Deftiger Rückzieher an den US-Börsen

Der erneute Atomtest von Nordkorea und Spekulationen über eine Anhebung der US-Zinsen haben Anleger am Freitag zum Rückzug von der Wall Street bewogen.
09.09.2016 22:30
Ratlosigkeit macht sich bei den Händlern am Freitag an der Wall Street breit.
Ratlosigkeit macht sich bei den Händlern am Freitag an der Wall Street breit.
Bild: Bloomberg

Marktteilnehmer fürchteten, dass der zweite Atomwaffentest innerhalb weniger Monate zu einer Destabilisierung in Asien führen könnte. Weltweit löste das abgeschottete Land damit Besorgnis aus. Auf die Stimmung drückte zudem US-Notenbanker Eric Rosengren, der vor den Risiken einer zu zögerlichen Zinspolitik warnte. Die amerikanische Wirtschaft könne sogar überhitzen, wenn die Währungshüter zu lange mit einer Anhebung warteten, sagte der Chef des Fed-Ableger in Boston.

Höhere Zinsen sind tendenziell schlecht für Aktienmärkte, weil dadurch andere Investitionen wie etwa in Anleihen attraktiver werden. "Es gibt viele Gründe, um nervös zu werden. Vor allem wenn die Aktienmärkte auf Höchstständen sind", sagte Eric Kuby, Chef-Investmentstratege bei North Star Investment Management. Es gebe genug negatives, die Anleger veranlassten, Gewinne einzustreichen.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte verlor 2,1 Prozent auf 18'085 Punkte. Der breiter gefasste S&P 500 gab 2,5 Prozent auf 2127 Zähler nach. Der Index der Technologiebörse Nasdaq fiel um 2,5 Prozent auf 5125 Stellen. Auf Wochensicht verlor der Dow 2,2 Prozent - das grösste Wochenminus seit der ersten Woche des Jahres 2016. Der S&P gab 2,4 Prozent nach, so viel wie seit sieben Monaten nicht mehr. Und der Nasdaq lag ebenfalls 2,4 Prozent tiefer als vor einer Woche, das grösste Minus seit Ende April.

Die nächste Fed-Sitzung findet in nicht mal zwei Wochen statt. Börsianer sehen die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung bei 24 Prozent. Für Dezember liegt die Quote bereits bei 60 Prozent. Im Gegensatz zu Rosengren sagte Fed-Direktor Daniel Tarullo, er wolle vor einer Erhöhung mehr Hinweise darauf sehen, dass die Inflation nachhaltig anziehe.

GM nach Rückrufaktion unter Druck

Bei den Einzelwerten gerieten die Aktien von General Motors unter Druck. Wegen Software-Problemen beordert die Opel-Mutter weltweit knapp 4,3 Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten zurück. Die Aktie verlor 4 Prozent an Wert.

HP-Papiere verloren ebenfalls 4 Prozent. Der südkoreanische Konzern Samsung erwägt einem Zeitungsbericht zufolge den Verkauf seines milliardenschweren Druckergeschäfts an den US-Rivalen.

Die Aktien von Mastercard standen ebenfalls auf den Verkaufslisten. Sie verbilligten sich um knapp 2 Prozent. Der Anbieter von Kreditkarten ist in Grossbritannien auf umgerechnet knapp 16,7 Milliarden Euro Schadenersatz verklagt worden. Ihm wird vorgeworfen, mit überhöhten Gebühren für den Einsatz von Bank- oder Kreditkarten Konsumenten jahrelang indirekt geschadet zu haben.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 1,08 Milliarden Aktien den Besitzer. 152 Werte legten zu, 2934 gaben nach und 46 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,19 Milliarden Aktien 403 im Plus, 2484 im Minus und 126 unverändert.

An den US-Kreditmärkten fielen die Kurse ebenfalls, in der Konsequenz stiegen die Renditen. Hintergrund sind Berichte über die Pläne der japanischen Notenbank, die Renditen für Anleihen mit kurzer und mittlerer Laufzeit zu kappen und die für Langläufer zu erhöhen. Da japanische Investoren in letzter Zeit zu den grössten Käufern von US-Anleihen gehören, haben sich die US-Kreditmärkte Analysten zufolge im letzten halben Jahr an die japanischen gekoppelt. Die zehnjährigen Staatsanleihen verloren 17/32 auf 98-13/32. Die Rendite stieg auf 1,6749 Prozent. Der 30-jährige Bond sank einen Punkt und 17/32 auf 96-29/32. Die Rendite kletterte auf 2,3954 Prozent und damit auf dem höchsten Stand seit zwei Monaten.

(Reuters)