Der Gold-Rallye geht die Kraft aus

ABN Amro, eine der führenden Banken im Edelmetallhandel, sieht den Goldpreis auf Monate hinaus seitwärts tendieren. Auch die Schweizer Grossbanken geben sich auf kurze Sicht überraschend zurückhaltend.
07.09.2016 08:32
Von Lorenz Burkhalter
Das Gold kann sich im bisherigen dritten Quartal nicht so recht in Szene setzen.
Das Gold kann sich im bisherigen dritten Quartal nicht so recht in Szene setzen.
Bild: Bloomberg

Nach dem schwachen Einkaufsmanager-Index für August und dem ebenfalls durchwachsenen Arbeitsmarktbericht vom letzten Freitag scheint eine Leitzinserhöhung durch die amerikanische Notenbank im September endgültig vom Tisch. Das erklärt auch, weshalb die Unze Gold schon seit Tagen wieder etwas Auftrieb hat. Aktuell steht ihr Preis bei 1340 Dollar und damit um 2,5 Prozent über dem Stand von Ende August.

Nachdem der Goldpreis in den ersten sechs Monaten dieses Jahres um fast 25 Prozent in die Höhe schoss, wartet er im bisherigen dritten Quartal gerade mal mit einem Plus von 1,6 Prozent auf. Die Strategin von ABN Amro, einer der führenden Banken im Edelmetallhandel, zeigt sich enttäuscht von dieser Entwicklung. Sie habe sich in den letzten Wochen aus den verschiedensten Gründen eine Fortsetzung der Gold-Rallye erhofft. Doch dieses habe zuletzt überraschend an Kraft verloren, so schreibt sie sichtlich ernüchtert.

Zinsschritt voraussichtlich im Dezember

Die Expertin begründet dies einerseits mit der schwindenden Angst vor den Folgen des Austritts Grossbritanniens aus der Europäischen Union und andererseits mit der Stimmungsaufhellung an den Aktienmärkten.

Mit der Gold-Unze liess sich in den letzten Wochen nicht viel verdienen, Quelle: www.cash.ch

Auch ihres Erachtens ist eine Leitzinserhöhung in den Vereinigten Staaten für September vom Tisch. Sie macht allerdings kein Geheimnis daraus, dass die Ökonomen bei ABN Amro anlässlich des geldpolitischen Treffens vom Dezember mit einem Zinsschritt seitens der amerikanischen Notenbank rechnen. Diese Einschätzung wird auch von anderen Banken geteilt. Einen solchen Schritt hält die Strategin beim Gold ebensowenig eingepreist wie mögliche weitere Leitzinserhöhungen im Laufe des nächsten Jahres.

Auch UBS und Credit Suisse mahnen zur Zurückhaltung

Sie sieht zwar nur ein geringes Risiko für einen Rückschlag beim Gold, erwartet aber zumindest eine mehrmonatige Seitwärtsbewegung innerhalb der Bandbreite von 1300 bis 1350 Dollar je Unze. Für Ende September 2017 prognostiziert man bei ABN Amro einen Unzenpreis von 1400 Dollar, für Ende nächsten Jahres sogar einen von 1450 Dollar. Mit anderen Worten: Die Bäume wachsen an den Edelmetallmärkten wohl nicht in den Himmel.

Etwas optimistischer sind da die Strategen der Credit Suisse. Sie sehen den Goldpreis schon im Laufe des ersten Quartals 2017 auf 1500 Dollar je Unze klettern. Doch auch sie raten aus taktischen Gründen kurzfristig zur Vorsicht. Ihre für die UBS Investmentbank tätigen Berufskollegen halten beim Edelmetall sogar einen Rücksetzer für möglich, sollte die amerikanische Notenbank die Leitzinsen in den kommenden Monaten erhöhen. Dabei verweisen die UBS-Experten unter anderem auf die spekulativen Goldpositionen an der Terminbörse Comex und darauf, dass sich diese gerademal 15 Prozent unter dem Rekordhoch befinden.

In Anbetracht saisonaler Gegebenheiten zeigen sich Beobachter überrascht über die schon seit Wochen enttäuschende Goldpreisentwicklung. In diesem Zusammenhang wird auf die ab August für gewöhnlich starke Goldnachfrage aus Indien verwiesen, welche sich meist mit steigenden Preisen für das Edelmetall bemerkbar macht. In den Monaten September bis November wird auf dem Subkontinent nämlich geheiratet, wobei die Brautleute traditionell mit üppigen Goldgeschenken bedacht werden.