Devestition drückt Gewinn - Huber+Suhner wächst schneller als erwartet

Die in der elektrischen und optischen Verbindungstechnik aktive Huber+Suhner (H+S) hat im ersten Halbjahr 2017 den Umsatz gesteigert.
22.08.2017 07:50
Huber+Suhner, Eingang zum Hauptgebäude.
Huber+Suhner, Eingang zum Hauptgebäude.
Bild: ZVG

Dazu trugen die beiden Zielmärkte Kommunikation und Industrie bei, während der Bereich Transport vom Bahngeschäft gebremst wird. Der Gewinn ging dagegen markant zurück, wofür insbesondere Kosten aus der vor kurzem bekanntgegebenen Devestition im Bahngeschäft sowie Investitionen in künftiges Wachstum verantwortlich gemacht werden. Der Umsatz erhöhte sich um 7,7% auf 410,7 Mio CHF, organisch, das heisst ohne Währungs- und Kupfereinfluss (+0,3%) sowie Portfolioeffekte (+2,2%), ergab sich ein Plus von 5,2%. Der Auftragseingang stieg gleichzeitig um 9,5% auf 425,1 Mio CHF.

Der Umsatz wuchs in allen drei Hauptregionen, am dynamischsten in der Region APAC (+18%), die bereits 39% des Gruppenumsatzes ausmachte, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilt. Wegen der tieferen Profitabilität wird das Ergebnis aber als insgesamt gemischt bezeichnet.

Denn der EBIT nahm markant um knapp 22% auf 32,8 Mio CHF ab, während die EBIT-Marge um 3 Prozentpunkte auf 8,0% zurückfiel. Sie liegt damit nur noch knapp innerhalb des im Frühjahr neu formulierten Zielbandes von 8 bis 10%. Der Reingewinn reduzierte sich um über 27% auf 23,9 Mio.

Verschiedene Faktoren belasten Gewinn

Den Rückgang des operativen Gewinns begründet H+S mit Investitionen in die Zukunft, Kosten im Zusammenhang mit dem Ausstieg aus dem europäischen Build-to-print-Bahnkabelsystemgeschäft und einem ungünstigen Produktmix. Das erwähnte Geschäft der Fertigung von Wagenkasten- und Unterflurverkabelungen nach Vorgabe hatte H+S erst Ende August an die Kabel-Technik Polska verkauft.

Mit den vorgelegten Zahlen hat das Unternehmen die Erwartungen hinsichtlich des Umsatzes übertroffen, mit dem Gewinn aber klar verfehlt.

Nach Märkten betrachtet, trug der Markt "Kommunikation" am meisten zum Wachstum der Gruppe bei, massgeblich gestützt durch Kundenprojekte mit grossen Kommunikationsausrüstern in Asien sowie durch das Segment Rechenzentren. Im Markt "Transport" konnte der Umsatzanstieg des Automobilbereichs den Rückgang im Bahngeschäft nur teilweise aufwiegen. Zugelegt hat dagegen der Industriemarkt und dabei alle industriellen Hightech-Nischen, wie es heisst.

Von den drei Sparten wuchs die grösste, Fiberoptics, mit einem Umsatzplus von gut 18% auf 186,4 Mio CHF am stärksten. Dazu habe der Ausbau der Mobilfunknetze auf den 4G/LTE-Standard in preissensitiven Schwellenländern beigetragen. Die EBIT-Marge ging dagegen um über 5 Prozentpunkte auf 8,7% zurück, was mit Preisdruck auf Grossprojekten im Kommunikationsmarkt begründet wird.

Der Geschäftsbereich Hochfrequenz erwirtschaftete ein Umsatzwachstum von 7,0% auf 118,1 Mio bei einer gegenüber dem Vorjahr um 80 Basispunkten verringerten EBIT-Marge von 13,1%. Zur Entwicklung in dieser Sparte hätten die Marktsegmente Luft-, Raumfahrt und Wehrtechnik sowie Mess- und Prüftechnik beigetragen, aber auch die zunehmende Ausrüstung von Bahnen mit Bord-WLan.

Niederfrequenz nur knapp positiv

Schwieriger ist die Situation im Segment Niederfrequenz, denn hier gingen die Verkäufe um gut 6% auf 106,2 Mio CHF zurück, wobei die EBIT-Marge mit 0,4% nach 6,2% im Vorjahr nur noch knapp positiv ausfiel. Für die "nach wie vor ungenügende" Profitabilität machte H+S das schwierige Kabelsystemgeschäft mit europäischen Bahnkunden verantwortlich.

Massnahmen seien eingeleitet, hätten aber das Ergebnis bereits belastet, während sich die positive Wirkung erst im zweiten Halbjahr entfalten werde. Die Vorinvestitionen im Markt Automotive begännen sich zudem vorteilhaft auszuwirken.

Für das Gesamtjahr 2017 rechnet das Unternehmen mit einem Umsatzwachstum von rund 5%, dies bei stabiler Währungssituation, sowie einer EBIT-Marge in der unteren Hälfte des neuen Zielbands von 8 bis 10%. Im Vergleich zum sehr dynamischen ersten Halbjahr, dem insbesondere das Kundenprojekt zum Ausbau des Mobilfunknetzes in Indien aussergewöhnlichen Schub verliehen habe, sei für das zweite Halbjahr von einem etwas geringeren Geschäftsvolumen auszugehen, heisst es dazu.

(AWP)