Deutsche Investoren zögern mit Übernahmen im Ausland

Deutsche Unternehmen halten sich mit grossen Übernahmen im Ausland zurück. Hingegen wächst das Interesse ausländischer Konzerne an deutschen Firmen.
24.09.2017 08:35
Die Flagge von Deutschland.
Die Flagge von Deutschland.
Bild: Pixabay

Das Volumen von Unternehmenskäufen mit deutscher Beteiligung ist in diesem Jahr bislang (Stichtag: 18. September) um 39 Prozent auf 99,9 Milliarden Dollar gesunken, wie Daten von Thomson Reuters zeigen. Deutsche Zukäufe im Ausland machen nur ein Viertel aller Transaktionen aus. Ausländische Käufer - vor allem aus den USA - waren hingegen in Deutschland in den ersten neun Monaten so aktiv wie seit drei Jahren nicht mehr. Sie kündigten Übernahmen im Gesamtvolumen von 43,3 Milliarden Dollar an, ein Plus von 71 Prozent.

Weitere Schlaglichter aus den sogenannten "League Tables", die am Freitag veröffentlicht werden:

  • Die grösste Übernahme der ersten neun Monate auf dem deutschen Markt war der Kauf des Arzneimittelherstellers Stada durch die Finanzinvestoren Bain und Cinven für 6,8 Milliarden Dollar inklusive Schulden. Als zweitgrösste Übernahme wird mit einem Volumen von 6,73 Milliarden Dollar die Aufspaltung des Handelsriesen Metro in einen Lebensmittel- und einen Elektronikhändler geführt. Die Eigner bekamen die Aktie der "neuen" Metro rund um den Lebensmittelhandel in ihr Depot gebucht. Die Elektronik-Kette wiederum firmiert jetzt unter dem Namen Ceconomy. Knapp dahinter folgt der 6,72 Milliarden Dollar schwere Verkauf des Heizungs- und Wasserablesers Ista an ein Konsortium von zwei Unternehmen aus dem Imperium des chinesischen Milliardär Li Ka-shing. Die grösste Übernahme eines deutschen Konzerns im Ausland findet sich auf dem sechsten Platz wieder: Fresenius Kabi zahlt 4,8 Milliarden Dollar für den US-Konzern Akorn.
  • Die erfolgreichste Investmentbank in Deutschland ist in diesem Jahr bislang JPMorgan, die bei 22 Übernahmen für 33,2 Milliarden Dollar als Berater mitmischte. Vor einem Jahr landete das Institut nur auf Rang sieben. Die Deutsche Bank, deren Investmentbank abermals kräftig umgebaut wird, arbeitete sich auf dem Heimatmarkt vom elften auf den zweiten Platz vor. Sie war bei 13 Deals im Gesamtvolumen von 21 Milliarden Dollar mit von der Partie, unter anderem bei Stada und Metro. Citi (20,8 Milliarden Dollar) verbesserte sich vom neunten auf den dritten Platz.
  • Weltweit findet sich die Deutsche Bank allerdings nicht unter den Top Ten. Hier führt wie im Vorjahr Goldman Sachs mit Deals im Wert von 460 Milliarden Dollar. Morgan Stanley (408 Milliarden Dollar) verteidigte den zweiten Platz, JP Morgan (366 Milliarden) rückte auf den dritten vom vierten Platz vor, dicht gefolgt von Citi (363 Milliarden), die im Vorjahreszeitraum noch auf dem siebten Platz landete. Die erste nicht-amerikanische Investmentbank findet sich auf dem sechsten Platz: Barclays.
  • In zwei Ranglisten liegt die Deutsche Bank auf Platz eins: Im Geschäft mit Anleihen und anderen Schuldpapieren (DCM) rangiert sie in Deutschland mit einem Marktanteil von 10,2 Prozent vor HSBC und Unicredit. Dabei war sie an gut einem Fünftel aller Transaktionen beteiligt. Und im boomenden Geschäft mit Kapitalerhöhungen, Platzierungen und Börsengängen (ECM) verweist die Deutsche Bank Barclays und Citi auf die Plätze. Dabei kommt ihr die eigene, acht Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung zugute, an der ihre Investmentbanker mitarbeiteten. Die Kapitalerhöhung der Deutschen Bank verhalf dem deutschen ECM-Markt zu den besten ersten neun Monaten seit 2011, auch wenn grosse Börsengänge bislang Mangelware sind.
  • Das dritte Quartal war für das Geschäft mit Anleihen und anderen Schuldpapieren in Deutschland das schwächste seit dem Jahr 2000. Das Volumen belief sich gerade einmal auf 53,4 (Vorjahr: 95,1) Milliarden Dollar. In den ersten neun Monaten schrumpfte das Geschäft im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um sechs Prozent auf 274 Milliarden Dollar.

(Reuters)