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«Der Weg zum Gipfel wird steiniger»

Die tiefen Zinsen werden die Aktienmärkte weiter antreiben, sagt Caroline Hilb von der St.Galler Kantonalbank. Sie gibt eine SMI-Prognose ab und sagt, auf welche Börsen-Indikatoren sie sich dabei stützt.
21.02.2014 01:00
Von Frédéric Papp
Caroline Hilb, Leiterin Anlagestrategie der St.Galler Kantonalbank.
Bild: cash

Die  Währungshüter der US-Notenbank Fed denken allmählich über Zinserhöhungen nach. Wie aus dem Protokoll der jüngsten Sitzung des Offenmarktauschusses der Federal Reserve vom Mittwoch hervorging, hat die Diskussion über den richtigen Zeitpunkt für eine erste Zinserhöhung begonnen. Dies hatte die Kurse an den Aktienmärkten belastet.

Doch für Caroline Hilb kommt diese Diskussion zu früh. "Die Leitzinsen werden weiterhin tief bleiben", sagt die Leiterin Anlagestrategie bei der St. Galler Kantonalbank im cash-Börsen-Talk. Noch weniger rechnet Hilb mit einer Leitzinserhöhung in der Eurozone. Dort liegen die Geldmarktsätze derzeit auf rekordtiefen 0,25 Prozent. Und solange die EZB an der Tiefzinspolitik festhalte, werde auch die Schweizerischen Nationalbank (SNB) die Leitzinsen nicht anheben, so die Anlagestrategin. 

Die tiefen Zinsen sollten die Börsen weiter stützen. Hilb ist deshalb grundsätzlich positiv eingestellt für die Aktienmärkte. Doch so reibungslos wie in der Vergangenheit dürften die Börsen nicht mehr steigen. "Der Weg zum Gipfel wird holpriger und steiniger", sagt Hilb. Per Ende Jahr rechnet die Anlagestrategie mit einem SMI-Stand von maximal 8800 Punkten. Am Donnerstag schloss der Schweizer Leitindex bei 8383 Zählern.

Unterstützende Indikatoren

Doch begründet Hilb ihren optimistischen Ausblick? Wie viele andere Anlageexperten stützt auch sie sich auf Indikatoren wie beispielsweise Volatilitäts- oder Einkaufsmanagerindizes. Aus diesen Daten versucht sie, die künftige Entwicklung der Aktienpreise zu lesen. 

Hilb zieht unter anderem das so genannte Bull Sentiment der American Association of Individual Investores (AAII) in ihre Prognosen mit ein. Diese Kennzahl gibt an, wie viele Privatanleger in den USA über einen Zeitraum von sechs Monaten bullish, bearish oder neutral für die Aktienmärkte sind.

Auf mehrere Signale setzen

Derzeit zeigt das Sentiment weiter steigende Tendenz an. Doch ein Indikator per se "stosst kein Stiär allei", sagt Hilb. Vielmehr müssen zusätzliche Indikatoren in eine Prognose miteinbezogen werden. Ein gutes Gespür für das Marktsentiment geben laut der Anlagestrategien zum Beispiel die Entwicklungen an den Zinsmärkten oder der zyklischen Währungen.

"Neigt der neuseeländische Dollar zur Schwäche, ist dies ein Zeichen, das die Risikoaversion zunimmt", sagt Hilb. Und wichtig sei auch zu merken, wenn ein Indikator die Stimmung an den Börsen nicht mehr korrekt wiedergibt, weil andere Einflussfaktoren stärker sind, so Hilb.

 

Im Börsen-Talk sagt Hilb zudem, wie sie auf Prognosen von Börsen-Gurus wie George Soros reagiert. Und sie nennt ihre favorisierten Aktiensektoren.