Der Top-Banker, der fast nur bar bezahlt

Ein bekannter Schweizer Banker gibt zu, dass er immer viel Bargeld bei sich hat - um den Einsatz von Kreditkarten zu vermeiden. Auch andere Schweizer Top-Manager tragen viel Cash mit sich herum. Sie auch?
08.07.2013 15:07
Von Pascal Meisser
Einige Top-Manager bevorzugen Bargeld.

Ausgerechnet bei einem der bekanntesten Banker der Schweiz sind Kreditkarten kein Thema. Walter Berchtold verzichtet auf konsequent auf Plastikkarten als Zahlungsmittel. Berchtold im "SonntagsBlick": "Ich mag Kreditkarten nicht." Eine Begründung gibt er dafür nicht ab. Nicht überraschend ist, dass Berchtold immer viel Flüssiges bei sich trägt: "Ich habe derzeit sechs- bis siebenhundert Franken im Sack, was für mich eher wenig ist."

Die Aussage erstaunt, ist doch Berchtolds ehemalige Arbeitgeberin, die Credit Suisse, erheblich im Kreditkartengeschäft tätig. In der Schweiz übernimmt die Bank zum Beispiel die Abwicklung der Coop Supercardplus-Kreditkarten.

Berchtold war seit 2011 Chairman des Vermögensverwaltungsgeschäfts bei der Credit Suisse. Im November letzten Jahres gab er bekannt, dass er die Bank auf Ende Juni 2013 verlassen werde. Bis 2011 war er mehrere Jahre CEO des Private Banking.

Das Flair für Bares hatte Berchtold allerdings auch schon mal in Schwierigkeiten gebracht. Am französischen Zoll sei er einst angehalten und gefragt worden, ob er mehr als 10'000 Euro mit sich führe. Obwohl er verneinte, entdeckte die Zöllnerin 12'000 Euro in Banknoten. "Ich musste zwei Prozent Busse zahlen", so Berchtold.

«Man weiss nie, wo man endet»

Bereits vergangene Woche verriet ein anderer Top-Manager, was er im Portemonnaie mit sich führt: Swiss-Chef Harry Hohmeister. Der Deutsche sagte gegenüber Radio SRF, das ihn einen Tag begleitet hatte, dass er bis zu 500 Euro mit sich führe. "Man weiss ja nie, wo man endet", so Hohmeister. Damit nicht genug: Eine ähnlich hohe Summe führe er auch in Franken mit sich - und meistens habe er auch noch ein paar Dollar bei sich.

Nur Bares ist Wahres: Leben Berchtold und Hohmeister diese Redensart als neuen Trend vor? Zumindest in der Schweizer Bevölkerung ist ein solcher noch nicht mal in Ansätzen spürbar. Derzeit sind landesweit über fünf Millionen Kreditkarten im Umlauf. Rund 190 Millionen Mal wurde diese vergangenes Jahr für Zahlungen eingesetzt. Jeder vierte Einkauf wird mit einer Kreditkarte beglichen - und schon bald werden es deutlich mehr sein. Gemäss Branchenangaben wächst die Zahl der Transaktionen Jahr für Jahr um gegen 7 Prozent.

Auch weltweit boomt das Kreditkartengeschäft. In den ersten drei Monaten dieses Jahres verzeichneten alle grösseren Kartenanbieter einen deutlichen Anstieg der Kreditkartenzahlungen - und damit auch des Gewinns. Über die Mastercard-Systeme flossen im ersten Quartal 947 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Zuwachs von 12 Prozent. Beim Konkurrenten Visa stiegen die Zahlungen um 9 Prozent auf eine Billion Dollar.

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