dass Patienten ihre Therapien lückenlos einhalten.

Von Vorteil ist diese Weiterentwicklung auch für Kinder, die sich die Wirkstoffe selber verabreichen. Um «intelligente» Pens auf den Markt zu bringen, arbeitet Ypsomed wie viele kleine Innovatoren mit Partnerfirmen zusammen. 

 

Ausbau durch Zukauf – Sonova

Die innovativen Unternehmen entwickeln bessere, praktischere und massentauglichere Produkte nicht nur selber – sie kaufen die Innovationen auch zu. Der Hörhilfespezialist Sonova (die frühere Phonak) aus Stäfa ZH übernahm 2010 einen Hersteller für Hörimplantate. Denn je nach Art der Hörbeeinträchtigung werden den Menschen kleine, kaum sichtbare Innenohrimplantate eingesetzt – und nicht Hörgeräte im herkömmlichen Sinne.

Mit dem Zukauf ergänzte Sonova das bereits hochqualitative Angebot des Konzerns und baute die Stellung als Weltmarktführer aus. Als Innovationstreiber von Sonova wirkt aber auch das Konkurrenzumfeld: Der Markt für Hörhilfen hat hohe Eintrittsbarrieren, zudem ist der Markt Konjunkturschwankungen relativ wenig ausgesetzt.

Das wiederum ist auch eine Gefahr. Eine nicht untätige Konkurrenz zwingt Sonova dazu, weiterhin qualitativ hochwertige Forschungsergebnisse zu liefern. Sonova arbeitet dazu auf der ganzen Welt mit Audiologen von Universitäten zusammen.

 

«Internet der Dinge» – U-Blox

Der Chip-Entwickler aus Thalwil ZH richtet sich auf die Satellitennavigation und Funkübertragung aus. Aber nicht nur im herkömmlichen Sinne: Wenn wir heute über das Internet aus der Ferne Haushaltsgeräte starten oder komplexe Produktionsprozesse steuern, spricht man vom «Internet of Things». Gemeint sind Systeme, in denen Maschinen, Geräte und Objekte miteinander kommunizieren.

Selbstfahrende Autos sind noch Zukunftsmusik, aber viele Internet-of-Things-Helfer etwa bei der Fahrsicherheit oder der Schadendiagnose an Bord gibt es heute schon. U-Blox mischt auf diesem Markt weltweit kräftig mit.

U-Blox fertigt seine Module übrigens nicht selbst, sondern entwickelt diese nur – man spricht vom «Fabless»-Prinzip. Das kleine, 1997 gegründete Unternehmen mit etwa 800 Mitarbeitenden spielt auch dort eine Rolle, wo sich das Alltagsverhalten ändert. Wie etwa beim Bezahlen mit dem Smartphone, das immer beliebter wird. Die Technologie funktioniert über Nahfunkverbindungen, einem Feld, in dem sich U-Blox ebenfalls betätigt.