Deutschland: Ifo-Geschäftsklima hellt sich stark auf

Keine Angst vor dem Brexit. Die Stimmung in den deutschen Unternehmen hat sich im September stark verbessert.
26.09.2016 10:08
Das Brandenburger Tor in Deutschlands Hauptstadt Berlin.
Das Brandenburger Tor in Deutschlands Hauptstadt Berlin.
Bild: youtube

Die Stimmung in den deutschen Unternehmen hat sich im September stark verbessert. Das Ifo-Geschäftsklima stieg zum Vormonat um 3,2 Punkte auf 109,5 Zähler, wie das Münchner Ifo-Institut am Montag mitteilte. Das ist der höchste Stand seit Mai 2014. Ökonomen hatten einen deutlich geringeren Stand von 106,3 Punkten erwartet. Sowohl die Geschäftserwartungen als auch die Bewertung der aktuellen Lage hellten sich deutlich auf.

"Die deutsche Wirtschaft erwartet einen goldenen Herbst", kommentierte Ifo-Präsident Clemens Fuest das Umfrageergebnis. In allen betrachteten Wirtschaftsbereichen hellte sich die Stimmung auf. Die Verbesserung folgt auf eine deutliche Eintrübung im August, die mehr als wettgemacht wurde.

Die erste Reaktion an den Finanzmärkten fiel verhalten aus. Der Euro legte zum Dollar moderat zu, der deutsche Aktienmarkt reagierte kaum auf die Veröffentlichung. Das Ifo-Geschäftsklima ergibt sich aus einer monatlichen Umfrage unter etwa 7000 Unternehmen.

Erste Analysten-Reaktionen

Das sagen Analysten zum überraschenden Anstieg des Geschäftsklimas:

ALEXANDER KRÜGER, BANKHAUS LAMPE:

"Das Ifo-Geschäftsklima hat seinen jüngsten Schwächeanfall mit Bravour überwunden. Der starke Anstieg und das Indexniveau zeigen, dass Konjunktursorgen der Unternehmen derzeit kaum vorhanden sind. Mit Blick auf die schwache Auftragslage in der Industrie erstaunt dies. Es ist zurzeit aber besonders die Bauwirtschaft, die für eine gute Stimmung sorgt. Wir sind der Ansicht, dass die Stimmung besser ist als die gesamtwirtschaftliche reale Datenlage."

THOMAS GITZEL, VP BANK:

"Die Brexit-Delle ist überwunden. Da aus der deutschen Industrie zuletzt schwache Daten kamen, ist der Anstieg umso bemerkenswerter. Die Schwungräder der deutschen Wirtschaft sind nach wie vor der private Konsum und die Bauwirtschaft. Die Stimmungsaufhellung ist deshalb vor allem auf die Binnenkonjunktur zurückzuführen.

Erstaunlich ist auch, dass die Unternehmen optimistischer in die Zukunft blicken. In Anbetracht der bevorstehenden US-Präsidentschaftswahlen hätte auch eine pessimistischere Einschätzung nicht weiter verwundert. Mit Donald Trump steht immerhin ein Kandidat in den Startlöchern, der den außenwirtschaftlichen Kurs der größten Volkswirtschaft der Welt in Frage stellt. Die deutschen Unternehmen trotzen also den internationalen Widrigkeiten. Die Wachstumsaussichten bleiben für das zweite Halbjahr günstig."

ANDREAS SCHEUERLE, DEKABANK:

"Wow! Das war ein wichtiger Pflock, den die Unternehmen gegen den zunehmenden Pessimismus eingeschlagen haben. In einem Schwung wurde das Tal der Tränen überwunden, in das die Unternehmensstimmung Ende 2015 gefallen waren. Mehr noch, das ist der höchste Stimmungswert seit Mitte 2014. Damit sollten die im letzten Monat vielfach geäußerten Brexit-Sorgen erst einmal vom Tisch sein."

RALF UMLAUF, HELABA:

"Die Stimmungsbelastung - auch vor dem Hintergrund der Brexit-Gefahr - scheint vorerst beendet. Eine Beschleunigung, vor allem der industriellen Aktivitäten, ist möglich."

(AWP)