Deutsche Schuldscheine - Brexit kann Schuldschein zu internationalem Durchbruch verhelfen

Banker und Investoren, die nach dem Brexit von London nach Frankfurt ziehen, müssen sich vielleicht mit mehr als nur einer neuen Sprache befassen.
06.11.2017 20:00
Die Tower Bridge in London.
Die Tower Bridge in London.
Bild: Pixabay

Internationale Emissionen deutscher Schuldscheine, die Elemente von Anleihen und Krediten kombinieren, wachsen laut Scope Ratings bereits mit einer durchschnittlichen jährlichen Rate von fast 50 Prozent. Angesichts von Banken wie Morgan Stanley und Nomura, die EU-Zentralen in Frankfurt einrichten, könnte die Verbreitung dieser für Ausländer einst undurchsichtigen Produkte an Fahrt gewinnen, während sich der internationale Kapitalmarkt an sein neues Zentrum anpasst.

"Mehr Vertrautheit mit diesem historisch deutschen Produkt vor Ort kann für den Gesamtmarkt nur hilfreich sein", sagt Felix Weiss, der sich bei Citigroup in London unter anderem um mittelfristige Schuldtitel kümmert. "Ein potenzieller Brexit-bezogener Umzug von Investoren nach Frankfurt könnte in der Tat dazu beitragen, die Zahl internationaler Investoren sogar noch weiter zu erhöhen."

Der Schuldscheinmarkt sichert sich auch ohne Frankfurt-Boom bereits ein grösseres Stück an internationalen Finanzierungen. Fast ein Drittel der diesjährigen Schuldschein-Transaktionen stammten von nicht-deutschen Emittenten, zeigen Daten von Bloomberg. Bis vor kurzem waren die Papiere ausserhalb des Landes kaum bekannt.

Höhere Renditen

Anleger werden von höheren Renditen angezogen, die von Kreditnehmern gezahlt werden, als bei traditionelleren Kredit- oder Anleihe-Strukturen, meint Paul Kuhn, Leiter für Corporate Debt Capital Markets Origination bei der Bayerischen Landesbank in München. Für Schuldner könne ein Schuldschein eine flexiblere, weniger komplexe Möglichkeit zur Finanzierung mit dem Vorteil einer "schlanken Dokumentation" bieten.

Nichtdeutsche Banken haben sich ebenfalls stärker in den Markt eingebracht. Citi arrangierte einen Schuldschein-Deal über 245 Millionen Euro für den US-amerikanische Farbenhersteller Sherwin Williams im August. Auch Bank of China und Mizuho Financial Group nahmen sich zuletzt solcher Geschäfte an.

Auch wenn der Markt jedes Jahr um die Hälfte wächst, ist er im Vergleich zu traditionellen Schuldtiteln immer noch klein. Die Emissionen von Schuldscheindarlehen liegen in diesem Jahr bei 24 Milliarden Euro, verglichen mit 336 Milliarden an Krediten und mehr als 300 Milliarden Euro an Anleihe-Begebungen europäischer Unternehmen.

Das Wachstum des Marktes könnte ausgebremst werden, wenn das Instrument in den Zuständigkeitsbereich der US-Wertpapiergesetze fallen sollte - was Arrangeure und Kreditnehmer daran hindern dürfte, US-Investoren zu Engagements zu bewegen, um eine Haftung zu vermeiden, meint Neil Weiand, Partner bei Allen & Overy.

Das Wachstum wird wohl dennoch das der traditionellen Schulden-Instrumente übertreffen, da mehr internationale Kreditnehmer das Produkt nutzen, glaubt Morris Gutermann, Direktor Primärmärkte bei der Landesbank Hessen Thüringen Girozentrale. "Immerhin gibt es viel mehr nicht-deutsche Unternehmen als deutsche."

(Bloomberg)