Den Rückschlag beim Gold als Kaufgelegenheit nutzen?

Der jüngste Rücksetzer des Goldpreises könnte als Einstiegspunkt genutzt werden. Doch die Experten-Meinungen über die Zukunft des Edelmetalls gehen auseinander.
11.10.2016 08:32
Von Lorenz Burkhalter
Anders als andere Banken, sieht die Privatbank Julius Bär den Unzenpreis auf 1200 Dollar fallen.
Anders als andere Banken, sieht die Privatbank Julius Bär den Unzenpreis auf 1200 Dollar fallen.
Bild: Pixabay

In der ersten Hälfte dieses Jahres liess sich mit Gold so richtig viel Geld verdienen. Alleine von Anfang Januar bis Ende Juni schoss der Unzenpreis um knapp 24 Prozent auf 1335 Dollar nach oben. Seither spürt das Edelmetall allerdings wieder die Erdanziehungskraft. Alleine in den vergangenen fünf Handelstagen hat die Unze Gold gut 4 Prozent verloren.

Eine Kaufgelegenheit sehen die Rohstoffstrategen von Julius Bär darin jedoch nicht. Sie machen zwei entscheidende Faktoren für den in der ersten Jahreshälfte beobachteten Preisanstieg verantwortlich: Die Wachstumsängste der Monate Januar und Februar sowie die Unsicherheiten rund um das EU-Referendum Grossbritanniens vom Juni.

Noch hilft die zögernde amerikanische Notenbank

Diese beiden Faktoren gehörten nun aber der Vergangenheit an, so lassen die für die Zürcher Bank tätigen Experten durchblicken. Ihres Erachtens verlagert sich das Hauptaugenmerk damit auf die amerikanische Geldpolitik sowie auf den dortigen Präsidentschaftswahlkampf.

Entwicklung des Unzenpreises für Gold während der letzten 30 Tage, Quelle: www.cash.ch

Die Rohstoffstrategen lassen keinen Zweifel daran, dass der Goldpreis heute wohl noch tiefer stünde, würde die amerikanische Notenbank nicht mit der nächsten Leitzinserhöhung zögern. Ein Zinsschritt - aktuell lässt sich von den Geldmarktzinsen eine Wahrscheinlichkeit von rund 60 Prozent für einen solchen anlässlich des Dezember-Treffens ableiten - hätte gleich in doppelter Hinsicht Folgen für das Edelmetall.

Zum einen besteht schon seit Jahren eine Wechselwirkung zwischen dem Dollar und dem Goldpreis. Erstarkt der Greenback, fällt das Edelmetall - und vice versa. Diese Wechselwirkung zum Dollar lässt sich damit erklären, dass das Gold von gewissen Anlegern zur Kaufkrafterhaltung gekauft wird. Zum anderen wirft physisches oder verbrieftes Gold keine Zinsen ab. Im aktuellen Tiefzinsumfeld verpassen Anleger deshalb nicht viel, wenn sie auf das Edelmetall setzen. Steigen in den Vereinigten Staaten nun aber die Zinsen, steigen die sogenannten Opportunitätskosten.

UBS und Credit Suisse bleiben längerfristig zuversichtlich

Die Experten von Julius Bär rechnen mit einer für Goldanlagen unvorteilhafteren amerikanischen Geldpolitik und sehen den Unzenpreis über die kommenden 12 Monate auf 1200 Dollar tauchen.

Mit dieser Prognose hebt sich die Zürcher Bank grundlegend von jener von UBS und Credit Suisse ab. Beide Schweizer Grossbanken erwarten auf kurze Sicht zwar einen rückläufigen Goldpreis, bleiben längerfristig allerdings zuversichtlich. Die Credit Suisse sieht den Goldpreis im Laufe des ersten Quartals 2017 sogar auf 1500 Dollar je Unze klettern.