Deutsche Bahn zieht sich aus Fernbusmarkt zurück

Die Bahn zieht sich aus dem deutschen Fernbusgeschäft zurück und überlässt dem Konkurrenten Flixbus den Markt nahezu komplett. Davon sind auch Schweizer Passagiere betroffen.
16.09.2016 11:44
Das Unternehmen MeinFernbus ist heute integriert in Flixbus.
Das Unternehmen MeinFernbus ist heute integriert in Flixbus.
Bild: ZVG

Ende 2016 laufe der Betrieb der Marke Berlinlinienbus (BLB) aus, teilte der Staatskonzern am Freitag mit. Damit gibt der letzte größere Wettbewerber von Flixbus auf, der im August schon das Geschäft von der Deutschen Post übernommen hatte.

Drei Jahre nach Freigabe des Marktes durch die Bundesregierung und einer Welle von Neugründungen wird Flixbus nun mehr als 90 Prozent aller Passagiere in dem Bereich befördern. Höhere Preise gelten als wahrscheinlich. Die Bahn kündigte an, sie werde einige ihrer rund 40 Linien in ihr IC-Bus-Netz integrieren. Dieses ergänzt den Schienen-Fernverkehr vor allem bei Verbindungen über Grenzen hinweg sowie in abgelegene touristische Regionen.

Die Deutsche Bahn operierte auch von Zürich aus mit Verbindungen nach Deutschland. Beleibt war vor allem die Strecke nach München.

Der Rückzug der Bahn kommt nicht überraschend: Auf dem hart umkämpften Markt arbeitete zuletzt praktisch kein Unternehmen profitabel. Bahnchef Rüdiger Grube hatte schon im Juli gesagt, er werde den "Blödsinn" nicht mehr mitmachen. Flixbus allerdings hat angekündigt, dieses Jahr Geld zu verdienen. Hinter dem Unternehmen steht unter anderem der US-Finanzinvestor General Atlantic.

Ausbau der Verbindungen auf der Schiene

Die Bahn will sich jetzt auf den Ausbau der Verbindungen auf der Schiene konzentrieren. Bis 2030 will sie hier ihr Angebot um 25 Prozent ausweiten und 50 Millionen zusätzliche Reisende gewinnen. Dabei soll der neue ICE-4 eine Schlüsselrolle spielen, der jetzt testweise zwischen Hamburg und München fahren und ab 2017 regulär unterwegs sein soll.

Zum Schutz der Bahn war der Fernbusmarkt per Gesetz bis 2013 eng begrenzt. Mit der Freigabe erlebte die Branche einen Boom mit zahlreichen Gründungen und rasantem Passagierwachstum. 2015 waren rund 22 Millionen Reisende mit dem Bus unterwegs, ein Plus von mehr als einem Drittel gegenüber dem Vorjahr. Auch dieses Jahr erwartet die Branche Wachstum, allerdings ein schwächeres.

Die Bahn ist im Fernbus-Geschäft einen Zickzack-Kurs gefahren: Nachdem sie es zunächst als unattraktiv eingestuft hatte, entschied sie sich dann doch, ihre Angebote auszudehnen, um jetzt fast komplett auszusteigen. Allerdings ist es ihr inzwischen gelungen, IC- und ICE-Züge über Sonderpreise und den Verzicht auf Preiserhöhungen wieder besser auszulasten. Frühere Gewinnzahlen sind wegen des Preisdrucks jedoch in weiter Ferne.

"Die Bahn bleibt für uns ein grosser Wettbewerber"

Flixbus-Geschäftsführer André Schwämmlein sagte, für sein Unternehmen ändere sich nichts. "Die Bahn bleibt für uns auf Schiene und Straße ein großer Wettbewerber, neben PKW, Billigfliegern und Mitfahrzentralen."

Gerechnet wird in der Branche im Zuge der Marktbereinigung mit steigenden Preisen: Nach Angaben des Reisevergleichsportals GoEuro sind sie schon in den vergangenen Jahren angezogen. Seit 2014 seien die Tickets im Schnitt in Deutschland um 40 Prozent teurer geworden. Auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt hatte bereits nach dem Aus für die Postbusse gesagt, er erwarte höhere Preise. Dies sei auch nötig, um das Geschäft nachhaltig zu betreiben.

Die Linke nannte die gesamte Liberalisierung des Fernbusmarktes einen Fehler: "Sie gehört erneut auf die Tagesordnung des Bundestages und muss dort dringend nachgebessert werden", sagte Verkehrsexperte Thomas Lutze. Busse müssten nun auch Autobahnmaut zahlen, um den Wettbewerb mit der Bahn ausgeglichener zu gestalten.

(Reuters/cash)