Deutschland - Ifo-Geschäftsklima sinkt leicht

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im September nach einem deutlichen Anstieg im Vormonat wieder etwas eingetrübt. Die Reaktionen der Anlysten.
24.09.2018 11:03
Deutsche Flaggen vor und über dem Reichstagsgebäude in Berlin.
Deutsche Flaggen vor und über dem Reichstagsgebäude in Berlin.
Bild: Pixabay

Das Ifo-Geschäftsklima sei um 0,2 Punkte auf 103,7 Zähler gefallen, teilte das Forschungsinstitut am Montag in München mit. Analysten hatten im Schnitt mit einem stärkeren Rückgang auf 103,2 Punkte gerechnet.

Der Indexwert für August wurde leicht nach oben korrigiert. Er lag demnach bei 103,9 Punkte, nachdem zuvor ein Wert von 103,8 Punkten gemeldet worden war. Die befragten Unternehmen bewerteten ihre aktuelle Geschäftslage minimal schlechter, die Erwartungen für das nächste halbe Jahr gingen leicht zurück.

"Die deutsche Wirtschaft zeigt sich stabil, auch wenn die Unsicherheit steigt", kommentierte ifo-Chef Clemens Fuest die Daten. Die monatliche Unternehmensumfrage gilt als das wichtigste Stimmungsbarometer für die deutsche Wirtschaft.

Analysten sagten zu den Daten in ersten Reaktionen:

ANDREAS SCHEUERLE, DEKABANK:

"Die deutsche Volkswirtschaft profitiert derzeit von ihrer außergewöhnlich robusten Binnenkonjunktur. Dies zeigt sich in der stabilen bis aufwärtsgerichteten Stimmung bei Dienstleistern, Handel und Bauwirtschaft. Die jüngste Eskalation im amerikanisch-chinesischen Handelsstreit kam vermutlich für das Gros der Befragten zu spät. Letztlich können sich die deutschen Unternehmen in diesem Handelsstreit nicht zurücklehnen. Zum einen sind die deutschen Töchter in den USA und China von den Streitigkeiten betroffen, zum anderen trüben sich die globalen Exportperspektiven mit jeder Eskalationsstufe ein oder werden zumindest ungewisser. Beides dürfte perspektivisch auf der Investitionstätigkeit der Volkswirtschaft lasten."

JÖRG ZEUNER, KFW-CHEFÖKONOM:

"Nach dem überraschend kräftigen Anstieg im Vormonat hat sich das Geschäftsklima im September leicht konsolidiert. Das zeugt von Realismus. Die Wirtschaft läuft, aber die Bäume wachsen nicht mehr ganz so weit in den Himmel. Eine unverändert zugkräftige Binnenkonjunktur steht einer etwas ins Stottern gekommenen Auslandsnachfrage gegenüber, was insbesondere die Industrie zu spüren bekommt. Auch die zentralen Risiken wie die von den USA losgetretenen Handelsspannungen sind international. Wir erwarten eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums auf noch immer ordentliche 1,8 Prozent in diesem Jahr."

THOMAS GITZEL, CHEFVOLKSWIRT VP BANK:

"Dass es lediglich nur marginal nach unten geht, ist als Zeichen der Stärke zu werten. Aktuell ist eine Reihe von belastenden Faktoren auszumachen, die durchaus das Potenzial gehabt hätten, einen stärken Rückgang hervorzurufen.

So ist der fortwährende Zollstreit zwischen den USA und China ein Stimmungskiller für das verarbeitende Gewerbe insgesamt. Wenngleich zwischen den USA und Europa derzeit Ruhe herrscht, dürften die Maßnahmen der Regierung Trump gegenüber dem Reich der Mitte auf das Gemüt schlagen. Der ein oder andere Unternehmer dürfte argwöhnisch sein, ob die neue Eskalation zwischen den USA und China nicht als Vorbote für neue Strafzölle gegenüber Europa gewertet werden kann. Für die deutsche Exportwirtschaft wird auch in Anbetracht der Krise in den Schwellenländern das Leben nicht gerade einfacher. Und ganz nebenbei bemerkt: Die Brexit-Verhandlungen haben für die europäischen Unternehmen bislang keine Klarheit gebracht. Im Gegenteil, die Fronten zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich haben sich zuletzt wieder verhärtet.

In Anbetracht der Vielzahl von wirtschaftlichen Hürden hätte das Ifo-Geschäftsklimaindex durchaus auch schärfer fallen können. Dies zeigt aber auch, wie stark die Binnenwirtschaft ist. In Anbetracht der günstigen Finanzierungskonditionen fasst sich auch so mancher Unternehmer ein Herz und steckt wieder vermehrt Geld in die eigene Firma."

UWE BURKERT, LBBW-CHEFÖKONOM:

"Das Ifo-Geschäftsklima hat die im Vormonat gezeigte Stimmungsaufhellung im September im Wesentlichen bestätigt und unterstreicht damit die robuste konjunkturelle Verfassung der deutschen Wirtschaft. Trotz der fortgesetzten Eskalationssignale im Handelskonflikt USA/China wird der Aufschwung nicht aus der Bahn geworfen. Das Ifo-Geschäftsklima hält sich damit in etwa im Rahmen der Vorgaben, die seitens der ZEW-Konjunkturerwartungen und der Markit-Einkaufsmanagerindizes vorlagen. In der Summe besteht somit die berechtigte Hoffnung, dass die zuletzt schwächeren Daten zu Auftragseingängen und Industrieproduktion nur einen vorübergehenden Dämpfer markieren, während die robuste Binnenkonjunktur für das dritte Quartal mit einem zum Halbjahr vergleichbaren Wachstumstempo in der deutschen Wirtschaft rechnen lässt."

(Reuters/AWP)