An den Börsen ist vom Sommerloch nichts zu spüren

An den Börsen herrscht derzeit gute Stimmung. Das wird sich auch in der nächsten Woche kaum ändern.
15.08.2016 00:34
Der Hauptsitz von Nestlé in Vevey. Das Unternehmen bringt am Donnerstag Quartalszahlen.
Der Hauptsitz von Nestlé in Vevey. Das Unternehmen bringt am Donnerstag Quartalszahlen.
Bild: Bloomberg

"Die Konjunktur läuft rund und Unternehmensnachrichten sind unter dem Strich positiv", sagt Kapitalmarkt-Experte Fidel Helmer von der Privatbank Hauck & Aufhäuser. "Deswegen können wir ganz zuversichtlich in die neue Woche gehen."

Auf Wochensicht blieb etwa dem deutschen Dax ein Zugewinn von 3,3 Prozent. Beim EuroStoxx 50 betrug das Wochenplus 2,4 Prozent, während der Dow Jones im selben Zeitraum nur 0,2 Prozent zulegte.

Spannend wird es in der neuen Woche vor allem auf Konjunkturseite mit dem ZEW-Index für August am DIENSTAG. Im Juli war das Barometer, das die Erwartungen der Börsenprofis für die deutsche Konjunktur misst, wegen des Brexit-Votums überraschend deutlich zurückgegangen. "Wir erwarten, dass im August wieder eine gewisse Erleichterung eintreten dürfte, nicht zuletzt, weil die Finanzmärkte den ersten Brexit-Schock ebenfalls gut überwunden haben", betont DZ-Bank-Volkswirt Michael Holstein. Dies würde zeigen, dass die Verunsicherung nicht lange angehalten habe, sagt Commerzbank-Ökonom Christoph Balz.

HEIZEN DIE FED-PROTOKOLLE ZINSPHANTASIEN WIEDER AN?

Ebenfalls am DIENSTAG stehen aus den USA Juli-Daten zur Industrieproduktion, zu den Baubeginnen sowie den Verbraucherpreisen an. DZ-Bank-Ökonom Christoph Swonke erwartet, dass die Daten positiv ausfallen. "Insgesamt befindet sich die US-Konjunktur in einer soliden Verfassung."

Mit Argusaugen werden Anleger am MITTWOCH auf die Protokolle der letzten Zinssitzung der US-Notenbank von Ende Juli schauen. "Diese dürften auf Indizien dafür untersucht werden, wann mit einem ersten Zinsschritt der US-Notenbank zu rechnen ist", erklärt HSBC-Chefvolkswirt Stefan Schilbe. Jedoch seien die Hürden für eine Zinserhöhung in diesem Jahr nach wie vor hoch, betont Commerzbank-Expertin Antje Praefke. "Die US-Daten müssten schon deutlich positiv überraschen, um an dieser Sichtweise etwas zu ändern."

In Japan werden bereits am MONTAG Daten zum Bruttoinlandsprodukt bekanntgegeben. Experten rechnen mit einem Rückgang im Vergleich zum Vorquartal. "Das Wachstum dürfte im Land der aufgehenden Sonne weiterhin lahmen, da der starke Wechselkurs das Exportwachstum und die Produktion im Inland dämpft", sagt Investmentstratege Charles Ma von Allianz Global Investors.

FLUT DER QUARTALSBILANZEN LÄSST NACH

Die Bilanzwelle, die Anleger in den vergangenen Wochen in Atmen gehalten hat, ebbt dagegen ab. Nur noch wenige deutsche Firmen aus der zweiten und dritten Reihe legen ihre Zahlen vor. Darunter sind Deutsche Euroshop (MONTAG), Hamburger Hafen und Indus Holding (beide am DIENSTAG), sowie Ado Properties (MITTWOCH) und Zooplus (DONNERSTAG). Am DONNERSTAG lässt sich auch der weltgrößte Lebensmittelkonzern Nestle in die Bücher blicken.

Flügel dürfte den Aktienmärkten weiter vor allem die ultralockere Geldpolitik von Notenbanken auf der ganzen Welt verleihen. "Die niedrigen Zinsen sind Fakt", sagt M.M.-Warburg-Okönom Carsten Klude. Weil viele Investoren auf der Suche nach Anlagemöglichkeiten von Anleihen Abstand nähmen, könnten sich Aktien weiter verteuern. "Speziell beim Dax, der noch günstig bewertet ist, besteht daher noch Luft nach oben."

(Reuters)