Der Mega-Deal steht: Bayer kauft Monsanto

Die grösste Firmenübernahme durch einen deutschen Konzern ist perfekt: Bayer kauft das umstrittene US-Saatgutunternehmen Monsanto.
14.09.2016 15:30
«Bestmögliche Wertschaffung»: Monsanto-CEO Hugh Grant hat bis zuletzt um einen höheren Preis für den Agrochemiekonzern gepokert.
«Bestmögliche Wertschaffung»: Monsanto-CEO Hugh Grant hat bis zuletzt um einen höheren Preis für den Agrochemiekonzern gepokert.
Bild: Bloomberg

Die beiden Konzerne unterzeichneten am Mittwoch eine bindende Fusionsvereinbarung, wie sie in einer gemeinsamen Erklärung mitteilten. Zuvor hatte der Leverkusener Konzern sein Angebot noch einmal leicht auf rund 128 Dollar je Monsanto-Aktie erhöht. Damit bewertet Bayer das US-Unternehmen mit rund 66 Milliarden Dollar, wie die Leverkusener mitteilten. Noch nie zuvor hat ein deutsches Unternehmen eine so grosse Übernahme gewagt. Die Monsanto-Aktionäre müssen dem Zusammenschluss noch zustimmen.

Der Schritt sei von den Führungsgremien beider Konzerne einstimmig beschlossen worden, berichtete Bayer. Konzernchef Werner Baumann betonte, der Zusammenschluss festige die Stellung von Bayer als globales, innovationsgetriebenes Unternehmen im Gesundheits- und Pflanzenschutzbereich.

Monsanto-Chef: «Bestmögliche Wertschaffung»

Monsanto-Chef Hugh Grant sagte, dass der Schritt für die Aktionäre des US-Konzerns die "bestmögliche Wertschaffung" bedeute. Das Angebot bedeutet einen Aufschlag von 44 Prozent auf den Kurs der Monsanto-Aktie vor dem ersten schriftlichen Angebot von Bayer. Zusammen werde das neue Unternehmen ein "Innovationstreiber" sein, der den Landwirten helfe, die Hürden von morgen zu überwinden, sagte Grant.

Zusammen erzielen die beiden Unternehmen im Agrargeschäft einen Umsatz von 23 Milliarden Euro im Jahr. Bayer erwartet durch die Fusion Synergieeffekte in Milliardenhöhe. Finanziert werden soll der Kauf teilweise durch eine Kapitalerhöhung.

Bayer-Aktien gefragt

Am Finanzmarkt war die Reaktion positiv. Bayer-Aktien legten am frühen Nachmittag um mehr als 3 Prozent zu. Börsianer hatten befürchtet, dass Bayer sich finanziell überheben könnte mit einem Angebot von 130 Dollar oder mehr. Entsprechende Erleichterung herrschte nun. Auch Monsanto-Aktien waren vorbörslich gefragt.

Doch nicht bei allen Analysten stösst die Mega-Übernahme auf Wohlwollen: "Grundsätzlich sehen wir den Übernahmepreis für Monsanto als zu hoch an und lehnen die Transaktion daher ab", erklärte etwa DZ-Bank-Analyst Peter Spengler. Bayer müsse nun das Beste aus der Situation machen. Auch UBS-Experte Jack Scannell zeigte sich kritisch: Es dürfte schwer werden, die anvisierten positiven Effekt zu realisieren. Kurzfristig sei gar eine leichte Gewinnverwässerung möglich.

Abschluss bis Ende 2017 erwartet

Der Zusammenschluss steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Monsanto-Aktionäre und der Freigabe durch die Regulierungsbehörden. Mit dem Abschluss der Transaktion rechnen die Konzerne bis Ende 2017. Für den Fall, dass die notwendigen Kartellfreigaben doch nicht erteilt werden sollten, hat sich Bayer zur Zahlung von zwei Milliarden Dollar an Monsanto verpflichtet.

Bayer hatte im Mai angekündigt, den umstrittenen Biotechnologie-Riesen übernehmen zu wollen. Zunächst bot der Leverkusener Konzern 62 Milliarden Dollar für den US-Konzern. Die Übernahme wird Bayer zur weltweiten Nummer eins im Geschäft mit Agrarchemie machen.

Übernahme Umstritten

Die Übernahmepläne von Bayer-Chef Baumann sind allerdings umstritten. Monsanto steht in Europa seit Jahren wegen seiner gentechnisch veränderten Produkte in der Kritik. Ausserdem vertreibt Monsanto den Unkrautvernichter Glyphosat, der im Verdacht steht, krebserregend zu sein.

Umweltverbände und die Grünen äusserten scharfe Kritik an der Übernahme: "Diesen Deal darf es nicht geben. So entsteht ein übermächtiger Konzern, der den Welthunger nicht bekämpft, sondern verstärkt", kritisierten die Grünen-Politiker Anton Hofreiter und Katharina Dröge. Der Greenpeace-Landwirtschaftsexperte Dirk Zimmermann sprach von einer schlechten Nachricht für nachhaltige Landwirte, Konsumenten und die Umwelt. "Der neue Agrochemiegigant häuft eine bislang ungekannte Marktmacht an. Er wird massgeblich mitbestimmen, welches Saatgut und welche Pestizide auf den Markt kommen."

Umwälzungen im globalen Geschäft

Der Bayer-Chef dagegen betont die Vorteile eines Zusammenschlusses. Die Agarindustrie stehe angesichts der schnell wachsenden Weltbevölkerung und der globalen Erwärmung vor gigantischen Herausforderungen. Durch die Kombination ihrer Fähigkeiten könnten Bayer und Monsanto hier wegweisende Antworten geben. Immerhin müssten bis 2,05 Billionen Menschen zusätzlich ernährt werden. Gleichzeitig müsse man die Folgen der Klimaerwärmung auf die Landwirtschaft in den Griff bekommen.

Interessant für Bayer ist der innovative US-Konzern nicht nur wegen seines Know-hows in der Biotechnologie, sondern auch wegen seiner führenden Rolle beim "digital farming" - der Nutzung digitaler Techniken für die Landwirtschaft.

Das globale Geschäft rund um Saatgut und Pflanzenschutzmittel steht vor gewaltigen Umwälzungen. Bayer und Monsanto stehen mit ihrer Fusion nicht allein. So hatten zuletzt die US-Behörden die geplante Milliarden-Übernahme des Schweizer Agrarchemie-Konzerns Syngenta durch das chinesische Staatsunternehmen Chem China genehmigt. Im vorigen Dezember hatten ausserdem Dow Chemical und Dupont verkündet, über einen Zusammenschluss zu verhandeln.

(AWP)