Deutscher Autozulieferer - Continental setzt auf Zusatzgeschäft durch neue CO2-Ziele

Der Autozulieferer Continental aus Hannover rechnet mit einem Zusatzgeschäft durch die strengeren Abgasvorschriften in Europa.
12.11.2017 08:31
Screenshot Continental-Intranet.
Screenshot Continental-Intranet.
Bild: continental.com

Das Ziel von 30 Prozent weniger CO2-Ausstoss im Jahr 2030 sei ehrgeizig, "aber wir haben Produkte in unserem Angebot, die es erlauben, diese Ziele zu erreichen", sagte Finanzchef Wolfgang Schäfer vergangene Woche der Nachrichtenagentur Reuters. Künftig müssten mehr Produkte für die Emissionsreduzierung im Auto verbaut werden - für Continental sieht er deshalb Wachstumschancen.

Details nannte Schäfer nicht. Nach dem Willen der EU-Kommission sollen Neuwagen im Jahr 2030 im Schnitt 30 Prozent weniger Kohlendioxid (CO2) ausstossen dürfen als 2021. Die Autobranche kritisierte die am Mittwoch präsentierten Vorschläge als übergebührliche Belastung der europäischen Hersteller.

Conti-Chef Elmar Degenhart sagte bei einem Branchenkongress in Berlin: "Wir werden uns enorm strecken müssen, um die CO2-Ziele zu erreichen." Der Vorstandsvorsitzende brach erneut eine Lanze für den Dieselmotor. Die Technologie dürfe nicht verteufelt werden. Viele Autokäufer machen allerdings angesichts drohender Fahrverbote einen weiten Bogen um Selbstzünder, deren Image seit Bekanntwerden der Abgasaffäre ohnehin ramponiert ist.

Kein Dieselverzicht möglich

"Auf der Dieselseite sind Fehler gemacht worden, aber das darf nicht dazu führen, dass der Diesel totgemacht wird", sagte Degenhart. "Wir können es uns nicht erlauben, auf den Diesel zu verzichten." In der Mittel- und Oberklasse wäre dies "vollkommener Unsinn". Mit entsprechender Technologie könne der Diesel noch sauberer gemacht werden. Bei Continental, nach Bosch der zweitgrösste Autozulieferer der Welt, macht das Geschäft mit Dieseltechnik nur einen kleinen Umsatzanteil aus.

Für kräftigen Schub sorgten bei dem Dax-Konzern aus Hannover zuletzt Produkte und Technologien rund um Elektronik, Software und Sensorik im Auto. Vor allem Fahrerassistenzsysteme seien gefragt, erläuterte Finanzchef Schäfer. Diese hielten in Oberklasse-Wagen und auch in Modellen mit niedrigeren Preisen immer stärker Einzug. Auch Produkte für die Vernetzung von Fahrzeugen liefen gut.

Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) kletterte im dritten Quartal um 69 Prozent auf 1,09 Milliarden Euro. Allerdings war der Vergleichswert aus dem Vorjahr niedrig, weil damals Sondereffekte wie Rückstellungen für Kartellansprüche den Gewinn gedrückt hatten. Der Umsatz wuchs um sieben Prozent auf 10,7 Milliarden Euro.

Continental-Chef Degenhart sagte: "Das vierte Quartal wird noch einmal stark verlaufen. Das gilt für Umsatz und Ergebnis." Finanzvorstand Schäfer sieht auch für 2018 "ganz vernünftige Voraussetzungen" für Wachstum. Die weltweite Autoproduktion steige nächstes Jahr schätzungsweise um ein bis zwei Prozent. Continental lege üblicherweise in seiner Autosparte drei bis fünf Prozent stärker als der Markt zu.

(Reuters)