Hügli meint

Der Druck auf ABB steigt nun nochmals an

ABB hält trotz grossem Druck von Investorenseite an seiner Stromsparte fest. Das ist ein richtiger Entscheid. Dennoch wird bei ABB alles andere als Ruhe einkehren.
04.10.2016 07:41
Von Daniel Hügli, Chefredaktor cash
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
Bild: Geri Born

Die Führung von ABB hat entschieden, dass das Stromnetzgeschäft des Energie- und Automationskonzerns nicht abgespaltet oder verkauft wird. Sie hat damit richtig gehandelt. Die Stromsparte zeigte zuletzt markante Margenverbesserungen, was am Dienstag auch mit der Erhöhung des Margenzielbandes unterstrichen wurde. Ein Abspaltung der Sparte Power Grids wäre zu voreilig gewesen.

Verliererin ist – vorerst - die schwedische Beteiligungsgesellschaft Cevian. Sie, die sich bei nach ihrer Ansicht nach unterbewerteten Unternehmen einkauft und diese auf Vordermann trimmen will, stieg im letzten Jahr bei ABB ein und ist heute zweitgrösste Aktionärin.

Zurecht hofften viele ABB-Aktionäre, dass mit Cevian endlich Druck auf Verwaltungsrat und Management des schweizerisch-schwedischen Konzerns ausgeübt werde. Denn die Aktienkursentwicklung von ABB ist ein einziges Jammertal. Die Aktie klebt seit Herbst 2009 an der Marke von 20 Franken, mit Ausreissern eher nach unten als nach oben.

Doch Cevian stellte sich in den letzten Monaten zunehmend ins Abseits. Die Gesellschaft, welche stets die Langfristigkeit ihrer Firmen-Engagements bei Firmen betont, benahm sich in den letzten Monaten wie ein aktivistischer Hedge-Fund, dem es nur um kurzfristige Rendite geht. Denn anders als etwa beim Basler Logistikunternehmen Panalpina, wo Cevian im Verwaltungsrat sitzt, liessen die Schweden in letzter Zeit keine Gelegenheit aus, um über Medien Druck auf ABB auszuüben.

Das deutet von aussen gesehen auf gestörtes Verhältnis zwischen Cevian und der ABB-Führung hin, was kein Versprechen für eine gedeihliche Zusammenarbeit sein könnte. Denn wie sagte ABB-Verwaltungsratspräsident Peter Voser noch im April in der NZZ etwas hochmütig? "Verwaltungsrat und Management lassen sich nicht von einzelnen Aktionären unter Druck setzen, wir machen uns den Druck selber." 

Der unter Auftragsschwund leidende und unter Margendruck stehende Konzern muss sich weiter wichtigen strategischen Fragen stellen: Ist das Geschäftsmodell mit vier Divisionen das geeignete für die nächsten Jahre? Gibt es ausreichend Synergien? Wie kann die Komplexität in diesem weit verzweigten Unternehmen weiter verringert werden? Und bis zu welchem Grad können die Kosten reduziert werden, ohne dass das operative Geschäft und das Erreichen strategischer Ziele darunter leidet?

Für ABB wird sich der Investorendruck zweifellos nochmals erhöhen. Denn Cevian wird nicht locker lassen und womöglich andere unzufriedene ABB-Aktionäre hinter sich scharen. CEO Ulrich Spiesshofer und Voser müssen beweisen, dass Entscheide wie die Beibehaltung der Stromnetzdivision Früchte tragen, sprich: Den Aktienkurs steigen lassen. Denn die alte M&A-Weisheit gilt noch immer: Ein hoher Aktienkurs ist der beste Schutz gegen eine Übernahme.