Der Teufel steckt bei Novartis im Detail - Aktie taucht

Der Zahlenkranz von Novartis liegt über den Erwartungen. Unter Ausklammerung von Glivec enttäuscht das dritte Quartal jedoch auf ganzer Linie. Die Aktie gibt ihre vorbörslichen Kursgewinne wieder preis.
25.10.2016 11:15
Von Lorenz Burkhalter
Das Krebsmedikament Glivec rettet Novartis-Chef Joe Jimenez den Tag.
Das Krebsmedikament Glivec rettet Novartis-Chef Joe Jimenez den Tag.
Bild: cash

Novartis übertrifft die Analystenerwartungen im dritten Quartal sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn. Doch wie so oft liegt der Teufel im Detail. Geholfen hat vor allem das von Nachahmerprodukten bedrohte Krebsmedikament Glivec. Rückblickend hielt sich das Präparat besser als befürchtet.

Im Gegenzug lässt die Belebung bei den zukünftigen Schlüsselmedikamenten wie Entresto oder Cosentyx weiterhin auf sich warten. Und auch die auf Augenheilmittel spezialisierte Tochter Alcon und Sandoz tragen weniger stark zum Konzernergebnis bei als ursprünglich gedacht. Das Ganze wird immer mehr zu einem Geduldsspiel für die Aktionäre.

Nachdem die Novartis-Aktie im vorbörslichen Handel noch um 1,1 Prozent höher gestellt wurde, verliert sie an der Schweizer Börse SIX mittlerweile sogar 1,5 Prozent auf 73,50 Franken.

Glivec rettet Novartis das dritte Quartal

In einem Kommentar aus dem Haus Bernstein Research wird der vorliegende Zahlenkranz als "erfreulich" bezeichnet. Der strikten Kostenkontrolle sei es zu verdanken, dass sich der Gewinn im dritten Quartal besser als erwartet entwickelt habe, so schreibt der Autor. Seines Erachtens hat Novartis insbesondere bei den Vertriebskosten Fortschritte erzielt. Er empfiehlt die Aktie deshalb wie bis anhin mit "Outperform" zum Kauf.

Kursentwicklung der Novartis-Aktie im bisherigen Tagesverlauf, Quelle: www.cash.ch

Verhaltener äussert sich die Bank Vontobel. Die Umsatzentwicklung kann ihn nicht vollends überzeugen, wird sich der überraschend starke Absatz mit dem von Nachahmerprodukten bedrohten Krebsmedikament Glivec im Schlussquartal seiner Ansicht nach nicht mehr wiederholen. Novartis setzte mit dem Präparat im dritten Quartal 834 Millionen Dollar um. Experten hatten hingegen nur mit einem Quartalsumsatz von 738 Millionen Dollar gerechnet.

Was die erneute Umsatzschwäche bei der Generika-Tochter Sandoz anbetrifft, werden sich die Firmenvertreter an der Analystenkonferenz womöglich Fragen gefallen lassen müssen, so lässt der Experte weiter durchblicken. Er hält sowohl am "Hold" lautenden Anlageurteil als auch am Kursziel von 85 Franken fest.

Auch Alcon weiss nicht zu überzeugen

Der für Jefferies International tätige Analyst zeigt sich ebenfalls enttäuscht, was die Absatzentwicklung des Schlüsselmedikaments Entresto anbetrifft. Allerdings weist er darauf hin, dass Novartis selber auf das Gesamtjahr betrachtet weiterhin mit einem Umsatzbeitrag von 200 Millionen Dollar rechnet. Er empfiehlt die Aktie vorderhand mit einem Kursziel von 97 Franken zum Kauf.

Eine weitere Schwachstelle spricht der Berufskollege von Kepler Cheuvreux in einem Kommentar an. Er hält den Ergebnisbeitrag der auf Augenheilmittel spezialisierten Tochter Alcon für sehr schwach. Beim Umsatz seien die bankeigenen Schätzungen um 4 Prozent, beim operativen Gewinn sogar um über 20 Prozent verfehlt worden, so rechnet der Experte vor. Dennoch bekräftigt er sowohl seine Kaufempfehlung als auch das 94 Franken lautende Kursziel.