«Der Euro wird ganz sicher nicht schwächer»

Schon kommenden Monat dürften auf Worte der Europäischen Zentralbank auch Taten folgen. Dass der Euro dadurch schwächer wird, bezeichnen die Strategen von UniCredit dennoch als Wunschdenken.
23.05.2014 08:33
Von Lorenz Burkhalter
Die Strategen von UniCredit glauben nicht, dass die EZB den Euro auf Dauer schwächen kann.

Konjunkturelle Frühindikatoren sprechen eine unmissverständliche Sprache: Der starke Euro wird immer mehr zur Bürde für die wirtschaftliche Belebung in Europa.

Der Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB) steigt. Denn zu mehr als verbalen Interventionen gegen die feste Heimwährung konnten sich ihre Vertreter bisher doch nur zu verbalen Interventionen durchringen. Nun sind Taten gefragt.

Geht es nach den Währungsstrategen von UniCredit, dann wird der Traum eines schwächeren Euros allerdings schon bald wie eine Seifenblase platzen. Ihre unmissverständliche Botschaft: "Die Einheitswährung wird ganz sicher nicht schwächer." Alleine schon aufgrund der von EZB-Präsident Mario Draghi gemachten Aussagen hätten die Märkte eine Leitzinsreduktion einzupreisen begonnen.

Aufwärtsdruck beim Euro bleibt bestehen

Die Strategen sind überzeugt, dass der Euro nach seinem Rückschlag gegen den Dollar auf 1,3650 den Boden erreicht hat. Daran könne höchstens ein gewaltiges Anleihenrückkaufprogramm durch die EZB etwas ändern. Ein solches halten die Experten jedoch für höchst unwahrscheinlich.

Der Aufwärtsdruck beim Euro bleibe deshalb bestehen, weil sein über die letzten eineinhalb Jahre beobachteter Anstieg doch vor allem mit dem wiedergewonnenen Vertrauen der Märkte in Europa zu erklären sei. Der Kapitalstrom nach Europa werde weiterhin anhalten.

Darüber hinaus machen die Strategen strukturelle Verschiebungen bei der Aussenbilanz aus. Nie seit der Einführung der Einheitswährung sei der Leistungsbilanzüberschuss höher als heute gewesen. Selbst Länder wie Spanien, Italien, Portugal oder Griechenland würden mittlerweile Überschüsse produzieren, was beim Euro für fundamentalen Aufwärtsdruck sorge.

Dasselbe gilt den Experten zufolge für die schleichende Normalisierung in den europäischen Peripherieländern. Denn die Risikoprämie dieser Staaten habe sich in der Vergangenheit immer wieder als einer der Schlüsselfaktoren hinter der Entwicklung des Euros erwiesen. Obschon diese Korrelation im Gleichschritt mit den schwindenden Zinsdifferenzen nachgelassen habe, werde sie sich positiv auf die Einheitswährung auswirken. Bei UniCredit geht man deshalb von einer mittelfristig nach oben gerichteten Entwicklung des Euros aus.