Detailhandelskonzern - Dufry wächst kräftig - Aktie pendelt hin und her

Dufry hält das Wachstumstempo im zweiten Quartals aufrecht. Bei den Margen kann der Detailhandelskonzern aus Basel bei den Analysten jedoch nur mässig punkten. Folglich unterliegt die Aktie starken Kursschwankungen.
31.07.2017 15:09
Von Lorenz Burkhalter
Eine Dufry-Verkaufsstelle in der Dominikanischen Republik.
Eine Dufry-Verkaufsstelle in der Dominikanischen Republik.
Bild: ZVG

Die gute Nachricht zuerst: Nach einem starken Umsatzwachstum in den ersten drei Monaten legt Dufry im zweiten Quartal sogar noch eine Schippe drauf.

Mit 8,9 Prozent übertrifft das organische Umsatzwachstum selbst die optimistischsten Analystenschätzungen. Im vorangegangenen Quartal wuchs der in Basel beheimatete Betreiber von Zollfreiverkaufsstellen noch mit 7,2 Prozent.

Deutlich ernüchternder fällt hingegen die Margenentwicklung aus. Trotz Synergien aus den milliardenschweren Übernahmen von Nuance Group und World Duty Free verfehlen der operative Gewinn (EBITDA) und das Reinergebnis die Markterwartungen teilweise deutlich.

Nach einem Kursfeuerwerk in der ersten Handelsstunde fällt die Dufry-Aktie an der Schweizer Börse SIX Gewinnmitnahmen zum Opfer. Nachdem sie vorübergehend ins Minus abtauchte, gewinnt sie zur Stunde 0,7 Prozent auf 155 Franken.

Grund dürfte der in Erwägung gezogene Börsengang des Nordamerika-Geschäfts sein. Mit der Platzierung einer Minderheitsbeteiligung soll der Schuldenabbau beschleunigt werden. Diese Pläne überraschen, kommen in Analystenkreisen aber gut an.

Wie die Zürcher Kantonalbank in einem ersten Kommentar schreibt, fällt das operative Ergebnis auf die erste Jahreshälfte bezogen in etwa im Rahmen der Erwartungen aus. Unter dem Strich werden die Prognosen des Autors leicht verfehlt. Im zweiten Halbjahr müsse ein höherer operativer Hebel sichtbar werden, so ergänzt er.

Margenentwicklung weiss noch immer nicht zu überzeugen

Von der Möglichkeit einer Publikumsöffnung der nordamerikanischen Geschäftsaktivitäten zeigt sich der Analyst sichtlich erstaunt. Allerdings sieht er einen solchen strategischen Schritt dort gegebenenfalls neue Wachstumsimpulse freisetzen. Die Aktie von Dufry wird bei der Zürcher Kantonalbank mit "Übergewichten" zum Kauf empfohlen.

Ebenfalls lobende Worte findet sein Berufskollege von Baader-Helvea. Dieser findet vor allem an der organischen Wachstumsbeschleunigung im zweiten Quartal sichtlich Gefallen. Allerdings räumt auch er ein, dass die operative Marge die Markterwartungen verfehlt habe. Der Analyst stuft die Aktie wie bis anhin mit "Buy" und einem Kursziel von 175 Franken ein.

In einer ersten Stellungnahme der Bank Vontobel wird die starke organische Umsatzentwicklung hervorgehoben. Aufgrund der schwierigen Vergleichsbasis in Schlüsselmärkten wie Grossbritannien, Brasilien oder Spanien rechnet der für die Zürcher Traditionsbank tätige Analyst im laufenden dritten Quartal nun aber mit einer Wachstumsverlangsamung. Seine Hoffnungen beruhen deshalb auf den Synergien aus der Integration von World Duty Free, welche sich in der zweiten Jahreshälfte positiv auf die Margen auswirken sollten. Er empfiehlt die Aktie mit einem Kursziel von 180 Franken zum Kau.

Übernahme durch chinesischen Grossaktionär eher unwahrscheinlich

Der Medienmitteilung von Dufry lassen sich zu Wochenbeginn keine Aussagen zur finanziellen Gesundheit des Grossaktionärs HNA entnehmen. Im Zuge der aggressiven Übernahmepolitik der letzten Jahre gilt der chinesische Mischkonzern als hochverschuldet. Angeblich hat er den Banken sogar zahlreiche seiner Firmenbeteiligungen als Sicherheit für Kredite hinterlegt. Da mehrere dieser Beteiligungen in den vergangenen Monaten kräftig an Kurswert einbüssten, halten Beobachter einen Zwangsverkauf von Aktien für denkbar (kürzlich schrieb der cash Insider zu diesem Thema).

Noch ist allerdings unklar, ob und in welchem Ausmass der chinesische Grossaktionär auch Dufry-Aktien verpfändet hat. Was sich denselben Beobachtern zufolge hingegen sagen lässt ist, dass eine vollständige Übernahme des Basler Detailhandelskonzerns durch HNA mittlerweile eher unwahrscheinlich ist. Die Chinesen kontrollieren bei Dufry knapp 21 Prozent der Stimmen.