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Der Aktien-Korb für die nächsten Monate

Christoph Schenk, Anlagechef der Zürcher Kantonalbank, äussert sich im cash-Börsen-Talk zum Verlauf der Börsen bis zum Jahresende und zum Aktien-Mix, den Anleger dabei zusammenstellen sollten.
11.04.2014 01:00
Von Daniel Hügli
Christoph Schenk, Anlagechef der Zürcher Kantonalbank, im Börsen-Talk.
Bild: cash

Die Börsen werden ihren Normalisierungskurs in den nächsten Monaten fortsetzen. Diese Meinung vertritt Christoph Schenk, Anlagechef der Zürcher Kantonalbank, im cash-Börsen-Talk. Normalisierung heisst: Weg von einer Börse, die durch billiges Geld der Zentralbanken angetrieben wird, und hinein in die Phase, in welcher sich die Märkte auf Zinserhöhungen vorbereiten und ohne Geldspritzen der Notenbanken auskommen müssen.

Für den Ökonomen und Finanzanalysten Schenk ist die Kurskorrektur bei den Technologiewerten Ausdruck der Verunsicherung über die Zinsentwicklung. Investoren haben Ende Februar und Anfang März begonnen, sich aus sogenannten Momentum-Aktien zurückzuziehen und ihr Geld bevorzugt in Titel zu stecken, bei denen die Bewertungen nicht so hochtrabend und die Gewinne und Dividenden garantiert sind. Schenk glaubt indes nicht, dass die Schwäche der Technologie- und Biotechnologieaktien "wie ein Virus auf den Gesamtmarkt übergreift." Die volkswirtschaftlichen Fundamentaldaten stimmten vielerorts, der Wirtschaftsmotor laufe.

Schenk, der Anfang Januar die Nachfolge von Marco Curti als ZKB-Anlagechef (Chief Investment Officer) angetreten war, geht von weiter steigenden Börsen aus, die Schwankungen bleiben aber. "Wir werden vielleicht auch mal eine deutliche Korrektur sehen. Man muss sich bewusst sein, dass Aktien immer 15 Prozent fallen können." Vor diesem Hintergrund geht Schenk von einem Stand des Swiss Market Index von 8650 Punkten per Ende 2014 aus (Stand heute: 8440). Dies entspräche noch einem Anstieg von zwei bis drei Prozent bis Jahresende und einer Jahresrendite von etwa 5 Prozent.

ABB muss ins Körbchen

Wegen der Schwankungsanfälligkeit der Märkte ist es für Schenk wichtig, dass ein mittelfristig-orientierter Aktien-Korb defensive Werte beinhalten muss. Solche werden bei einer Aktienkorrektur normalerweise nicht derart in die Tiefe gerissen. Schenk, der zuvor Anlagechef des UBS Wealth Management und Leiter der Pensionkasse der Grossbank war, empfiehlt deshalb Pharma-Aktien wie Novartis oder Roche.

Um aber den Aufschwung in Europa nicht zu verpassen, sollten Anleger dem Portfolio auch riskantere Titel beimischen. "Das Klima in Europa hellt sich auf. Die Schweiz ist eine Exportnation, ein sehr hoher Anteil der Erträge kommt aus Deutschland und Europa. Davon werden Industriewerte profitieren", sagt Schenk im Börsen-Talk. "ABB ist dafür eine valable Wahl bei den Standardwerten."

Vor der Korrektur der Technologiewerte hatte schon ein anderer Markt negativ auf die US-Zinsängste reagiert: Die Emerging Markets (EM). Laut Schenk bieten die Schwellenländer bessere Möglichkeiten als Technologiewerte, zu tieferen Preisen einzusteigen. Seine EM-Favoriten sind dabei China und Brasilien.

Im cash-Börsen-Talk sagt Christoph Schenk zudem, welcher Anlagetyp er ist, ob die Buy-and-Hold-Strategie bei Aktien ausgedient hat und ob man als Investor Unternehmens- oder Staatsanleihen kaufen soll.