Deutsche Bank gerät in Abwärtsstrudel - Aktie erstmals unter 10 Franken

Die Sorgen um die Deutsche Bank halten an: Am Freitag sackte der Aktienkurs erneut heftig ab, nachdem die Nervosität nun offenbar auch Spuren im Tagesgeschäft hinterlässt.
30.09.2016 10:09
Die Ampel vor der Deutschen Bank zeigt auf rot.
Die Ampel vor der Deutschen Bank zeigt auf rot.
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Einige Hedgefonds hätten zuletzt überschüssige Geldbestände aus dem Handelsbereich des Instituts abgezogen, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf ein ihr vorliegendes internes Dokument des Instituts. Deutsche-Bank-Manager Barry Bausano sprach von normalen Schwankungen. Es habe in dieser Woche sowohl Zu- als auch Abflüsse gegeben.

Die Bank betonte erneut ihre Stabilität und verwies auf die umfangreiche Liquidität von mehr als 200 Milliarden Euro. "Unsere Geschäftspartner gehören zu den weltweit anspruchsvollsten Investoren", erklärte das Institut in einer Stellungnahme. "Wir sind davon überzeugt, dass die grosse Mehrheit von Ihnen unsere stabile finanzielle Position, das gegenwärtige gesamtwirtschaftliche Umfeld, die Rechtsstreitigkeiten in den USA und die Fortschritte, die wir bei der Umsetzung unserer Strategie machen, sehr gut versteht."

Kreditausfallversicherungen steigen

Deutsche-Bank-Aktien sackten zu Handelsbeginn an der Frankfurter Börse zeitweise um 9 Prozent auf 9,898 Euro ab. Zuvor waren sie bereits im späten New Yorker Handel eingebrochen. Auch die Kurse von US-Banken wie Goldman Sachs , JPMorgan oder Citigroup gerieten unter Druck.

Angesichts immer neuer Spekulationen um Kapitallücken und mögliche Staatshilfen haben die Aktien der Deutschen Bank in den vergangenen zwei Wochen ein Viertel an Wert verloren. Die Bank ist derzeit an der Börse keine 14 Milliarden Euro mehr schwer. Zugleich legten Papiere, mit denen sich Anleger vor Kreditausfällen der Bank schützen können, in den vergangenen Tagen kräftig zu.

Unterstützung erhielt die Deutsche Bank von einigen wichtigen Analysten. "Wir glauben, dass die Liquiditätssituation der Bank stabil ist", schrieb Goldman-Sachs-Experte Jernej Omahen in einer ersten Einschätzung. Er betonte zugleich, dass die Bank nun dringend gute Nachrichten brauche. Vor allem eine Beilegung der Rechtsstreitigkeiten wäre immens wichtig. Auch Analyst Jon Peace von der Schweizer Grossbank Credit Suisse hält die jüngste Entwicklung an den Börsen für übertrieben.

Wichtige Geschäfte stabil

Betroffen von den Geldabflüssen ist laut Bloomberg das Derivate-Clearing, in dem komplizierte Finanzprodukte abgerechnet werden.Die Verlässlichkeit des Geschäftspartners gilt hier als besonders wichtig. Etwa zehn Hedgefonds hätten ihre Positionen bei der Deutschen Bank vorsichtshalber verkleinert, schrieb die Nachrichtenagentur. Das ist aber ein eher kleiner Teil der mehr als 200 Kunden, mit denen Europas grösste Investmentbank in diesem Bereich arbeitet.

Über den Handelsbereich hinaus soll es bislang keine negativen Folgen für die Geschäfte der Bank geben, zitierte die "Financial Times" einen Insider. Das gelte etwa für das wichtige Transaktionsgeschäft der Bank, bei dem sie für Grosskunden weltweit deren Geldverkehr managt. Auch die Unternehmensfinanzierungsbereiche der Banken seien nicht betroffen.

Hohe Forderung der US-Justiz

Auslöser für die grosse Nervosität der vergangenen Tage ist die Drohung der US-Justiz, für Vergehen mit Hypothekenpapieren der Bank eine Strafe von 14 Milliarden US-Dollar aufzubrummen. Die Deutsche Bank betont zwar, dass die Zahlung am Ende deutlich niedriger ausfallen werde. Auch Analysten rechnen mit einer geringeren Summe. Dennoch herrschen an den Finanzmärkten derzeit Sorgen vor, dass das Institut das Geld nicht aus eigener Kraft aufbringen kann. In dieser Woche wurde deshalb bereits darüber spekuliert, dass die Bundesregierung an Notfallplänen für die Bank arbeite, was offiziell aber dementiert wurde./enl/das/stb

(AWP)