Dem britischen Pfund droht mehr Ungemach

Pfund-Händler dürften diese Woche weiteren Grund zur Besorgnis bekommen.
15.08.2016 11:12
Experten sagen für 2017 eine Parität von Pfund zum Euro voraus.
Experten sagen für 2017 eine Parität von Pfund zum Euro voraus.
Bild: Pixabay

Das Pfund Sterling, das bereits die schlechteste Entwicklung unter den wichtigen Währungen in diesem Jahr verzeichnet hat, könnte erneuten Druck kommen, wenn nach dem Referendum erhobene Daten zu Inflation, Einzelhandelsumsatz und Arbeitslosigkeit bekanntgegeben werden.

Die Verluste der britischen Landeswährung weiteten sich vergangene Woche im Nachklang der Entscheidung der Bank of England aus, ihre Leitzinsen zu senken und die Konjunkturimpulse zu verstärken. "Die Risiken bei den Daten sind abwärtsgerichtet", sagte Jeremy Stretch, Leiter Devisenstrategie der Canadian Imperial Bank of Commerce in London. "Es wird eine weitere Woche mit einem schwierigen Umfeld für das Pfund werden."

Umfragen seit der Volksabstimmung am 23. Juni zeigten bereits einen Rückgang der Aktivität im Bausektor, dem verarbeitenden Gewerbe und dem Dienstleistungsbereich auf. Die Daten in dieser Woche werden aber konkretere Hinweise auf den Zustand der Wirtschaft nach dem Votum liefern. Ökonomen rechnen damit, dass die Anträge auf Arbeitslosengeld im Juli zugenommen haben, während der Einzelhandelsumsatz kaum zulegte.

Seit dem Brexit-Votum ist das Pfund gegenüber dem Dollar um mehr als 13 Prozent gefallen und notierte vergangene Woche erstmals seit Juli wieder unter 1,30 Dollar. Gegenüber dem Euro erreichte die britische Landeswährung am Freitag sogar den niedrigsten Wechselkurs seit August 2013. Analysten erwarten eine Fortsetzung des Trends, und einige halten auch einen Rückgang auf die Parität zum Euro innerhalb von 18 Monaten für möglich.

So rechnen Devisenstrategen von HSBC nach Überarbeitung ihrer Prognosen nun für einen längeren Zeitraum mit einem schwächeren Pfund und erwarten bis Ende 2017 eine Parität zum Euro. Die Wechselkurs-Annahmen wurden mit der Erwartung der Ökonomen der Bank in Einklang gebracht, dass die britische Notenbank weitere Lockerungen vornehmen wird, nämlich eine Zinssenkung um 15 Basispunkte im November und eine Ausweitung der quantitativen Lockerung im Februar 2017.

Auch die Strategen der UBS prognostizieren bis 2017 eine Euro-Pfund-Parität, basierend auf einer unterdurchschnittlichen Entwicklung der britischen Wirtschaft. Um eine weitere Abwertung infolge des Leistungsbilanzdefizits und der Abschwächung der Wirtschaft zu vermeiden, wären beträchtliche Zuversicht und Kapitalzuflüsse nötig, hieß es.

(Bloomberg)