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Dell: «Swatch ist ein Vorbild für uns»

Der Börsen-Rückzug hat sich für Dell bereits positiv ausgewirkt, sagt Firmenchef Michael Dell im cash-Interview am WEF. Er spricht von einem sehr guten Jahrestart und geht mit Milliardär Carl Icahn hart ins Gericht.
26.01.2014 12:58
Interview: Pascal Meisser, Davos
Michael Dell sieht die Krise aus den Köpfen der Wirtschaftsführer verschwunden.
Michael Dell sieht die Krise aus den Köpfen der Wirtschaftsführer verschwunden.
Bild: Bloomberg

cash: Herr Dell, Sie sind seit Jahren regelmässiger Gast am World Economic Forum in Davos. Was unterscheidet 2014 von den Vorjahren?

Michael Dell: Die Stimmung ist viel ermutigender geworden, die Wirtschaftsführer zeigen viel mehr Optimismus. Die Krise ist zumindest aus den Köpfen verschwunde. Und das ist ein wichtiges Zeichen. 

Spüren Sie diese Zuversicht auch bei Ihren Kunden?

Definitiv. Letztes Jahr wurde gewissermassen Geld ausgegeben, um Geld zu sparen. Vor allem unsere Geschäftskunden kauften einerseits günstige Produkte und andererseits solche, die besonders effizient waren. Nun spüren wir, dass wieder mehr investiert wird, um das Wachstum der Unternehmen voranzutreiben. 

Vor zwei Monaten haben Sie Ihre eigene Firma von der Börse für 25 Milliarden Dollar zurückgekauft. Sehen Sie bereits Auswirkungen einer grösseren unternehmerischen Freiheit?

Ja, ich bin begeistert. Wir haben einen wirklich guten Jahresanfang erlebt, deutlich besser als noch vor zwölf Monaten. Es ist zwar nur eine Momentaufnahme, aber ich bin überzeugt, dass dies für uns der richtige Weg ist.

Was heisst das konkret?

Wir benötigen Wachstum, um die Firma wieder dorthin zu bringen, wo sie mal war. Und das Wachstum ist auf gutem Weg. Das liegt daran, dass sich die Firma jetzt fast ausschliesslich auf Produkte und Kunden fokussieren kann. Dazu mussten wir von diesem Quartal-zu-Quartal-Denken wegzukommen und wieder eine langfristige Strategie ins Auge fassen.

Nun fällt auch der externe Druck der Investoren weg, profitabel und innovativ zu sein. Ein Nachteil?

Im Gegenteil. Nun können sich alle Mitarbeiter wieder primär auf das konzentrieren, was sie am liebsten machen: Ihre Arbeit. Für uns ist mit dem Going Private alles ein bisschen leichter geworden. Unsere Teams sind zufriedener als vorher. 

Carl Icahn hätte beinahe Ihre Going-Private-Pläne durchkreuzt. Ist der umstrittene US-Investor ein Segen oder ein Fluch für die Aktionäre?

Das einzige Interesse von Icahn besteht darin, mit seinem aggressiven Handeln den Aktienkurs hochzutreiben. Er hat keine Langfrist-Absichten. Mein Sieg war ein Sieg für die Unternehmerwelt. 

Sollten andere börsenkotierte Unternehmen Ihrem Beispiel folgen und ebenfalls ein Going Private anstreben?

Ich weiss nicht, ob es für alle Unternehmen der richtige Schritt wäre. Gewisse Firmen sind darauf angewiesen, auf diese Weise an Kapital zu kommen. In der Schweiz gibt es doch diese Tradition von Familienunternehmen. 

Zum Beispiel Swatch?

Ein hervorragendes Vorbild - auch für uns. Der Gründer, Nicolas Hayek, zeigt sich je länger je frustierter darüber, dass sein Unternehmen an der Börse kotiert ist. Ich glaube mich zu erinnern, dass er liebend gerne sich von der Börse verabschiedet hätte, wenn er eine Möglichkeit gesehen hätte. Für mich ist Swatch ein gutes Beispiel einer grossartigen Schweizer Firma, die langfristig eine richtige Strategie fährt. Aber aus kurzfristiger Sicht verstehen die Finanzmärkte nicht immer die Ziele eines Unternehmens. Analysten haben eine unterschiedliche Motivation. Sie sehen vor allem Zahlen. 

Michael Dell (48) ist Gründer und CEO von Dell, einem der weltweit grössten PC-Hersteller.