Deutsche Bank sorgt für schlaflose Nächte

Investoren, die die riskantesten Anleihen der Deutschen Bank im Portfolio haben, brauchen derzeit starke Nerven. Denn der schlechte Geschäftsgagng machten einen Zahlungsausfall wahrscheinlicher.
06.02.2016 13:15
John Cryan ist seit Anfang Juli 2015 Chef der Deutschen Bank.
John Cryan ist seit Anfang Juli 2015 Chef der Deutschen Bank.
Bild: Bloomberg

Die grösste Bank Deutschlands hat Wandelanleihen, sogenannte CoCos, im Volumen von rund 4,6 Mrd. Euro im Umlauf, wie aus einer Präsentation für Investoren hervorgeht. Diese Papiere, die dazu gedacht sind, das Kernkapital Tier 1 zu stützen, haben keine Laufzeitbegrenzung, und die Kuponzahlungen hängen von der Kapitaldecke der Bank ab.

Am Donnerstag vergangener Woche gab die Deutsche Bank bekannt, sie sei in der Lage, die Kupons für 2015 zu zahlen, was die Kurse der Papiere stützte.

"Bis heute bin ich davon ausgegangen, dass die Deutsche Bank erstmals die Kuponzahlungen auf ihre AT1-Bonds aussetzt," sagte Mark Holman, Chef von TwentyFour Asset Management in London, mit Blick auf die Anleihen für zusätzliches Tier 1- Kapital, die er nicht hält. "Es ist sehr knapp. Sie haben heute gesagt, sie werden zahlen, aber genau so gut hätten sie sagen können, wir lassen die Zahlung ausfallen. Das Risiko ist zu hoch."

Dünne Kapitaldecke

Was den Investoren den Schlaf raubt, ist die Kapitaldecke der Deutschen Bank, die ohnehin nicht üppig war und weiter schrumpft seitdem die Bank sich neu aufstellt, Strafzahlungen leistet und Verluste anhäuft. Nach deutschem und europäischem Bankenrecht sind die Kuponzahlungen an gewisse Anforderungen gekoppelt, die die Barbestände und das Kapital betreffen.

Insgesamt gesehen ist die Deutsche Bank unter den grossen europäischen Geldinstituten dasjenige, das der Nichterfüllung dieser Anforderungen am nächsten kommt.

Alle AT1-Bonds der Deutschen Bank haben Kupons von mindestens sechs Prozent. Allerdings können die Investoren keinen Zahlungsausfall geltend machen wenn sie nichts erhalten. Sobald eine Bank ihre Kapitalpuffer angreifen muss, ist sie gezwungen, den so genannten ausschüttungsfähigen Höchstbetrag zu berechnen, aus dem sich nach EU-Recht Beschränkungen für Zahlungen ergeben.

Deutsche Banken müssen zudem ausschüttungsfähige Posten, sogenannte ADI, berechnen. Diese Kennzahl wird nach deutschen Buchführungsregeln erhoben. Die Deutsche Bank teilte mit, ihre Reserven reichten aus, um die Kuponzahlungen zu leisten.

Nach den vorläufigen Zahlen für 2015 glaube die Bank, über genügend Mittel zu verfügen, um AT1-Kupons zu zahlen, sagte Finanzvorstand Marcus Schenck am Donnerstag in einer Telefonkonferenz zu den Ergebnissen.

Schlechte Nachrichten häufen sich

Investoren meiden die AT1-Papiere dieses Emittenten seitdem sich die schlechten Nachrichten zur Deutschen Bank häufen. Für die im April 2026 kündbare CoCo-Anleihe mit einem Kupon über 7,125 Prozentwurden zuletzt 85,1 Pence je Pfund Nominalwert geboten. Das Rekordtief wurde am 21. Januar bei 84 Pence erreicht. Die mit 6 Prozent verzinsten Papieremit Kündigungsoption im April 2022 lagen bei 88 Cent je Euro - 1,5 Cent höher als das ebenfalls am 21. Januar verzeichnete Rekordtief.

Die Rally der CoCos dürfte angesichts der Probleme der Bank nicht von Dauer sein, vermuten Analysten bei CreditSights in London. "Die Absicht, die AT1-Kupons weiter zu zahlen, wurde von der Deutschen Bank erneut bekräftigt," schrieb Analyst Simon Adamson in einer Kundennotiz vom Donnerstag. "Das dürfte ihren AT1-Papieren leichten Auftrieb verleihen, doch der Markt wird angesichts der knappen ADI-Deckung wohl bei seiner negativen Einstellung bleiben."

Ende 2014 stand der Deutschen Bank eine ADI-Deckung von 2,87 Mrd. Euro zur Verfügung, was laut CreditSights "die niedrigste Kupondeckung aller AT1-Emittenten" ist.

Es gibt Gegenwind

"Es geht vor allem um die wahrgenommenen Risiken für die AT1-Kupons," sagte Roger Francis, Analyst bei Mizuho International in London. "Sie haben gesagt, dass sie in der Lage sind, die Kupons zu zahlen und sie bauen ihre Kapitalbasis wieder auf; das ist alles gut und schön, aber es gibt Gegenwind."

Der Gegenwind entsteht etwa durch das Risiko neuer Rechtsstreitigkeiten oder neuer Vorschriften, die die Bank zwingen könnten, die Risikogewichtung bestimmter Aktiva zu erhöhen, was wiederum einen Rückgang der Kapitalquoten zur Folge haben könnte, sagte Francis. Andererseits könnten die Aufsichtsbehörden der Bank gestatten, einige ihrer Kapitalpuffer zu reduzieren, da sie Risiken abbaut.

"Die Neuaufstellung der Bank, der Verzicht des Vorstands auf die Boni, das sind Hinweise zum Zustand der Bank", sagte Holman. "Sie sind nur eine hohe Geldstrafe entfernt von der Aussetzung einer Kuponzahlung."

(Bloomberg)