Deutschland - Ifo-Geschäftsklima steigt auf Rekordhoch

Die Stimmung in den deutschen Unternehmen ist derzeit so gut wie nie. Das Geschäftsklima stieg im Mai um 1,6 Punkte auf 114,6 Zähler, wie das Münchner Ifo-Institut am Dienstag mitteilte. Das sagen Ökonomen dazu.
23.05.2017 10:38
Blick auf die Zentrale von BMW in München. Die Unternehmensstimmung in Deutschland ist top.
Blick auf die Zentrale von BMW in München. Die Unternehmensstimmung in Deutschland ist top.
Bild: Pixabay

Ökonomen hatten zwar mit einem Anstieg gerechnet, allerdings nur auf 113,1 Punkte.

"In den deutschen Chefetagen herrscht Champagnerlaune", kommentierte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die befragten Unternehmen bewerteten sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch ihre Erwartungen für die kommenden sechs Monate besser. Bis auf den Einzelhandel, wo der Indikator von hohem Niveau aus fiel, hellte sich die Stimmung in allen betrachteten Bereichen auf.

Das sagen Ökonomen in ersten Reaktionen:

ANDREAS SCHEUERLE, DEKABANK:

"Allzeithoch! Das ist eine tolle Nachricht. Aber mal ehrlich: Befindet sich auch die deutsche Konjunktur auf einem Allzeithoch? Wohl kaum. Im Jahr des früheren Allzeithochs wuchs das deutsche Bruttoinlandsprodukt um 4,1 Prozent. Das erwartet derzeit niemand. Wir sollten uns über eine gut laufend Konjunktur freuen, aber nicht - eingelullt von den guten Stimmungsindikatoren - selbstgefällig werden."

THOMAS GITZEL, VP BANK LIECHTENSTEIN:

"Die Hoffnungen auf einen sich selbstverstärkenden Aufschwung nehmen zu. Die Unternehmen blicken deshalb optimistischer in die Zukunft als noch im Vormonat. Der EU-freundliche Ausgang der französischen Präsidentschaftswahlen dürfte sicherlich die Konjunkturzuversicht ebenfalls gestärkt haben. Ein weiterer deutlicher Anstieg des Ifo-Index würde bedeuten, dass die deutsche Wirtschaft vor einem Boom steht. Wenngleich es derzeit für das Wachstum gut aussieht, für einen Boom reicht es nun aber doch nicht.

Wir sollten uns darauf einstellen, dass es in den kommenden Monaten in den Rückwärtsgang geht. Die wichtigste Triebfeder der Weltkonjunktur ist nach wie vor die US-Wirtschaft. Jenseits des Atlantiks hat sich aber die Konjunkturstimmung deutlich eingetrübt. Trotz der guten Lage und Stimmung sollte deshalb nicht gleich in Euphorie ausgebrochen werden. Bekanntlich heißt es ja, 'Hochmut kommt vor dem Fall'."

VIOLA JULIEN, HELABA:

"Das rekordhohe Niveau des Ifo-Indexes lässt auf eine sehr freundliche Stimmung in den deutschen Unternehmen schließen. Die Wachstumsaussichten für das zweite Quartal sind mithin robust. Besonders die Wahl Macrons zum französischen Präsidenten dürfte sich positiv in den heutigen Zahlen niedergeschlagen haben, denn damit ist ein großer Unsicherheitsfaktor beseitigt."

JÖRG ZEUNER, KFW-CHEFÖKONOM:

"Die deutsche Konjunktur läuft rund. Das unterstreicht nicht nur das kräftige Quartalswachstum von 0,6 Prozent zu Jahresbeginn, sondern auch die anhaltend sehr gute Stimmung in den Firmen. Die Chancen für ein ähnlich kräftiges Realwachstum im zweiten Quartal stehen gut, auch weil nach der Wahl in Frankreich ein großes Stück politischer Unsicherheit verschwunden ist. Das sollte den Firmen Mut zu mehr Investitionen machen. Wir haben deshalb heute unsere Konjunkturprognose für Deutschland um jeweils 0,2 Prozentpunkte auf 1,6 Prozent Realwachstum in den beiden Jahren 2017 und 2018 nach oben revidiert. Gelingt Europa nun eine überzeugende Strategie für die Zukunft von EU und EWU, ist 2018 möglicherweise sogar noch etwas mehr drin."

(AWP/Reuters)