Der ETF-Anbieter, der einen Ölpreis von 20 Dollar erwartet

Source, ein von Goldman Sachs, J.P. Morgan und weiteren Investmentbanken geführter Fondsanbieter, sieht den Ölpreis auf neue Mehrjahrestiefststände fallen.
21.06.2016 09:50
Von Lorenz Burkhalter
Die USA horten seit Monaten im grossen Stil Öl.
Die USA horten seit Monaten im grossen Stil Öl.
Bild: Bloomberg

Gut zehn Tage ist es her, dass der Preis für ein Fass Rohöl der Sorte Brent Crude bei 50,58 Dollar den höchsten Stand seit Oktober letzten Jahres erreichte. Obschon er seither vorübergehend in die Region von 45 Dollar zurückgefallen ist, errechnet sich vom Jahrestiefst von Mitte Januar aus noch immer ein stolzes Plus von 86 Prozent.

Davon zeigt man sich bei Source, einem aufstrebenden Anbieter börsengehandelter Fonds (ETF), jedoch nicht sonderlich beeindruckt. Das Gemeinschaftsunternehmen der fünf mächtigen Investmentbanken Goldman Sachs, J.P. Morgan, Morgan Stanley, Bank of America und Nomura bekräftigt: "Ja, wir erwarten einen Ölpreis von 20 Dollar".

Überkapazitäten in der Produktion

In der aktuellen Ausgabe eines wöchentlich erscheinenden Investorenschreibens räumt Source zwar ein, dass diese Prognose im Frühjahr bei einem Fasspreis von 30 Dollar einfacher zu vertreten gewesen sei. Ein Blick in die Vergangenheit zeige allerdings, dass das "schwarze Gold" meist erst unter 20 Dollar Boden gefunden habe, so die Autoren des Schreibens.

Und weiter: Der Ölpreis habe sich in den letzten 150 Jahren in 80 Prozent aller Fälle zwischen 20 und 50 Dollar bewegt. Die Strategen erwartet auch deshalb eine Bewegung ans untere Ende dieser langjährigen Preisspanne.

Die Experten des Anbieters strukturierter Produkte wissen von einem exzessiven Aufbau von Ölbeständen zu berichten und machen diesen für die seit Mitte Januar beobachtete Erholungsbewegung verantwortlich. Was die Produktion von Rohöl anbetrifft, so machen sie noch immer massive Überkapazitäten aus. Diese könnten sogar noch zunehmen, sollten Förderländer wie Iran, Irak und Libyen ihre Produktion weiter hochfahren.

Die Strategen vergleichen die Ausgangslage bei den strategischen Ölreserven der USA mit der von 1983. Damals sei der Fasspreis innerhalb von drei Jahren von 30 auf den damaligen Gleichgewichtspreis von 10 Dollar gefallen, so schreiben sie. Den Gleichgewichtspreis zwischen Angebot und Nachfrage setzen die Experten derzeit bei 20 Dollar an.

Damit ist Source sehr viel negativer für die zukünftige Ölpreisentwicklung als die fünf am Fondsanbieter beteiligten Investmentbanken. Erst vor wenigen Wochen ging ein Aufschrei durch die Finanzmärkte, als sich Goldman Sachs gezwungen sah, die zuvor düsteren Prognosen deutlich nach oben zu revidieren. Zuvor hatten nämlich auch die Amerikaner beim Ölpreis über mehrere Monate hinweg mit einem Rückschlag auf 20 Dollar gerechnet.