Der Schwung ist raus - Pharmaschwergewichte belasten

Zurück zum Start: Der Schweizer Aktienmarkt hat im Verlauf des Vormittags deutlich an Schwung eingebüsst.
29.09.2016 12:58
Am Hauptsitz von Roche in Basel: Die Aktien geben am Donnerstag nach.
Am Hauptsitz von Roche in Basel: Die Aktien geben am Donnerstag nach.
Bild: cash

Der Leitindex SMI war zunächst mit Aufschlägen auf breiter Front in den Handel gestartet, nachdem sich die Opec-Länder auf eine Förderobergrenze geeinigt hatten. Dies hatte nicht nur die Ölpreise steigen lassen, sondern auch die Risikobereitschaft der Anleger, da mit anziehenden Ölpreisen die Hoffnungen auf eine globale Wachstumsbeschleunigung verbunden sind.

Doch nicht von allen Marktbeobachtern wird der Optimismus geteilt. Die Fördermenge bleibe auch unter dem neuen Regime hoch, ein Marktgleichgewicht werde damit kaum zu erreichen sein, hiess es. Die grosse Unbekannte in der Gleichung ist derzeit noch das Nicht-Opec-Mitglied Russland, ein ebenfalls wichtiger Ölproduzent. Zuversichtlich stimmende Wirtschaftsdaten aus der Eurozone traten in die zweite Reihe. Hierzulande belasten vor allem die beiden Pharmaschwergewichte mit Abgaben.

SMI fast auf Vortagesstand

Der Swiss Market Index (SMI) gewinnt gegen 12 Uhr noch 0,14% auf 8'231,90 Punkte. Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, legt 0,23% auf 1'248,45 und der breite Swiss Performance Index (SPI) 0,15% auf 8'970,92 Punkte zu. Von den 30 wichtigsten Titel stehen 20 im Plus, sieben im Minus und drei unverändert.

Industriewerte wie LafargeHolcim (+1,4%), ABB (+0,5%) sowie die Aktie des rohstoffsensitiven Warenprüfers SGS (+0,7%) werden verstärkt nachgefragt, da sie zu den Profiteuren der Opec-Förderbegrenzung zählen.

Doch auch weitere Zykliker wie Aryzta (+1,3%) und Dufry (+0,8%) legen im Zuge der höheren Risikoneigung der Investoren etwas deutlicher zu. Sonova (+1,3%) erhalten zusätzliche Impulse von einem positiven Analystenkommentar: Das Aktienresearch der Credit Suisse nimmt die Abdeckung mit "Outperform" auf.

Weiterhin von hoher Volatilität ist das Bankensegment geprägt, nachdem zu Wochenbeginn Sorgen um die finanzielle Lage der Deutschen Bank den Sektor europaweit stark belastet hatten. Auf Erholungskurs sind derweil Credit Suisse (+1,6%) eingeschwenkt. Ein Pressebericht, demzufolge sich die Credit Suisse in Vergleichsverhandlungen mit dem US-Justizministerium um umstrittene Hypothekengeschäfte aus der Zeit vor der Finanzkrise von 2008 befindet, scheint die Investoren kaum zu beunruhigen.

UBS (-0,2%) hingegen haben nach einem festeren Start mittlerweile ins Minus gedreht. Konzernchef Sergio Ermotti liess an einer Finanzkonferenz durchblicken, dass Grossbank im dritten Quartal das schwierige Umfeld zu spüren bekommen hat. Die normale Saisonalität, die unsichere Konjunktur und die erhöhten geopolitischen Spannungen hätten zu einer Risikoscheu der Kunden und niedrigen Transaktionsvolumen geführt, sagte er. Julius Bär gehören mit -0,4% ebenfalls zu den Verlierern.

Die Biopharmawerte Actelion legen 0,5% zu, nachdem am Morgen der Startschuss für eine Studie zu einer Kombinationstherapie zur Behandlung von Patienten mit schubförmiger Multipler Sklerose gegeben wurde. Auch die ebenfalls defensiven Nestlé (+0,5%) ziehen Käufer an, während die beiden Pharmaschwergewichte Roche (-0,4%) und Novartis (-0,2%) ins Minus abgerutscht sind. Novartis stehen allerdings mit positiven Phase-III-Studiendaten zum Migränemedikament AMG 334 (Erenumab) unter grösserer Beobachtung. Dass die Daten so positiv ausfielen, habe er nicht erwartet, merkte ein Analyst an.

Meyer Burger legt zu

Am breiten Markt sind Meyer Burger mit Aufschlägen von 2,1% im Blick. Der Solarzulieferer will die Kosten um knapp ein Viertel verringern. Erreicht werden soll dies mit einem Abbau von rund 250 Stellen, der zu einem Drittel in der Schweiz erfolgen soll. Das Unternehmen sieht die Massnahmen als Voraussetzung für eine Rückkehr in die schwarzen Zahlen.

Die Aktien der beiden stark in der Ölindustrie engagierten Unternehmen Sulzer (+3,2%) und Burckhardt Compression (+5,6%) gehören ebenfalls zu den grossen Gewinnern.

Die im Rappen-Bereich gehandelten Gottex fallen auf der Gegenseite um 3,3% zurück. Der Vermögensverwalter hat die für den Berichtstag vorgesehene Publikation seiner Halbjahreszahlen 2016 auf Oktober verschoben.

Auch von Starrag (-4,2%), Dottikon (-1,9%), Gurit (-1,2%) und Hochdorf (-1,4%) trennen sich die Anleger. Allen vier Titeln ist gemeinsam, dass sie seit Jahresbeginn bislang einen sehr starken Lauf hingelegt hatten.

(AWP)