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«Der Januar wird besser»

Viele Aktien zeigen bereits «ambitiöse Bewertungen», sagt Thomas Steinemann, Anlagechef der Bellerive Bank, im cash-Börsen-Talk. Er kennt Titel, die noch günstig sind - und er erklärt den Januar-Effekt.
13.12.2013 01:00
Von Frédéric Papp
Thomas Steinemann, Anlagechef der Bellerive Bank, im Börsen-Talk.
Bild: cash

Die erhoffte Jahresendrally ist wohl definitiv passé – zumindest für das laufende Börsenjahr. Der Leitindex der Schweizer Börse tauchte in den letzten vier Wochen über 5 Prozent. Die Jahresperformance liegt nun noch bei 15 Prozent.

Doch das Blatt könnte sich bald wieder wenden. "Der Januar könnte deutlich besser werden als der laufende Monat", sagt Thomas Steinemann, Anlagechef bei der Bellerive Bank, im cash-Börsen-Talk.

Die Rede ist vom sogenannten Januar-Effekt. Im ersten Monat des Jahres performen Aktien in der Regel besser als im restlichen Jahr. Dafür gibt es laut Steinemann primär zwei Gründe: Mit einem neuen Bilanzjahr stünden institutionelle Anlegern jeweils neue Risikobudgets zur Verfügung, die Anfang Januar in neue Portfoliostrukturen implementiert werden. 

Als zweites nennt Steinemann das "Window Dressing": Darunter versteht man die optische Verschönerung des Portfolios jeweils zum Jahresende durch den Verkauf der "Underperformer", unpopulärer Small Caps und langweiliger Value-Titel. Im Januar werden diese Massnahmen wieder rückgängig gemacht, was zu Kurssteigerungen führt.

Auf Value-Stocks setzen

Auf welche Titel sollen Anleger denn setzen? Laut Steinemann ist dies mittlerweile ein schwieriges Unterfangen: "Man muss mit der Lupe suchen, um noch günstig bewertete Titel zu finden, die zugleich noch ein interessantes Wachstumspotenzial zeigen." Im Fachjargon werden solche Titel "Value-Stocks" genannt.

Und diese "Value-Stocks" hätten, so Steinemann, im Gegensatz zu mittlerweile teuer gewordenen "Schlachtrössern" wie Nestlé Aufholpotenzial. Laut Steinemann steht den Anlegern ein Paradigmawechsel bevor. "Man wird verstärkt auf Small- und Mid-Cap-Titel umschichten." 

Unter diese Kategorie fallen nach dem Anlagechef die Titel des Technologiekonzerns Ascom, der Kiosbetreiberin Valora und des Baustoffzulieferers Forbo. Bei diesem Dreigespann sei relativ wenig Wachstum im Aktienkurs eingepreist, so Steinemann. Bei den Blue Chips empfiehlt er Titel aus der Versicherungsbranche wie Swiss Re oder Zurich Insurance Group.

Ein total vergessener Titel

Steinemann bringt noch einen weiteren Titel ins Spiel: Den US-amerikanischen Soft- und Hardware-Hersteller Microsoft. Diese Aktie ist bei Anlegern "völlig in Vergessenheit geraten". Laut seinen Berechnungen ist bei Microsoft praktisch kein Gewinnwachstum im Kurs eingepreist. Derzeit notiert die Aktie bei rund 37 Dollar.

Obwohl Steinemann ein gutes Anlagejahr 2014 erwartet, dürfen Anleger nicht allzu sorglos agieren. Der Anlageprofi betont die Risiken der anhaltenden Nullzinspolitik der Notenbanken weltweit. So würden Unternehmen weiterhin existieren, die unter einem unmanipulierten Zinsregime eigentlich pleite sein müssten. "Der natürliche Bereinigungsprozess greift nicht mehr." 

Hinzu kommt: In einem anhaltenden Nullzinsumfeld werden auch die Bewertungen laufend angeheizt. "In etwa drei Jahren werden wir Markt-Bewertungen in luftigen Höhen sehen", warnt Steinemann.
 

Im cash-Börsen-Talk sagt Steinemann, weshalb die Börsen im 2014 deutlich volatiler agieren werden. Weiter äussert er sich zum Zeitpunkt des Taperings und zu dessen Folgen.