Der Fluch von Sulzers hohen Barbeständen

Das Aus für die Dresser-Rand-Übernahmepläne wirft Sulzer zurück auf Feld Eins. Dem Traditionskonzern bleiben aber immer noch Möglichkeiten, die üppigen Barmittel einzusetzen.
22.09.2014 14:10
Von Marc Forster
Sulzer dürfte sich vor allem für Unternehmen im Öl- und Gasgeschäft interessieren.
Sulzer dürfte sich vor allem für Unternehmen im Öl- und Gasgeschäft interessieren.
Bild: Bloomberg

Analyst Armin Rechberger von der Züricher Kantonalbank schätzt, dass der Winterthurer Traditionskonzern Ende Jahr auf 800 Millionen Franken Nettoliquidität sitzen wird. Mit Fremdkapital würde Sulzer über eine Kriegskasse von umgerechnet rund 3 Milliaden Dollar verfügen, so der Industrieexperte.

Das ist aber immer noch weniger als die Hälfte dessen, was Siemens nun für Dresser-Rand bietet. "Dass Sulzer mit Dresser-Rand zusammengehen wollte, war für mich wegen der Grösse des amerikanischen Konzerns eher überraschend", sagt Rechberger. Den Winterthurern bleibt eher der Weg der kleineren Übernahmen.

Interessant dürften für Sulzer Hersteller von rotierenden Kompressoren sein: Davon gibt es zahlreiche in den USA, weniger in den Schwellenländern. Die traditionsreiche Elliott Group in Pennsylvania könnte von ihrer japanischen Konzernmutter Ebara zum Verkauf gestellt werden und würde mit ihrem Kompressorengeschäft zu Sulzer passen.

Daneben bestehen weitere Möglichkeiten, auch Familienunternehmen, wie ZKB-Analyst Rechberger sagt. Nicht interessant sei für Sulzer das Geschäft mit Kreuzkolbenkompressoren: Dieses ist die Stärke der ebenfalls in Winterthur beheimateten Burckhardt Compression.

Vekselberg ist unzufrieden

Bekannt ist, dass Grossaktionär Viktor Vekselberg, der Sulzer mit einer 33,2-Prozent-Beteilung dominiert, mit dem Zustand der Industriegruppe alles andere als zufrieden ist. Die Umstrukturierung des Konzerns nach dem Verkauf der Beschichtungssparte Metco in den drei Einheiten Pumpen, Rotating Equipment Services und Chemtech verläuft harzig. Auch die letzten grösseren Zukäufe, der britische Wartungsdienstleister Dowding & Mills und der schwedische Pumpenhersteller Cardo Flow, haben intern Probleme verursacht.

Der hohe Barbestand ist für Sulzer Segen und Fluch gleichermassen. Mit so viel Mitteln auf der hohen Kante kann Sulzer selbst zum Übernahmeziel werden. Möglich ist, dass das 180 Jahre alte Unternehmen deswegen da und dort auf die Radarschirme kommt.

Die Nettoliquidität, die wegen der tiefen Zinsen kaum etwas einträgt, könnte Sulzer auch durch eine Weitergabe der Mittel an die Aktionäre abbauen. Höhere Dividenden oder Sonderausschüttungen sind laut dem Management aber eher nicht geplant. Die Sulzer-Führung setzt nach eigenen Angaben auf den Ausbau des Geschäfts.